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Ausbildungspakt zeigt erste Erfolge

Bundesregierung und Wirtschaft sehen erste Erfolge ihres im Sommer verabredeten Ausbildungspaktes. So konnte die Zahl der im Herbst noch nicht vermittelten 44 600 Jugendlichen bis Ende November um nahezu auf die Hälfte reduziert worden.

dpa BERLIN. Bundesregierung und Wirtschaft sehen erste Erfolge ihres im Sommer verabredeten Ausbildungspaktes. So konnte die Zahl der im Herbst noch nicht vermittelten 44 600 Jugendlichen bis Ende November um nahezu auf die Hälfte reduziert worden.

Nach Jahren des Rückgangs haben die Betriebe erstmals wieder mehr Lehrstellen angeboten - unter dem Strich 15 000 mehr als in 2003. Dabei haben 25 000 Unternehmen erstmals einen Lehrling eingestellt. Diese Zahlen nannte das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, am Freitag in Berlin.

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sprach von einem "sehr ermutigendem Ergebnis". Die Partner des Ausbildungspaktes hätten ihr Versprechen gehalten. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sagte, der Pakt habe auf dem Lehrstellenmarkt "eine Trendwende geschafft". Die IG Metall nannte die Bilanz dagegen eine "Mogelpackung". DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock sagte, die Erfolgsmeldungen der Wirtschaft seien "in Wahrheit Nebelkerzen".

CDU-Chefin Angela Merkel sagte dem Sender N 24, es gebe zwar Fortschritte, aber noch keinen Grund zum Feiern. SPD-Fraktionschef Franz Müntefering kündigte an, dass der Pakt fortgesetzt und im nächsten Jahr früher mit der Vermittlung begonnen werde. SPD und Grüne hatten nach Abschluss des Paktes mit der Wirtschaft ihre ursprünglichen Pläne für eine gesetzliche Abgabe von Betrieben ohne Lehrlinge auf Eis gelegt.

Den unversorgten Jugendlichen wurden teilweise reguläre Lehrverträge angeboten, aber auch berufsvorbereitende Kurse oder so genannte Einstiegsqualifikationen. Dies sind mehrmonatige Praktika, für die die Bundesregierung einen Zuschuss zahlt. Handwerkspräsident Dieter Philipp sagte, es handele sich dabei nicht um "Restangebote", sondern zum Teil um hochwertige Beschäftigungen. Die Jugendlichen sollte diese Chance ergreifen. Insgesamt stehen 25 000 solcher Einstiegsqualifikationen zur Verfügung.

Wer keine Lehrstelle bekommen hatte, war von Kammern und Arbeitsämtern zu Beratungsgesprächen eingeladen worden. Die Beteiligung an den Gesprächen war regional sehr unterschiedlich. Während in Berlin nur jeder dritte Jugendliche ohne Lehrstelle das Gespräch suchte, waren es in Sachsen-Anhalt 88 Prozent. 16 600 Jugendliche, bei denen Zweifel an der Ausbildungsreife bestand, stellten sich einem "Kompetenzcheck".

Die IG Metall warf Arbeitgebern und Bundesregierung vor, die Bilanz für das Ausbildungsjahr 2004 schön zu rechnen. Noch immer seien 47 900 ausbildungswillige Jugendliche ohne Lehrstelle, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Erwin Vitt am Freitag in Frankfurt.

Deutliche Kritik übten Wirtschaft und Bundesregierung an der schulischen Vorbildung vieler Jugendlicher. Die deutschen Schulen entlassen seit Jahren rund zehn Prozent aller Schüler ohne Abschluss. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (Dihk), Ludwig Georg Braun, sagte, oft brächten aber auch Jugendliche mit Hauptschul- oder Realschulabschluss nicht das Niveau für eine betriebliche Ausbildung mit. Statt nach der Schulzeit mit teuren Sonderprogrammen "nachzubessern", sollte bereits im achten und neunten Schuljahr eine bessere Berufsvorbereitung beginnen. Braun: "Die Schulen schaffen das nicht allein. Sie brauchen Hilfe durch Assistenten oder Sozialpädagogen." Bulmahn kündigte ein Gespräch mit der Kultusministerkonferenz (KMK) an.

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