Ausbildungslager ausgehoben: Alliierte kreisen Bagdad ein

Ausbildungslager ausgehoben
Alliierte kreisen Bagdad ein

Im Kampf um die Kontrolle Bagdads haben die US-geführten Truppen am Sonntag nach eigenen Angaben die irakische Hauptstadt fast vollständig eingekreist. Lediglich eine nördliche Ausfallstraße in Richtung Kirkuk müsse noch gesichert werden, sagten US-Militärsprecher. Beim Vormarsch der Truppen rund zwölf Kilometer südöstlich von Bagdad nahe der Stadt Salman Pak stießen die Truppen nach US-Angaben auf "Ausbildungslager für Terroristen".

Reuters BAGDAD. Hinweise darauf hätten sie von zuvor gefangen genommenen Söldnern aus Sudan, Ägypten und anderen Ländern bekommen. Das Lager belege die Verbindung der irakischen Führung zum Terrorismus, sagten US-Militärs. Die USA hatten den Krieg gegen Irak unter anderem damit begründet, dass das Land den internationalen Terrorismus unterstütze.

Bagdad wurde am 18. Kriegstag erneut von schweren Explosionen und Artillerie-Beschuss erschüttert. Mit dem Näherrücken der Invasionstruppen verhängte die irakische Regierung von Sonntag an eine nächtliche Ausreisesperre für Bewohner Bagdads.

Soldaten der 3. Infanteriedivision hätten die Kontrolle über zwei Schnellstraßen nördlich und westlich Bagdads gewonnen, hieß es in US-Militärkreisen. Marineinfanteristen seien mittlerweile auch östlich der Hauptstadt. Eine Gruppe sei bereits bis auf zwei Kilometer an die nordöstlichen Außenbezirke vorgerückt. Nun würden sich Truppen auch südöstlich von Bagdad aus der Stadt bis auf zehn Kilometer nähern. "Wir sind kurz davor, alle Straßen zu kontrollieren", sagte ein Militärsprecher der 3. Infanteriedivision einem Reuters-Korrespondenten.

Das Ausbildungslager in Salman Pak könne nicht mit bestimmten terroristischen Organisationen in Verbindung gebracht werden, teilte das US-Militär mit. "All das, die Berichte darüber, woher sie kommen, warum sie hier sein mögen, zusammengenommen, sagen uns aber, dass es noch immer eine klare Verbindung zwischen diesem Regime und dem Terrorismus gibt", sagte ein Militärsprecher in Katar.

Die US-Truppen durchsuchten Salman Pak häuserweise, da sie dort Geheimdienststellen oder Zentralen vermuteten. In der Nacht war die Stadt unter heftigem Artilleriebeschuss der Marineinfanteristen geraten. Bei dem Vormarsch auf die Stadt waren die Truppen am Samstag nach US-Angaben kaum auf irakischen Widerstand gestoßen. US-Konvois aus Militärfahrzeugen waren indes auf den Hauptstraßen in Richtung irakischer Hauptstadt unterwegs. Reuters-Korrespondenten berichteten zudem von heftigem Artillerie-Beschuss in der Wohngegend Sajuneh östlich von Bagdad in der Nähe eines Hauses von Saddams Sohn Udai. Die USA gehen davon aus, dass in der Gegend einige irakische Artillerie-Einheiten stationiert sind.

Die US-geführten Truppen rückten auch vom Südwesten weiter auf Bagdad vor. Dort haben sie den Flughafen seit Freitag nach eigenen Angaben fest unter Kontrolle und mittlerweile rund 7 000 Soldaten zusammengezogen. Der Flughafen soll den Koalitionstruppen als Brückenkopf dienen. "Sie werden sich von dort aus in den Norden, Süden, Osten und Westen ausbreiten, um sicher zu stellen, dass in dem Gebiet keine anderen (irakischen) Streitkräfte sind", sagte ein US-Militärsprecher vom Central Command dem britischen Rundfunksender BBC. Die Truppen würden von dort aus auch weiterhin Abstecher nach Bagdad machen, fügte er hinzu. "Dies ist wichtig, um das Gebiet abzusichern. Dies ist auch aus psychologischen Gründen wichtig", sagte er.

Erstmals Werfergranaten in Bagdad eingeschlagen

Aus Bagdad berichtete Reuters-Korrespondentin Samia Nakhoul erneut von schweren Explosionen. Die Detonationen seien bis ins Stadtzentrum zu hören gewesen. Kampfflugzeuge der Alliierten waren über der Stadt. Am Nachmittag wurde das Zentrum erstmals seit Kriegsausbruch zudem mit Werfergranaten beschossen. Die Geschosse schlugen in einem Geschäfts- und Wohnviertel ein. Reuters-Reporter berichteten aus ihrem Hotel, nur wenige Kilometer entfernt seien nach dem Angriff hohe Rauchsäulen aufgestiegen.

Die irakische Regierung verkündete im Fernsehen ein nächtliches Ausreiseverbot für die Menschen in Bagdad. Allein am Samstag waren tausende Bewohner aus Bagdad geflohen. In der Hauptstadt versuchten Krankenhausmitarbeiter, die Lage unter Kontrolle zu behalten. Wegen der heftigen Bombardierungen gab es nach Krankenhausangaben stündlich bis zu 100 neue Einlieferungen. Die Kliniken seien bis an ihre Kapazitätsgrenze belastet und die Lage werde immer chaotischer, sagte eine Mitarbeiterin des Internationalen Roten Kreuzes. Mangel an Wasser und Strom erschwere die Behandlung.

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