Ausbildung kommt oft zu kurz
Illegale Kinderarbeit ist in Großbritannien weit verbreitet

afp LONDON. In Großbritannien leistet rund eine halbe Million Kinder im schulpflichtigen Alter illegale Arbeit. Ein Drittel von ihnen ist 13 Jahre alt und hat damit gerade mal das Alter erreicht, ab dem Kinder überhaupt erst arbeiten dürfen, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Gewerkschaftsdachverbands Trade Union Congress (TUC) hervorgeht. Nach einer TUC-Umfrage unter 2500 Schülern in England und Wales jobben die meisten von ihnen weitaus mehr als die erlaubten zwölf Stunden pro Woche. Immerhin die Hälfte der Befragten arbeitet darüber hinaus außerhalb der für Kinder unter 16 Jahren erlaubten Zeiten zwischen 7.00 Uhr und 19.00 Uhr. Jeder zehnte Schüler gab zu, wegen seiner Arbeit auch mal die Schule zu schwänzen.

Nach Angaben der Gewerkschafter haben insgesamt rund zwei Mill. Schüler Gelegenheitsjobs, vorwiegend als Zeitungsausträger, Babysitter oder Aushilfe in Geschäften. Einige arbeiten aber auch in Fabriken oder in Kneipen. Jeder fünfte von ihnen bekommt für seinen Job gerade mal zwei Pfund (etwa sechs Mark) die Stunde oder noch weniger. Am meisten und schwersten arbeiteten zumeist die Kinder aus armen Familien.

Die Gewerkschafter bedauern vor allem, dass sich die Situation seit der vorherigen Studie vor vier Jahren nicht verbessert hat, obwohl die EU inzwischen eine Direktive erließ, um sicherzugehen, dass die Ausbildung nicht unter der Arbeit leidet. Nach ihren Angaben waren die meisten Arbeitgeber sich nicht einmal bewusst, dass sie bei der Beschäftigung der Schüler die Gesetze übertraten. "Es geht schon in Ordnung, wenn sich Kinder mit Gelegenheitsjobs ihr Taschengeld aufbessern - aber es wird problematisch, wenn sie deswegen die Schule verpassen oder mit ihren Hausaufgaben nicht mehr nachkommen", kritisierte TUC-Generalsekretär John Monks Chef. Er forderte gänzlich neue und klarere Regelungen zur Kinderarbeit.

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