Ausbau der Mehr-Kanal-Vertriebswege steht 2001 im Vordergrund
Internetbanking wird durch Beratungs-Center flankiert

Auch wenn bei den deutschen Direktbrokern die Neukunden-Zahlen in den beiden letzten Quartalen nicht mehr ganz so üppig ausfielen wie noch zu Beginn 2000: Das E-Banking bleibt auf Wachstumskurs.

FRANKFURT/M. Die Investmentbank JP Morgan geht davon aus, dass im Jahr 2003 15 % aller Finanzprodukte mit einem Volumen von 442 Mrd. über den Vertriebskanal Internet verkauft werden. Analysten von Fox-Pitt, Kelton schätzen rund 48 Millionen Online-Banking-Kunden im Jahr 2004. Größter Markt sei Großbritannien mit rund 11 Millionen Nutzern, dicht gefolgt von Deutschland mit knapp 9 Millionen, heißt es.

In den kommenden Jahren wird sich der Abstand zwischen etablierten Instituten und klassischen Internetbanken weiter verringern. Die Kunden erwarten von ihren "Hausbanken" ein umfassendes Multi-Kanal-Angebot. Jederzeit, von überall, über unterschiedliche Medien wie Handy, Internet oder Filialen fordern sie Erreichbarkeit rund um die Uhr. Die Direktbanken gehen demzufolge verstärkt dazu über, neben dem reinen Internet-Banking auch so genannte Anlage-Center zu eröffnen, um Neukunden anzusprechen.

Die Direkt Anlage Bank hat 2000 bereits zehn Anlage-Center in Betrieb, Ende des folgenden Jahres sollen es bereits 15 sein. Comdirect zieht nach und will 2001 drei Service-Center eröffnen. Die Advance Bank verfügt schon über Beratungscenter und wird durch den mobilen Vertrieb der Mutter Dresdner Bank verstärkt.

Charles Schwab ist Vorbild

Die jährlichen Investitionen in den Ausbau des E-Commerce der deutschen Großbanken liegen allesamt im hohen Euro-Millionen- oder sogar Milliardenbereich. Die Deutsche Bank zum Beispiel, die ihre gesamten E-Business-Aktivitäten im so genannten Global-E-Konzept gebündelt hat, brachte 2000 neben einem neuen Internet-Firmenkundenportal auch den pan-europäischen Online-Broker Maxblue auf den Weg. Dieser ist integraler Bestandteil der Bündelung des europäischen Privatkundengeschäfts unter dem Dach der Deutschen Bank 24. Vorbild für Maxblue sei der US-Broker Charles Schwab, sagte Deutsche Bank 24-Chef Herbert Walter. Die Zahl seiner Online-Brokerage-Kunden in Europa will er bis 2004 von derzeit rund 300 000 auf 1,5 Millionen steigern.

Auch die Hypo-Vereinsbank (HVB) arbeitet an einer umfassenden E-Strategie unter dem Titel "Webpower". Die Umsetzung dieses Internet-Projektes hat sich die Münchener Großbank nach eigenen Angaben allein in diesem Jahr 250 Mill. kosten lassen. Webpower umfasst rund 20 Projekte: Neben dem eigenen Internetauftritt, der 2001 vollständig überarbeitet werden soll, hat die HVB mit "Planethome" ein Immobilien-Portal gestartet, bei dem Kunden eine Immobilie suchen und von unterschiedlichen Anbietern Finanzierungsangebote einholen können. Daneben gibt es ein eigenes Firmenkundenportal. Auch die Abwicklung von Bankgeschäften per Handy soll bald möglich sein, erklärte ein Sprecher der Hypo-Vereinsbank. Für 2001 ist zudem der Start von "memIQ" geplant, einem Gemeinschaftsprojekt der HVB mit Mannesmann und Ixos Software. "Das ist quasi ein elektronischer Safe", so der Sprecher. Mit memIQ sollen Kunden vertrauliche Unterlagen im Internet archivieren können.

Comdirect im Markt bereits etabliert

Die Dresdner Bank bastelt im Jahr eins nach den beiden gescheiterten Fusionsversuchen mit der Deutschen Bank und der Commerzbank weiter an ihrem Konzept der "fokussierten europäischen Beraterbank". Hierbei sei das E-Business ein zentrales Wachstumsfeld der Zukunft, betonte Vorstands-Chef Bernd Fahrholz. Seit Sommer 2000 ist das Online-Brokerage über die Direktbank Advance Bank-Tochter möglich. Daneben verfügt die Dresdner mit dem Firmenfinanzportal und dem Marktplatz Allago über zwei eingeführte E-Commerce-Gesellschaften. In den kommenden zwei Jahren will das Institut weitere 500 Mill. investieren und zeigt sich offen für Partnerschaften.

Die Commerzbank verfügt mit der Comdirect über eine bereits etablierte Direktbank. Darüber hinaus sind in der Tochtergesellschaft Commerz NetBusiness (CNB) als Center of Competence alle Internet-Aktivitäten der Commerzbank gebündelt. Als "Tor zum Internet" soll die CNB Angebot und Nachfrage in Online-Märkten mit dem Schwerpunkt auf Bankdienstleistungen zusammenbringen. Im kommenden Jahr stehe bei der Commerzbank vor allem der Aufbau einer vollwertigen virtuellen Privatkundenfiliale auf dem Programm, sagte ein Sprecher. Daneben befinde sich mit "Treasury Cockpit" eine Internet-Plattform für das Firmenkundengeschäft in der Pilotphase.



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