Aus der einstigen Volksaktie wird das erste börsennotierte Touristikpapier in Deutschland
Preussag-Aktionäre sollen Ja zur Tui sagen

Der Preussag-Konzern will seinen Umbau zum Touristik- Dienstleister auf der Hauptversammlung am Mittwoch durch die Umbenennung in Tui AG sichtbar machen. Konzernchef Michael Frenzel fordert das Votum der Aktionäre zu einem Zeitpunkt, zu dem die Reisebranche tief in der Krise steckt.

DÜSSELDORF. Mit dem Tagesordnungspunkt Nummer 5 wird auf der Hauptversammlung am Mittwoch der Preussag AG im Congress-Centrum von Hannover aller Voraussicht nach ein Stück deutscher Wirtschaftsgeschichte abgeschlossen. Knapp 80 Jahre nach ihrer Gründung will sich die einstige "Preußische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft" in Tui AG umbenennen. Aus dem einstigen Kohleförderer und Stahlkocher wird damit auf Briefköpfen wie an der Börse sichtbar ein großer Touristikkonzern.

Vorstandschef Michael Frenzel will mit der Umfirmierung den in wenigen Jahren durchgezogenen Komplett-Umbau des Konzerns krönen. Abgeschlossen ist die Neuausrichtung aber noch nicht. Entgegen früherer Prognosen erwirtschaftete der Konzern im vergangenen Jahr erst 56,9 % seines Umsatzes im Reisegeschäft.

Wie die Preussag, deren Papier 1959 als erste "Volksaktie" propagiert wurde, ist auch Tui ein traditionsreiches Unternehmen. Es entstand 1968 aus dem Zusammenschluss der Touristik-Pioniere Touropa, Scharnow, Hummel und Dr. Tigges zur Touristik Union International. 20 Jahre später entdeckte Preussag das neue Geschäftsfeld für sich.

Inzwischen ist die neue Preussag und künftige Tui AG der weltweit größte Touristikkonzern - mit 22 Millionen Reisenden im Jahr, mit 76 Reiseveranstaltern, über 3 700 Reisebüros, 88 Flugzeugen, 285 Hotels und rund 150 000 Betten. Die Tui AG ist der erste börsennotierte deutsche Touristikkonzern.

Eitel Sonnenschein herrscht gleichwohl nicht. Die Jahre lang von Zuwachsraten verwöhnte Reisebranche sieht sich derzeit schwer gebremst. Nach jüngsten Wasserstandsmeldungen liegen die Urlaubsbuchungen für den Sommer im Branchenschnitt um 18 % unter dem Vorjahr, bestätigte Tui-Wettbewerber Rewe Touristik. Im deutschen Markt sind die Hannoveraner nach eigenen Angaben besser mit rund 13 %. Der 11. September, dann Djerba, die schwache Konjunktur, die miese Börse, Sorge um den Arbeitsplatz - erstmals spart der deutsche Verbraucher, anders als in den Vorjahren, auch am Urlaub. Frenzel versucht seit Wochen, keine Katastrophenstimmung aufkommen zu lassen. "Wir gewinnen Marktanteile und entwickeln uns quer durch Europa besser als die anderen", sagte er bei einer Präsentation der neuen Tui AG. Dabei hilft ihm die internationale Aufstellung, insbesondere die starke Präsenz in Großbritannien. So konnte die Tochter Thomson Travel ihre Buchungsrückstände auf 4 % reduzieren.

Da hofft der Vorstandschef dann inständig auf ein gutes Last Minute-Geschäft - für ein ordentliches Konzernergebnis. Frenzels Widerpart Stefan Pichler, Chef der Lufthansa/Karstadt-Tochter Thomas Cook AG, der die Krise seit Beginn kritischer beurteilt hatte, rechnet dagegen mit einem "irreparablen Rückschlag für die Reisebranche".

So kann Frenzel die Aktionäre derzeit eher nur mit Schmankerln aufmuntern - etwa dem der weiteren Internationalisierung: Laut dpa und unter Berufung auf Konzernkreise sei der Einstieg im chinesischen Markt fast perfekt - in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Platzhirsch China Travel Service.

Quelle: Handelsblatt

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