Aus Lärmschutzgründen müssen viele Gartenlokale schon um 22.00 Uhr schließen
Ab zehn Uhr ist Schluss mit lustig

Sommer, Sonne, Biergartenzeit. Ob ein Bembel Ebbelwei oder eine Maß Bier - in lauen Sommernächten schmeckts im gemütlichen Garten der Kneipe um die Ecke immer noch am besten. Doch trotz landesweit liberalisierter Sperrzeiten hat dieser Spaß vielerorts schon um 22.00 Uhr ein Ende. Denn über die Länge der Außenbewirtschaftung wachen die Ordnungsämter der Städte, die alleine aus Lärmschutzgründen nur selten ein Auge zudrücken.

ap FRANKFURT/MAIN. Für den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Grund genug, auf die Barrikaden zu gehen. Dorn im Auge der Gastwirte ist vor allem die Grundlage für die meist ablehnende Haltung der Ordnungsämter: "Menschliche Kommunikationsgeräusche werden faktisch immer noch eingeordnet wie Industrielärm", beschwert sich der stellvertretende Geschäftsführer des Verbands, Stephan Büttner. Danach dürfen ab 22.00 Uhr in Wohngebieten 40 Dezibel und in den Innenstädten 45 Dezibel nicht überschritten werden.

Diese Regelung betreffe aber Hämmern, Sägen und Bohren. "Dabei ist menschlicher Lärm doch viel verträglicher", ist sich Büttner sicher. Deshalb sollten sich die Ordnungsämter nicht länger an der Regelung für Industrielärm orientieren und im Fall von Gartenlokalen mindestens zehn Dezibel zugeben, fordert Büttner. Noch besser allerdings wäre eine generelle Ausweitung der Zeiten auf 24.00 Uhr. Das würde die Gastwirte auch von der Willkür vieler Beamter befreien.

Verändertes Ausgehverhalten

Das Ausgehverhalten der Menschen habe sich in den vergangenen zehn Jahren geändert, argumentiert Büttner. "Früher saßen die Familien gemeinsam zu Hause vor dem Fernseher. Heute geht man viel öfter zusammen aus, zum Beispiel zum Essen." Zudem sieht er ein Selbstinteresse der Städte: "Ein pulsierendes Nachtleben ist doch ein Anziehungspunkt für sie", plädiert er. Außerdem sollte bedacht werden, dass es in Deutschland jährlich höchstens 20 bis 30 warme Abende zum Draußensitzen gebe.

Dennoch: Um spätestens 23.00 Uhr werden in den meisten deutschen Städten die Bürgersteige hochgeklappt, dem Lärmschutz zuliebe. So ist in Schwerin, Hannover, Bremen, Kiel, Erfurt und Leipzig ab 22.00 Uhr in den Biergärten oder auf den Cafeterrassen Schluss mit lustig. Ausnahmen sind nur in speziellen Fällen möglich. Liberaler zeigen sich dagegen Köln, Hamburg und neuerdings auch die Mainmetropole Frankfurt. In Köln gibt es eine grundsätzliche Erlaubnis, nach der in den Gärten der Kneipen bis 23.00 Uhr gezecht werden darf. In Hamburg, Berlin und Frankfurt am Main darf bis in die tiefe Nacht unter freiem Himmel geklönt werden, solange sich kein Anwohner beschwert.

In Frankfurt ist diese Regelung noch brandneu: Seit 1. August dürfen alle Kneipen bis 5.00 Uhr morgens aufhaben, auch in ihren Gärten können sich die Nimmermüden bis dahin am Eppelwoi laben. "So lange sich die Anwohner nicht beschweren, greifen wir auch nicht ein", sagt Rolf Menzer, Leiter des Frankfurter Ordnungsamts. Vor der landesweit geänderten Regelung mussten die Gastwirte um 23.00 Uhr ihre Gärten schließen, Ausnahmeregelungen gab es nur für Kneipen außerhalb der Stadt.

Das Stadtsäckel leidet

Gut für die Gaststätten, schlecht für das Stadtsäckel. Denn Ausnahmeregelungen mussten Gastwirte bisher mit barer Münze bezahlen. Nun gebe es keine Ausnahmen mehr und damit auch keine Einnahmen, beklagt Menzer. Doch die Ausnahmeanträge hätten auch sehr viel Arbeit gemacht. Abzuwarten bleibe indes, ob bald eine Flut von Beschwerden auf das Ordnungsamt niedergehen wird, sagt Menzer. Kein Problem gibt es dagegen im hohen Norden mit zechversessenen Gästen: "Ab 22.00 Uhr ist es bei uns so kalt, dass niemand mehr draußen sitzen will", sagte ein Sprecher des Kieler Innenministeriums.

Die generellen Sperrzeiten für Gaststätten sind in den vergangenen Jahren in vielen Bundesländern drastisch gelockert worden. So müssen seit dem 1. August die Kneipen in Hessen und Nordrhein-Westfalen nur zwischen fünf und sechs Uhr schließen - in Berlin ist dies seit über 50 Jahren gang und gäbe. Das Saarland einigte sich vor einem Jahr auf diese Regelung. Rheinland-Pfalz will am 1. Januar 2002 nachziehen.

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