Aus für die Weltmeister
„Schwarzer Montag“ für deutsche Ballsportler

So schnell kann aus Lust Frust werden. Für die meisten deutschen Ballsport-Teams ist das Abenteuer China bereits zu Beginn der zweiten Olympia-Halbzeit beendet. Selbst auf die Weltmeister war kein Verlass. Binnen weniger Minuten nahm die Gold-Mission der Fußball-Frauen und der Handball-Männer ein Ende.

HB PEKING. Ausgerechnet an der Stätte ihres WM-Endspielerfolges von 2007 in Shanghai unterlag das DFB-Team dem WM-Zweiten Brasilien im Halbfinale deutlich mit 1:4. Kurze Zeit später hissten auch die WM-Helden von Heiner Brand die weiße Flagge: Mit dem 21:27 gegen Europameister Dänemark verpassten sie gar den Einzug in die Finalrunde.

Das Aus der Parademannschaften trübte die bisher gute Olympia-Stimmung von Chef de Mission Michael Vesper: "Ich bin natürlich enttäuscht über die Fußball-Frauen und die Handballer. Wenn Weltmeister ausscheiden, ist das besonders bitter." Nach dem schon vorher besiegelten Knockout der Volleyballer, Basketballer und der Handball-Frauen liebäugeln vor allem die Hockey-Spielerinnen mit einen Platz auf dem obersten Treppchen.

Vier Jahre nach ihrer rauschenden Siegerparty von Athen wächst bei den Damen der Glaube an einen weiteren Coup. Mit Verweis auf den Gruppensieg sprach Abwehrchefin Tina Bachmann von einer Endspielchance: "Unser nächster Gegner muss sich viel einfallen lassen, um uns zu schlagen." Schmerzvoll endete das Vorhaben der Fußballerinnen. Mit der bisher höchsten Niederlage einer DFB-Elf bei Sommerspielen war die dritte olympische Halbfinal-Schlappe nacheinander besiegelt. "Wir hätten es besser machen müssen. Die Mannschaft hat alles aus sich herausgeholt.

Es hat einfach nicht gereicht", kommentierte Bundestrainerin Silvia Neid. Von einem bronzenen Trostpreis können die Handballer dagegen nur träumen. Im "Gruppen-Endspiel" um den Viertelfinal-Einzug versagten dem durch Verletzungen gebeutelten Team die Nerven. Deutliche Worte fand Außenspieler Florian Kehrmann: "Es ist einfach nur Scheiße." Für die Basketballer um Dirk Nowitzki endete das Turnier in Peking gar mit einer Lehrstunde. Beim 57:106 gegen die übermächtige USA spielte das einstmals erfolgreiche Team, das 2002 WM-Bronze und 2005 EM-Silber gewonnen hatte, zum letzten Mal in dieser Besetzung zusammen. Patrick Femerling und Pascal Roller beendeten ihre internationale Karriere, die Zukunft von Nowitzki bleibt offen. "Es ist im Moment für mich schwer vorstellbar, im nächsten Jahr eine EM zu spielen", kommentierte der NBA-Superstar vielsagend.

Seinen Ausstand als Volleyball-Bundestrainer gab Stelian Moculescu. Bei der ersten Olympia-Teilnahme einer deutschen Männer- Mannschaft seit 36 Jahren blieb ihm das erhoffte Happy End jedoch versagt. Mit dem 0:3 gegen Brasilien verpasste sein Team das Viertelfinale. Dennoch zog er nach seiner neunjährigen, zweiten Amtszeit ein positives Fazit: "Olympia ist das Höchste. Meine Spieler hatten bei der Eröffnungsfeier feuchte Augen. Dafür haben sich die neun Jahre Arbeit gelohnt." Mit ungleich größerem Frust treten die deutschen Handball-Frauen die Heimreise an. Trotz des enttäuschenden Auftritts stellte der DHB die Arbeit von Armin Emrich nicht in Frage: Der Vertrag mit dem Trainer wurde an Ort und Stelle bis Ende August 2012 verlängert.

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