Aus Leistungsprämie kann Motivationsbremse werden
Dienstwagensteuer ärgert Autoindustrie

Am Privileg der privaten Nutzung des Dienstwagens will der Staat künftig stärker partizipieren. Die angekündigte Erhöhung der Steuerpauschale trifft nicht nur die Inhaber von Dienstwagen, sondern auch die Automobilfirmen. Sie hatten bereits 1996 einen Einbruch der Nachfrage durch neue Steuern erlebt.

FRANKFURT/M. Schätzungsweise zwei Millionen Besitzer von Dienstwagen gibt es in Deutschland - Rot-Grün ärgert jetzt viele von ihnen bis zur Weißglut. Denn werden die Steuerpläne der Regierung Gesetz, dann dürften viele der privat nutzbaren Dienstfahrzeuge ihre Attraktivität verlieren. Durch die Erhöhung der Steuerpauschale auf das nicht selbst bezahlte, aber auch privat genutzte Gefährt um 50 % wird so aus der Leistungsprämie Dienstwagen eine Motivationsbremse für Mitarbeiter.

Doch gibt es Möglichkeiten, die höhere Steuerlast zu vermeiden. Wer zum Beispiel nur wenig Privatfahrten mit dem Dienstwagen macht, kann die Steuer senken, in dem er ein Fahrtenbuch führt. Die etwas aufwendige Prozedur dürfte sich für mehr Betroffene lohnen als bisher. Nebenbei könnte die Steuererhöhung auch neue Technologien beflügeln. Denn die Lösung gibt es längst: den elektronischen Fahrtenschreiber, der in Verbindung mit dem Navigationssystem dazu beitragen kann, dem Staat ein Steuer-Schnippchen zu schlagen. Bei geleasten Fahrzeugen gibt es eine weitere Chance: Statt die Pauschale von 1,5 % des Anschaffungspreises als geldwerten Vorteil zu versteuern, kann es im Einzelfall günstiger sein, die tatsächlichen Kosten, die dem Arbeitgeber aus einem Leasingvertrag entstehen, anzusetzen.

Die Automobilindustrie befürchtet, dass die drastische Erhöhung der Dienstwagensteuer die Autokonjunktur in Deutschland ausbremsen werde. "Gerade das Fahrzeugsegment wird geschwächt, das sich bislang besonders konjunkturrobust gezeigt hat", wettert Bernd Gottschalk, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Der VDA erwartet nun für 2003 nur noch einen bescheidenen Zuwachs von 2 % für den deutschen Pkw-Markt. Betroffen sind besonders deutsche Hersteller, bei denen neun von zehn Dienstwagen geordert werden. Die Branche, die nach drei schwachen Jahren für 2003 auf eine Erholung gehofft hatte, sieht nun die Impulse aus dem Inlandsmarkt schwinden.

Vor allem teure Limousinen werden als Firmenwagen zugelassen. Oftmals stellt sich nun die Frage, ob sich ein Dienstwagen überhaupt noch lohnt. Denn ein Manager, der einen Wagen für 50 000 Euro fährt, müsste künftig, sofern der Vorschlag den Bundesrat passiert, jährlich 2 500 Euro mehr als Gehalt versteuern. Bei einem Grenzsteuersatz von knapp 50  % bedeutet das eine Nettomehrbelastung von fast 1 250 Euro. Als Reaktion könnten Führungskräfte beim Dienstwagen zurückstecken, um die steuerliche Bemessungsgrundlage zu drücken. "Viele Nutzer werden auf kleinere Modelle und weniger Ausstattung zurückgreifen", sagt Ulrich Winzen vom Marktforschungsinstitut Marketing Systems. Das befürchtet auch Erich Klemm, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Daimler-Chrysler AG. Wegen des negativen Effekts auf die Beschäftigung fordert er die Bundesregierung auf, die Erhöhung der Dienstwagensteuer zu überdenken. Auch Klaus Mangold, Vorstandschef der Daimler-Chrysler Services AG, kritisiert die geplante Erhöhung der Dienstwagenpauschale: "Für unseren Konzern sowie für die gesamte Automobilindustrie führt dies zu einer Schwächung des Absatzes." Derzeit sei jedes fünfte von Daimler-Chrysler verkaufte Auto ein Dienstwagen.

Als die damalige CDU/FDP-Regierung 1996 eine neue Dienstwagenregelung einführte, kam es nach VDA-Angaben zu massiven Auswirkungen auf die Nachfrage. Am sensibelsten habe das Segment der Oberklasse-Limousinen reagiert, zu dem der 7er BMW, die S-Klasse und der A 8 gehören. "Von 1996 bis 1997 brach das Topsegment um 25 % auf rund 31 000 Fahrzeuge ein", weiß BMW-Finanzchef Stefan Krause. Von diesem Schlag habe sich das seither stagnierende Segment nie wieder erholt. Andere Töne sind vom Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche zu hören: Nach der Einführung der Dienstwagensteuer 1996 habe man nur etwa ein halbes Jahr lang Zurückhaltung gespürt.

Ein Schrumpfen der Autoverkäufe von 150 000 pro Jahr, wie es Ferdinand Dudenhöffer vom Prognose-Institut Autofuture prognostiziert, halten die meisten Analysten zwar für überzogen, doch könne besonders das Leasinggeschäft darunter leiden. Auch dies würde die deutschen Hersteller empfindlich treffen. So ist bei VW und Audi der Marktanteil in Deutschland im Flottengeschäft 50 % höher als im Gesamtmarkt. Auch bei Opel, BMW und Ford gibt es diese Unterschiede. Am höchsten sind die Anteile beim Golf, dem BMW 5er, dem Opel Astra, dem Passat, dem Audi A6 und der Mercedes E-Klasse.

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