Aus für deutsche Tennis-Nationalmannschaft
Kiefer: "Meist einen Schritt zu spät"

Die deutsche Tennis-Nationalmannschaft hat ohne ihren verletzten Topspieler Thomas Haas das fünfte Finale beim World Team Cup in Düsseldorf verspielt. Der dreimalige Weltmeister verlor am Freitag die letzte Partie in der "Blauen Gruppe" gegen Spanien mit 0:3.

dpa DÜSSELDORF. Somit musste er den Traum vom vierten Titel nach 1989, 1994 und 1998 im roten Sand des Rochusclubs begraben. Schon nach den beiden Einzeln war der Finalzug abgefahren. Nicolas Kiefer unterlag als Nummer-1-Vertreter Albert Costa mit 2:6, 2:6. Philipp Kohlschreiber besiegelte durch ein 3:6, 4:6 gegen Alex Corretja vorzeitig das sang- und klanglose Vorrundenaus. Den Schlusspunkt unter eine sportlich verkorkste Woche setzten Kohlschreiber/Karsten Braasch mit einem 3:6, 2:6 gegen Corretja/Costa.

Spanien musste dem "ewigen Zweiten" Russland trotz allem den Vortritt lassen. Marat Safin und Jewgeni Kafelnikow besiegten Großbritannien mit 2:1 und setzten sich dank des gewonnenen direkten Vergleichs gegen den viermalige Rekordsieger durch. Die Russen, die in den beiden Vorjahren jeweils den finalen Auftritt verloren hatten, kämpfen an diesem Samstag (12.00) gegen Argentinien um den Titel bei der 25. Auflage der Mannschafts-Weltmeisterschaft. Tim Henman hatten die Briten durch ein 6:2, 7:6 (8:6) gegen Kafelnikow zwar in Führung gebracht. Doch Safin mit einem 7:5, 7:5 gegen Martin Lee sowie der 6:1, 6:0-Doppelerfolg der beiden gegen Lee/Miles Maclagan machte den Finaleinzug perfekt.

"Ich habe mich schlecht bewegt und war meistens einen Schritt zu spät", ärgerte sich Kiefer nach der zweiten Pleite im dritten WM- Spiel. Nur gegen Safin hatte er sein Auftaktmatch gewonnen. Da war die Welt in der deutschen Mannschaft aber auch noch in Ordnung. Danach begann das quälende Hin und Her um die Verletzung von Thomas Haas. "Wenn eine gute Stimmung im Team herrscht, geht alles noch ein bisschen einfacher", sagte Kiefer. In Zagreb sei das so gewesen. Seinen Einsatz im Daviscup gegen Kroatien hatte Haas verweigert. Der Weltranglisten-Sechste, der schon gegen Großbritannien pausiert hatte, sagte am Freitag kurzfristig ab. Die Schmerzen in der lädierten rechten Schulter seien wieder stärker geworden. "Es ist schon sehr komisch: beim Aufschlag und bei der Rückhand merke ich nichts. Aber die Vorhand bereitet mir höllische Schmerzen", sagte der 24-Jährige. Sein Start bei den French Open sei zwar gefährdet, aber er werde auf jeden Fall nach Paris fahren.

Gegen Spanien zu spielen, sei unmöglich gewesen, meinte er: "Es bringt doch nichts, wenn ein Spieler auf den Platz geht, nur 60 Prozent bringen kann und vielleicht nach dem ersten Satz aufgeben muss." Daviscup-Kapitän Michael Stich akzeptierte die Aussage - was blieb ihm auch anderes übrig. Doch der Wimbledonsieger schien mächtig angefressen zu sein, zumal die Kommunikation zwischen ihm und Haas offenbar nicht sonderlich reibungslos verlaufen war. "Er allein kann wissen, ob seine Entscheidung richtig ist", sagte Stich. Und: "Ich kann nicht in ihn hineingucken. Er muss seinem Instinkt folgen. Das habe ich als Spieler auch immer so gehalten."

Philipp Kohlschreiber zahlte in seinem ersten Einsatz in der Nationalmannschaft erstaunlich wenig Lehrgeld. Erst am Abend zuvor war der Youngster aus dem Mercedes-Junior-Team von Boris Becker nach Düsseldorf hinterher gereist. Und der 19-Jährige machte seine Sache trotz der Niederlage gegen den 98er Weltmeister Alex Corretja glänzend. Mit einem Sieg gegen den "Sandfloh" aus Barcelona durfte ohnehin niemand rechnen, auch wenn Stich dem selbstbewussten Teenager eine große sportliche Zukunft voraussagt.

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