Ausbleiben von Gewinnwarnungen
Die Wall Street verspürt Frühlingsgefühle

Zaghafte Zeichen eines neuen Konjunkurfrühlings haben US-Anleger in gute Laune versetzt und den Börsenkursen Auftrieb gegeben. Ökonomen und Marktstrategen warnen jedoch vor Rückschlägen.

hus NEW YORK. Viele Aktien seien zu teuer, außerdem könne die Arbeitslosigkeit trotz der günstigen Daten vom vergangenen Freitag weiter steigen. Anleger sollten sich auf stabile, eher langweilige Werte konzentrieren, raten Experten. Die größte Phantasie scheint allerdings wieder einmal in den Technologiewerten zu liegen.

Eine von 5,6 auf 5,5 % gesunkene Arbeitslosenquote hat zum Wochenschluss eine Serie positiver Konjunkturdaten bestätigt und viele Ökonomen darin bestärkt, dass die Rezession bereits zu Ende ist. Experten warnen allerdings, dass saisonale Bereinigungen die Zahlen zu positiv erscheinen lassen. Chefökonom Bill Cheney vom Finanzkonzern John Hancock Financial Services etwa glaubt: "Die Zahlen könnten sich als statistische Fehlkalkulation erweisen."

Auch Chefstratege Richard Bernstein von der Investmentbank Merrill Lynch ist überzeugt, dass die Arbeitslosenquote wieder steigen wird: "Die Löhne steigen derzeit stärker an als die Preise. Das könnte zu weiteren Entlassungen führen." Die Risiken, dass Konsumenten ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen könnten, würden größer. Bernstein warnt deshalb vor zyklischen Konsumgüter-Werten, etwa Autoherstellern. Auch laut Bernstein sind viele Aktien noch immer zu teuer. "Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist, wenn man die Wachstumsrate berücksichtigt, derzeit höher als vor dem Crash von 1987."

Die technologielastige Nasdaq legte in der vergangenen Woche um 7 % auf 1 929 Punkte zu. "Das könnte darauf hindeuten, dass die Führungsrolle in den Aktienmärkten von Konsumgütern zu den Technologiewerten wechselt", sagt Marktstratege Francois Trahan von der Vermögensverwaltung Brown Brothers Harriman. Der Dow Jones Index der 30 wichtigsten Industriewerte hat sich in der vergangenen Woche heftig schwankend um 2 % auf 10 572 Punkte verbessert, der breiter gefasste S&P 500 Index stieg um 3 % auf 1 164 Punkte. Positive Nachrichten kamen in der vergangenen Woche vor allem von dem Computer- und Softwarehersteller Sun Microsystems und vom Chiphersteller Intel. Beide bestätigten ihre Gewinn-Vorhersagen. Intel erhöhte zudem seine Umsatzerwartungen.

Das Ausbleiben von Gewinnwarnungen und neue ökonomische Daten könnten in dieser Woche den Börsenauftrieb weiter stützen. Spannend wird der Freitag: An diesem Tag sind Daten zur Kapazitätsauslastung und zum Vertrauen der Konsumenten fällig. Außerdem laufen an diesem Tag die Kauf-und Verkaufsoptionen für das erste Vierteljahr aus, was häufig für Turbulenzen sorgt.

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