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Ausblick 2005: Analysten sehen eine Flut von Risiken für die Autobranche

Deutschlands Autobauer hatten sich vom Jahr 2004 deutlich mehr erwartet - die freudigen Hoffnungen auf einen Marktaufschwung verflüchtigten sich im Laufe der Monate jedoch ins Nichts.

dpa-afx FRANKFURT. Deutschlands Autobauer hatten sich vom Jahr 2004 deutlich mehr erwartet - die freudigen Hoffnungen auf einen Marktaufschwung verflüchtigten sich im Laufe der Monate jedoch ins Nichts. Das auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt zuvor noch laut gefeierte Modellfeuerwerk der Branche - es verpuffte ohne den vorher noch von allen vorhergesehenen großen Markteffekt.

Obwohl die deutsche Wirtschaft im ersten Halbjahr 2004 erstmals nach drei Jahren wieder an Schwung gewann, blieb die Kaufunlust, Sparsamkeit und Vorsicht der deutschen Autofahrer groß. So groß, dass selbst vermeintliche Selbstläufer wie der Golf V aus dem Hause Volkswagen Startschwierigkeiten hatten und mit Sonderrabatten - eine Klimaanlage gratis - angeschoben werden mussten. Vor allem der Privatkauf ging 2004 wie in den Vorjahren erneut weiter zurück.

Prognose Gesenkt

Im Juli musste auch der Verband der deutschen Automobilwirtschaft VDA einsehen, dass die zu Jahresanfang gegebene Prognose von einer Absatzsteigerung auf 3,35 Mill. Autos nicht mehr zu halten war. Und so wurde der Ausblick wieder auf das Niveau des Vorjahres (3,24 Million Fahrzeuge) heruntergeschraubt. Mit ein bisschen Glück dürfte zumindest diese Marke bis Ende Dezember auch erreicht worden sein. Dennoch hat damit hat die Branche das fünfte Jahr in Folge vergebens auf den großen Aufschwung gehofft.

Während vor allem Volumenhersteller wie Volkswagen und Opel mit der Flaute zu kämpfen hatten und die asiatische Konkurrenz Marktanteile hinzugewann, konnten einige wenige deutsche Hersteller denn doch punkten: Die Premiumstrategie von BMW ging auch in diesem Jahr auf. Für das "gewisse Etwas mehr" waren nicht nur die Deutschen bereit Geld zu zahlen. Weltweit legte der Absatz der Münchner deutlich zu.

Verhaltene Perspektive

Unterdessen gehen daher die meisten Beobachter mit eher verhaltenen Erwartungen in das kommende Jahr 2005. Nach Ansicht vieler Experten kommt erneut eine Flut von Risiken auf die Branche zu. Und kaum jemand mag die Messlatte für den Absatz noch wirklich hoch hängen. So rechnet etwa der VDA lediglich mit einer leichten Steigerung über das Vorjahresniveau. 2005 werde ein "Arbeits- und ein Kampfjahr", schätzt Verbandspräsident Gottschalk. "Ich bin ganz und gar nicht zuversichtlich."

"Es wird generell schwierig. Es gibt mehrere Faktoren, die gegen die Industrie sprechen", sagt auch der Autoexperte Michael Raab von Sal. Oppenheim, rechnet. Er rechnet lediglich mit einem leichten Absatzplus von 1 bis 1,5 Prozent in Nordamerika und Westeuropa. Raab nennt als Risiko unter anderem die voraussichtlich weiter steigende Rohstoffpreise und die Entwicklung der Wirtschaft als deutliche Absatzhemmer. Zusätzliche Belastungen für die Hersteller seien die vielfach auslaufenden Absicherungen gegen Wechselkursschwankungen (Hedging), der voraussichtlich weiter anhaltende Preiswettbewerb der Branche und ein erwarteter Zinsanstieg.

Ende VON 'Geiz IST Geil' Abzusehen

Positiver gestimmt zeigt sich der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. "Ich gehe davon aus, dass sich die Menschen an die hohen Ölpreise gewöhnen werden und die Kauflust wieder zurückkehrt." So werde es zumindest ab der zweiten Jahreshälfte einen leichten Aufschwung geben. Denn bereits jetzt gebe es erste Anzeichen, dass die Deutschen nicht mehr nur auf "Geiz ist Geil" schwören, sondern wieder konsumieren wollten. Impulse erhofft sich Dudenhöffer zudem von einer Steuerbegünstigung des Rußpartikelfilters, die seiner Meinung nach im Juni abgesegnet werden dürfte. Am Ende dürfte die Branche damit auf einen Absatz von etwa 3,25 Mill. kommen, schätzt der Experte.

Auch Maria Bissinger von Standard & Poor's rechnet damit, dass sich der Markt im kommenden Jahr in Europa nur leicht um ein bis maximal zwei Prozent nach oben bewegen wird. "Vor allem der Druck aus Asien dürfte noch einmal zunehmen." Unterdessen hält Oliver Girzick von der Bayerischen Landesbank das wichtigste Pulver der Branche bereits in diesem Jahr verschossen. "Von der Modellseite her gesehen kann man das Jahr 2004 nicht toppen", sagt er. Doch dabei habe schon die Einführung der wichtigen Volumenmodelle Ford Focus, Opel Astra und Golf V in diesem Jahr nicht gezogen, gibt er sich pessimistisch.

Die Branche selbst wird der Entwicklung am Markt mit Umstrukturierungen begegnen müssen, schätzt derweil GM Europa-Vizechef Carl Peter Forster. Anstatt einer weiteren Konsolidierung, wie sie die Autoindustrie in den vergangenen Jahren erlebt hatte, dürfte es zudem nach Ansicht des früheren Mercedes-Benz-Chefs Jürgen Hubbert zunehmend zu Kooperationen zwischen den Herstellern kommen.

--- Von Tanja Vedder, dpa-AFX ---

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