Ausbau der weltweiten Finanzdienstleistungen
Daimler-Chrysler gründet eigene Vollbank

Der Autokonzern Daimler-Chrysler gründet eine eigene Vollbank. Sie soll den Kunden voraussichtlich ab der zweiten Jahreshälfte 2001 umfassende Bankdienstleistungen anbieten und mit neuen Finanzprodukten über das klassische Fahrzeugleasing- und-finanzierungsgeschäft hinaus gehen, wurde am Freitag auf einer Pressekonferenz in Berlin mitgeteilt.

adx BERLIN. Die Dienstleistungstochter debis konzentriere sich damit nach dem Desinvestment bei debitel und debis Systemhaus noch stärker auf das weiter wachsende Finanzdienstleistungsgeschäft, betonte der Vorstandschef der bisherigen Daimler-Chrysler Services (Debis) AG, Klaus Mangold. Diese werde unter Nutzung der weltweiten Ausstrahlung der Konzernmarke künftig nur noch unter Daimler-Chrysler Services AG firmieren, erläuterte er. Der Name debis bleibe zugleich bei allen nicht-fahrzeugbezogenen und Drittgeschäften wie im künftigen Wachstumsfeld Telematik oder beim Flugzeugleasing erhalten.

"Als einer der weltweit führenden Finanzdienstleister werden wir uns noch deutlicher entlang der wichtigsten Wertschöpfungskette im Automobilbereich aufstellen", betonte Mangold. Denn die Hälfte des Geschäfts während der gesamten Auto-Lebensdauer entfalle auf Service und Dienstleistungen. Die Bank sei als Direktbank ohne Filialen konzipiert und wolle keine Konkurrenz zur klassischen Hausbank sein. Sie werde als Premiumprodukte insbesondere das Einlagengeschäft, spezielle Ansparpläne, Tagesgeldkonten und Investmentfonds auch von Dritten anbieten. Ein wesentlicher Beitrag wird von der Ausgabe zweier Daimler-Chrysler-Karten mit Service- oder Kreditkartenfunktion erwartet. Neben Zahlungsfunktionen, Reise- und Veranstaltungsservice solle sie künftig weitere Funktionen wie ein attraktives Bonusprogramm oder die Möglichkeit zur Parkhausbuchung erhalten.

Mercedes-Benz Finanz beantragt Vollbank-Lizenz

Der Start der Daimler-Chrysler Bank hängt Mangold zufolge von dem erfahrungsgemäß mehrmonatigen Genehmigungsverfahren durch das zuständige Bundesaufsichtsamt ab. Der Vorstandschef erwartet dabei keine Probleme. Denn Daimler-Chrysler verfüge durch die Debis-Tochter Mercedes-Benz Finanz GmbH in Stuttgart bereits über eine Banklizenz, die nun um das Anlagengeschäft erweitert werden solle. Dazu werde Mercedes-Benz Finanz die Vollbank-Lizenz beantragen. Mit der deutschen Lizenz erhalte die Bank auch den Europass für alle EU-Staaten. Für das Deutschland-Geschäft werde wie bisher Stuttgart der Sitz sein, während die internationalen Aktivitäten von Berlin aus gesteuert werden. Die teilweise Aufgabe des Namens Debis bedeute für die bisherige AG, die im Zuge des Mergers von Daimler-Benz und Chrysler zum weltweit viertgrößten Finanzdienstleister im Nicht-Banken-Bereich aufgestiegen sei, keine Aufgabe von Positionen, sondern im Gegenteil eine Stärkung des Unternehmens und seiner internationalen Ausstrahlungskraft.

Bei den Kundenkarten habe man mit derzeit rund 160 000 Mercedes Cards eine gute Startbasis, fügte Mangold hinzu. Allein das Kundenpotenzial von rund neun Mill. bei Mercedes-Benz, 19 Mill. bei Chrysler und sechs Mill. bei Debis umreiße die Möglichkeiten zur Ausweitung dieses Geschäfts. Die Karten sollen sowohl unter Daimler-Chrysler als auch unter den anderen Produktmarken des Konzerns angeboten werden, auch in den USA.

Starkes Europageschäft

In den ersten neun Monaten dieses Jahres steigerte debis seinen Umsatz gegenüber dem Vergleichszeitraum 1999 um 46 %. Mangold führte dies vor allem auf ein starkes Europageschäft und gute Leasingergebnisse in den USA zurück. Obwohl debis Systemhaus nach dem Desinvestment nicht mehr konsolidiert werde, erziele die Daimler-Chrysler Services AG im Gesamtjahr einen höheren Umsatz als 1999, sagte Mangold voraus. Bei der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler seien im Finanzdienstleistungsbereich alle Ziele erreicht und die einzelnen Gesellschaften unter einem Dach zusammengefasst worden, hob der Vorstandschef hervor. Die Synergien daraus machten nach 60 Mill. Euro 1999 in diesem Jahr 65 Mill. Euro.

Deutlich ausgeweitet wurde Mangold zufolge das europaweite Auto-Flottenmanagement. Bei Nutzfahrzeugen sei der debis-Marktanteil auf 40 und bei Pkw auf 35 % gewachsen. Überproportional wuchs der Anteil beim Management von Fuhrparks. So werden in diesem Jahr knapp 150 000 Pkw und Nutzfahrzeuge unter anderem für Siemens, Telekom und die baden-württembergische Polizei gemanagt. Mangold räumte zugleich Ergebnisrückgänge vor allem durch Wertberichtigungen für Flotex sowie Sonderabschreibungen für Leasing-Fahrzeuge in den USA und Großbritannien im Gesamtwert von 490 Mill. Euro ein. Daher sollen die Reserven für das Leasinggeschäft kräftig aufgestockt werden.

Beim Flugzeug-Leasing ist debis mit der im September beschlossenen vollen Übernahme der Aer-Fi-Group zum drittgrößten Unternehmen in diesem Markt aufgerückt. Das Portfolie von debis Air Finance umfasse nun rund 230 Verkehrsflugzeuge und ein Wertvolumen von knapp 5 Mrd. Euro. Zum Kundenstammm gehörten jetzt 79 Fluglinien in 35 Ländern der Erde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%