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Aus Sonne Geld gewinnen

Solarstrom spielt an der Börse ebenso wie in der Energieerzeugung bisher nur eine kleine Rolle. Doch sehr risikobewussten Anlegern bieten die Aktien durchaus Phantasie.

Die Politik macht?s möglich. Spätestens mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das im Februar dieses Jahres verabschiedet wurde, laufen die Geschäfte in der Photovoltaik (Solarstromerzeugung) in Deutschland. Der Umsatz soll im Jahr 2000 mindestens um 100 Prozent steigen. Auch die längerfristigen Aussichten sind hervorragend: Die Schweizer Bank Sarasin rechnet in einer Studie für die nächsten zehn Jahre mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 30 Prozent. Netzgekoppelte Anlagen machen dabei nur einen Bereich aus. Große Phantasie steckt auch in den so genannten Inselanlagen, wie zum Beispiel den Photovoltaikdächern für Autobahntelefone. Auch das Geschäft mit den Solarzellen in Uhren und Taschenrechnern wächst. Schneller als das Internet, sagen manche Experten voraus.

Also einsteigen in die Marktführer der Photovoltaikindustrie? Wohl kaum, denn Shell, BP, Kyocera und Sharp betreiben die Photovoltaik nur nebenbei. Beispiel Kyocera: Deren Solarzellen gelten als besonders effizient, holen aus der Sonne viel elektrische Energie heraus. Mit 30 Megawatt Kapazität sind sie Weltmarktführer. Aber der ganze Photovoltaikumsatz macht im Konzern gerade fünf Prozent aus. Den Rest verdienen die Japaner unter anderem mit Druckern und Keramikteilen für elektronische Hochleistungsgeräte. Der Photovoltaikboom hat sich für die Aktionäre von Kyocera kaum bemerkbar gemacht; seit Februar notiert die Aktie wenig verändert.

Ganz anders ging es da bei zwei der drei spezialisierten deutschen Werten ab. Wer Anfang des Jahres in die Solon AG, die Solarworld AG oder die SAG Solarstrom AG investierte, hat gute Gewinne eingefahren - wenn auch die Aktien zum Teil sehr deutlich unter ihre Höchststände vom Frühjahr zurückgefallen sind. Die SAG hat ein bewusst konservatives Geschäftsmodell gewählt. Die Freiburger suchen Firmen und Kommunen - zurzeit sind sie nach eigenen Angaben mit über 400 Kommunen im Gespräch -, die bereit sind, sich größere Photovoltaikanlagen aufs Dach stellen zu lassen. Sie bauen die Anlagen auf eigene Kosten und kassieren die Stromentgelte. "Ein sicheres Geschäft", meint Harald Schützeichel, Vorstandsvorsitzender der SAG, "weil die Erlöse gemäß dem EEG über 20 Jahre garantiert sind." Das Einzige, was die Freiburger für eine Expansion ständig brauchen, ist sehr viel frisches Kapital. Das holen sie sich am liebsten über die Börse. Die zweite Kapitalerhöhung seit 1998 läuft gerade. Man hofft auf 36 Mill. DM. Die reichen aber wieder nur für 2,5 MW neue Kraftwerksleistung und eine jährliche Umsatzsteigerung von vielleicht 2 Mill. DM. Eine wirklich überzeugende Rendite ist mit diesem Verhältnis von Investitionssumme und Umsatz nicht zu erreichen. Außerdem: Beim prognostizierten Wachstum wäre in Zukunft fast jedes Jahr eine Kapitalerhöhung fällig, würde man sich nur durch Eigenkapital finanzieren. Weil das in schlechten Börsenjahren schwierig werden könnte, denkt man über andere Finanzierungsarten wie Leasing nach. Dadurch könnte die Eigenkapitalrendite erheblich steigen.

