Ausbau des Diabetes-Bereichs: Roche zahlt hohen Preis für Disetronic

Ausbau des Diabetes-Bereichs
Roche zahlt hohen Preis für Disetronic

Der Pharmakonzern Roche will die Schweizer Medizintechnikfirma Disetronic übernehmen und damit seinen Bereich Diabetes verstärken. Laut Angaben vom Montag plant Roche, für insgesamt 1,6 Milliarden Franken Disetronic zu kaufen und dessen Bereich Infusionssysteme in die Divison Roche Diagnostics zu integrieren.

Reuters ZÜRICH. Der Disetronic-Bereich Injektionssysteme hingegen wird für rund 425 Millionen Franken an Disetronic-Gründer Willy Michel zurück verkauft, der diesen Bereich als unabhängiges Unternehmen weiterführen will. "Unsere Nettokosten liegen bei rund 1,2 Milliarden Franken," sagte ein Roche-Sprecher zu Reuters.

Roche will den Disetronic-Aktionären zwei eigene Genussscheine plus 670 Franken in bar für eine Disetronic-Aktie zahlen. Dies entspricht laut Roche einer Prämie von 55 Prozent gegenüber dem Disetronic-Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Der Disetronic-Verwaltungsrat unterstützt die Transaktion, hiess es. Bedingung für das Zustandekommen der Übernahme ist, dass mindestens 80 Prozent der Disetronic-Aktionäre die Roche-Offerte akzeptieren.

An der Börse schnellten die Disetronic-Titel zur Eröffnung bis auf 835 Franken nach oben und notierten gegen 11.30 Uhr noch um 51,4 Prozent fester bei 822 Franken. Disetronic hatten 2001 fast 57 Prozent an Wert eingebüsst und lagen in diesem Jahr bis Freitag knapp neun Prozent im Minus. Die Roche-Genussscheine verloren an der Börse 2,2 Prozent auf 88,50 Franken. Der Gesamtmarkt lag 0,6 Prozent im Minus und der DJ StoxxHealthcare-Index tendierte 0,2 Prozent schwächer.

Laut Analysten bezahlt Roche einen hohen Preis für Disetronic. "Die Offerte entspricht einer Prämie von 55 Prozent und scheint uns auf den ersten Blick teuer," schrieb Patrik Burgermeister von der Zürcher Kantonalbank in der "Daily Market Opinion" der Bank. Die ZKB schätzt, dass Roche damit über 900 Millionen Franken zusätzlichen Goodwill übernimmt und die Gewinnverwässerung etwas unter ein Prozent beträgt. Der Pharmakonzern, der bisher über keine Insulinpumpen verfügt, ergänze damit sein Diabetes-Geschäft sinnvoll, so Burgermeister. Den Disetronic-Aktionären empfiehlt die ZKB die Annahme der Offerte.

Gemäss Bank Leu hat der weltweite Markt für Insulinpumpen derzeit ein Volumen von rund 700 Millionen Franken und wächst durchschnittlich um elf Prozent pro Jahr.

Weltweit leiden etwa 150 Millionen Personen unter der "Zuckerkrankheit", einer Unterfunktion der das Insulin produzierenden Bauchspeicheldrüse. Insulin regelt den Blutzuckerspiegel. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet bis ins Jahr 2025 mit Anstieg auf rund 300 Millionen Diabetes-Patienten.

Roche-Konzernchef Franz Humer sagte zu Reuters, der Disetronic-Bereich Infusionssysteme passe ausgezeichnet in das Diabetes-Geschäft des Konzerns. "Das komplettiert unser Angebot im Bereich Diabetes und ich denke, es positioniert uns so, dass wir in diesem Bereich viele Jahre Marktführer sein können," so Humer. Die Akquisition bringe Roche zudem in seinem Bemühen, eine künstliche Bauchspeicheldrüse zu entwickeln, einen grossen Schritt weiter.

Disetronic setzte in den ersten neun Monaten des mit März endenden Geschäftsjahres 2002/03 insgesamt 240 Millionen Franken um, davon 178 Millionen Franken mit den Infusionssystemen. Roche setzte 2001 mit seinem Diabetes-Geschäft 2,33 Milliarden Franken und in den ersten neun Monaten 2002 dann 1,86 Milliarden Franken um.

Disetronic-Gründer Michel hält direkt und über die Techpharma-Gruppe rund 34 Prozent an Disetronic. Weitere knapp 38 Prozent liegen laut Geschäftsbericht 2001/02 bei Verwaltungsrat und Management.Die Transaktion bedarf neben der Zustimmung der Aktionäre bei einer ausserordentlichen Generalversammlung auch noch der Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörden.

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