Aus eigener Kraft nicht genug Geschäftsvolumen
Gerling sucht Partner

Der Kölner Gerling-Konzern steht nicht nur als Ganzes zum Verkauf, sondern sucht zugleich nach einem Investor für die Rückversicherung.

vwd KÖLN. "Nur mit einem kapitalstarken Partner können wir die Wachstumschancen des härter werdenden Marktes nutzen", sagte Heinrich Focke, Vorstandsvorsitzender der Gerling-Konzern Versicherungs-Beteiligungs-AG, am Mittwochabend in Köln.

Nach 583 Millionen Euro Verlust in der Rückversicherung weist der Konzern 2001 einen Fehlbetrag von 563 Millionen Euro aus.

Mit einem Bündel von Maßnahmen will Focke 2002 das Ergebnis über die 169 Millionen Euro Konzernüberschuss von 2000 heben. Ohne Investor könne man bei der Erneuerungsrunde der Verträge mit den Erstversicherern im Herbst nicht das gewollte Geschäftsvolumen einfahren, sagte Focke. Denn dazu bedürfe es der Kapitalstärke.

Die Gerling Globale Rückgruppe werde von Standard & Poor's mit "A" bewertet. Angestrebt werde zumindest "AA". Über zwei Kapitalerhöhungen von insgesamt 708 Millionen Euro sowie 102 Millionen Euro Zuschuss von Mehrheitsaktionär Rolf Gerling (65,5 Prozent) wurden die Kapitalbelastung 2001 kompensiert und die Reserven aufgefüllt.

Wegen der strategischen Bedeutung des Rückversicherungsgeschäftes will Gerling auf jeden Fall die unternehmerische Führung behalten.

Deutsche Bank nimmt sich mehr Zeit zur Partnersuche

Während der seit Jahresbeginn amtierende Vorstandschef Focke noch 2002 einen Partner für die Rückversicherung finden will, scheint für die von der Deutschen Bank angestrengte Suche nach einem neuen Mehrheitsaktionär mehr Zeit veranschlagt zu werden. Bis zur Sommerpause soll das aus fünf Mitgliedern bestehende Komitee, das die Interessen der beiden Aktionäre Deutsche Bank (34,5 Prozent) und Rolf Gerling vertritt, eine Liste potenzieller Investoren erstellen, die dann ab Herbst von den Investment-Mitarbeitern der Deutschen Bank angesprochen werden sollen. Beide Aktionäre wollen den Konzern nicht zerschlagen und die Marke "Gerling" erhalten, betonte Focke.

Als wesentliche Faktoren für den Verlust in der Rückversicherung nannte Vorstandsmitglied Björn Jansli den Schadenaufwand von netto 316 Millionen Euro aus dem Terroranschlag auf das World Trade Center, das zu starke Wachstum bei nicht risikogerechtem Prämienniveau seit Anfang der neunziger Jahre sowie den Ergebniseinbruch im US-Geschäft.

Dank der vor eineinhalb Jahren begonnenen Sanierung sei das Industriegeschäft hingegen mit einer Schaden- und Kostenquote von 109,9 (122,2) Prozent einen Riesenschritt voran gekommen. Den Außendienstmitarbeitern sei es inzwischen verboten, untertarifiertes Geschäft zu zeichnen.

Im Zuge der Sanierung soll die kombinierte Schaden- und Kostenquote nach den Unternehmensplänen bis 2004 in allen Geschäftsbereichen unter 103 Prozent sinken. Auf diesem Niveau lasse sich unabhängig von den Kapitalergebnissen Geld verdienen, meinte Focke. Der Konzern weist 2001 eine Schaden- und Kostenquote von 125,1 Prozent, die Rückversicherung von sogar 131,4 Prozent aus.

Bis Ende 2003 soll die Zahl der Mitarbeiter von 11&nsbp;587 um 1250 Beschäftigte vermindert werden. Im Massengeschäft will Gerling künftig auf den fest angestellten Außendienst verzichten und mit Handelsvertretern zusammenarbeiten.

Das einst so beworbene weltweite Netz will Focke konzentrieren. So will er sich im Industriegeschäft etwa verstärkt in Deutschland und der Schweiz aufstellen und "die europäische Alternative zur Allianz" werden. Für das aktuelle Geschäftsjahr erwartet Focke für die Erstversicherer der Gruppe eine zweistellige Eigenkapitalverzinsung und für die Rückversicherung ein positives Ergebnis.

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