Solon versteht sich als Maßanfertiger für größere in Gebäude integrierte Photovoltaikanlagen. Die Kreuzberger Solarschmiede ist stolz auf ihre bisherigen Projekte wie das Bundespräsidialamt, das Paul-Löbe- und das Jakob-Kaiser-Haus im Berliner Regierungsviertel. Sie hat drei Expo-Projekte, darunter den Betriebshof Hannover-Leinhausen der Hannoverschen Verkehrsbetriebe, mit Anlagen bestückt. Das größte Kapital der Gesellschaft ist die Mannschaft. "Woher kriegt man in diesem Geschäft umfassend ausgebildete Leute?" fragt Vorstandsmitglied Alexander Voigt und gibt die Antwort: "Nirgendwoher. Wir müssen selbst ausbilden. Das erfordert Zeit und zahlt sich erst nach ein paar Jahren aus." In diesem Jahr will Solon erstmals die Gewinnschwelle erreichen. Das hatten sich die Berliner schon letztes Jahr vorgenommen. 1999 verlief jedoch ziemlich desaströs. Statt geplanter 20 Mill. wurden am Ende nur 15 Mill. DM umgesetzt. Dabei entstand ein Furcht erregender Verlust von 7 Mill. DM. Mit einer neuen Unternehmensstruktur und personellen Veränderungen im Vorstand und Aufsichtsrat haben die Kreuzberger einiges zur Effizienzsteigerung getan. Jetzt hoffen sie, bei 30 Mill. DM Umsatz eine schwarze Null schreiben zu können. Gemessen am Umsatz, ist die Aktie der Solon AG niedrig bewertet.

Große Ziele hat die Solarworld AG aus Bonn. Chef Frank H. Asbeck will aus dem Unternehmen unbedingt den ersten vollintegrierten Solarkonzern machen. Ein wichtiges Glied dazu hat Solarworld kürzlich erworben: Mit dem Kauf von Bayer Solar erfolgt die Produktion der Siliziumwafer, der dünnen Siliziumscheiben, mit denen die Solarzellen gebaut werden, jetzt konzernintern.

Für die Zellenproduktion haben die Bonner "Kooperationsverträge mit starken Solarzellenproduzenten" abgeschlossen. Die Modulproduktion besorgt die schwedische Tochter GPV. Nächstes Jahr soll die größte "Solarfabrik" der Welt gebaut werden. Wer weiß, vielleicht wird aus Asbeck mal der Bill Gates der Photovoltaik. Bislang muss er aber noch in die Privatschatulle greifen, damit die Bilanzen des Konzerns gut aussehen. Für 1999 wurde nur ein Gewinn ausgewiesen, weil Asbeck gegenüber dem Konzern auf eine Forderung im sechsstelligen Bereich verzichtete. Das ist allerdings nur auf den ersten Blick selbstlos. Asbeck und Familienangehörige sind im Besitz von etwa 80 Prozent des Aktienkapitals, profitierten also am meisten vom Verzicht.

Während die drei Unternehmen einen Großteil des photovoltaischen Anlegerinteresses des Marktes auf sich ziehen und mit Hilfe immer neuer Kapitalerhöhungen kräftig aufrüsten, stellt sich so manchem Investor die bange Frage, wann die Politik umschwenkt und statt Photovoltaik zum Beispiel Wasserstoffkraftwerke fördert. "Keine Angst", meint Alexander Voigt, "der Zug geht klar in unsere Richtung." In Europa macht Brüssel mächtig Druck bei den anderen Mitgliedern der Europäischen Union, dem deutschen Beispiel zu folgen. In Kärnten zahlt man Photovoltaikbetreibern bereits 1,42 DM pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die Vergütung 99 Pfennig.

Ein wesentlicher Grund für den Optimismus liegt aber in der Art der Förderung. Die Subventionierung der Solarenergie kostet den Staat keinen Pfennig. Die Gemeinschaft der Stromkunden zahlt per Umlage den höheren Satz für photovoltaisch erzeugten Strom. Warum sollten Politiker das ändern wollen?

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