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Ausblick 2005: Deutsche Automobilbranche bleibt auch 2005 zweigeteilt

Die deutsche Automobilbranche wird auch 2005 zweigeteilt bleiben. Die Schere zwischen Premiumanbietern wie BMW und Porsche und Volumenherstellern wie Volkswagen und Opel ist in diesem Jahr weiter auseinander gegangen.

dpa-afx FRANKFURT. Die deutsche Automobilbranche wird auch 2005 zweigeteilt bleiben. Die Schere zwischen Premiumanbietern wie BMW und Porsche und Volumenherstellern wie Volkswagen und Opel ist in diesem Jahr weiter auseinander gegangen. Rabatte, Konsumzurückhaltung, der starke Euro sowie japanische und französische Wettbewerber werden der Branche auch 2005 das Leben schwer machen.

BMW :

Der Münchner Autohersteller profitiert derzeit von einer Modelloffensive. Neu im Programm waren in diesem Jahr unter anderem der geländegängige X3 und die 1er-Reihe, mit der sich BMW erstmals in die Kompaktklasse wagt. Mit Hilfe der neuen Modelle stieg der Absatz bis Ende November um 8,6 Prozent auf 1,09 Mill. Euro. Damit wurde der Vorjahresrekord von 1,1 Mill. Auslieferungen praktisch schon erreicht. Im Gesamtjahr wird der Absatz der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce um einen hohen einstelligen Prozentwert zulegen. Auch beim Umsatz von zuletzt 41,5 Mrd. Euro ist ein neuer Bestwert eingeplant.

Das Absatzwachstum führt bei BMW auch zu steigenden Gewinnen. In den ersten neun Monaten legte der Vorsteuer-Gewinn um 8,5 Prozent auf 2,7 Mrd. Euro zu. Im Gesamtjahr will BMW das Rekordergebnis des Jahres 2002 (3,3 Mrd) übertreffen. Wegen des neuen Werks in Leipzig läuft auch der Jobmotor bei BMW rund. Im ersten Halbjahr wurden in Deutschland rund 1 000 Arbeitsplätze geschaffen. Weltweit lag die Zahl der Beschäftigten zuletzt bei gut 105 000 Mitarbeitern. Für 2005 rechnen Analysten mit weiteren Zuwächsen, da der 1er in sein erstes volles Jahr geht und im Frühjahr die neue 3er-Reihe präsentiert wird.

Mercedes-Benz/Smart

Nachdem Daimler-Chrysler die Nutzfahrzeugsparte und den US-Autobauer wieder in stabile schwarze Zahlen gebracht hat, entwickelte sich 2004 überraschend die erfolgsverwöhnte Mercedes Car Group (MCG) zum Sorgenkind. Der neue Chef Eckhard Cordes muss sich 2005 vor allem um die Kosten, die Qualität und den Vertrieb kümmern, damit die Mercedes- Gruppe wieder an alte Erfolge anknüpfen kann. Zwar dürfte in diesem Jahr die Absatzzahl des Vorjahres (1,2 Mill. Autos) sogar leicht übertroffen werden, dafür dürfte der Gewinn dramatisch zurückgehen. Analysten erwarten eine operativen Gewinn von etwas über zwei Mrd. Euro in der Mercedes-Gruppe (2003: 3,1 Mrd Euro). Grund für den Rückgang sind hohe Kosten zur Qualitätsverbesserung, Kosten für Modellanläufe, der schwache Dollar und weiter rote Zahlen bei smart.

2005 dürfte nach Ansicht der Analysten für Mercedes zwar besser als 2004 werden, einen kräftigen Zuwachs bei Absatz, Umsatz und Ertrag erwarten sie erst 2006. 2005 kommen gleich vier neue Mercedes- Modelle auf den Markt. Die beiden neuen Modellreihen B (auf A-Klasse- Basis) und R (auf M-Klasse-Basis), die neue M-Klasse und das Flaggschiff S- Klasse. Die Arbeitsplätze der rund 160 000 Mercedes- Werker sind bis Anfang 2012 gesichert - dafür werden bei ihnen jährlich 500 Mill. Euro eingespart.

Porsche

Der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche hat das Geschäftsjahr 2003/2 004 (31. Juli) mit einem Rekordgewinn vor Steuern von 1,08 Mrd. Euro abgeschlossen - das entspricht einer Steigerung von 16,6 Prozent. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 6,36 Mrd. Euro. Porsche verkaufte 76 827 Wagen - 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Hauptumsatzträger waren nicht die klassischen Sportwagen, wie die 911er Modelle oder der Boxster, sondern der Geländewagen Cayenne. Dieses Modell brachte es auf 39 913 Einheiten - mehr als die Hälfte des Gesamtabsatzes. Auch das laufende Geschäftsjahr 2004/2 005 wird nach Worten von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking "hochprofitabel".

Audi

Die VW-Tochter Audi hat in diesem Jahr unter anderem vom neuen viertürigen A3 Sportback profitiert. Audi-Chef Martin Winterkorn hat den elften Absatzrekord in Folge angekündigt. Die Zahl der Auslieferungen (2003: 769 893 Autos) soll um zwei Prozent zulegen. Auch beim Umsatz von zuletzt 23,4 Mrd. Euro will Audi weiter wachsen. Das Ergebnis bleibt laut bisherigen Ankündigungen stabil. 2005 setzt Audi unter anderem auf den neuen A6 Avant. Derzeit verhandelt Winterkorn mit Arbeitnehmervertretern über eine Senkung der Lohnkosten. Der Betriebsrat will sich aber nicht auf längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn einlassen.

Ein Sorgenkind bei Audi ist das US-Geschäft, wo die Ingolstädter im Vergleich zu Konkurrenten wie BMW noch enormen Nachholbedarf haben. Nach Kritik am VW-Luxuswagen Phaeton und schwachen Absatzzahlen wurde der US-Chef von Audi, Axel Mees, fristlos entlassen. Zwischen Januar und Oktober war der Audi-Absatz in den USA von 70 230 auf 63 388 verkaufte Autos gesunken. BMW kam einschließlich Mini derweil auf 242 724 Auslieferungen.

Volkswagen

Der unter Absatzproblemen und dem starken Euro leidende VW-Konzern verdiente in den ersten neun Monaten bei einem Gewinneinbruch von 43 Prozent nach Steuern noch 459 Mill. Euro. Im Oktober setzte das Management nach zähen Verhandlungen einen neuen Tarifvertrag mit einer Senkung der Arbeitskosten um jährlich eine Milliarde Euro ab 2006 durch. Dafür gibt es für die 103 000 Arbeitsplätze der westdeutschen Werke eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2011.

Mit einem konsequenten Sparkurs und neuen Modellen hofft VW 2005 auf einen Wachstumsschub. In Europa kommen der neue Golf Plus, der neue Passat und der Fox auf den Markt, in den USA rollt der neuen Jetta an. In den ersten neun Monaten hatte der Wolfsburger Autobauer seinen Absatz um 1,6 Prozent auf 4,6 Mill. Fahrzeuge gesteigert. Probleme hat VW aber vor allem in den USA, wo der Absatz zuletzt im November um fast 40 Prozent eingebrochen war. Von Januar bis November war der Absatz in Nordamerika um 10,7 Prozent auf 515 000 Fahrzeuge geschrumpft. Daneben ließ der schwache Dollar die Gewinne sinken.

Opel

Der angeschlagene Autobauer Opel steht vor der größten Umwälzung in seiner Geschichte. Seit Jahren schreibt Opel rote Zahlen (2003: 384 Mill. Euro operativer Verlust), und auch im laufenden Jahr dürfte sich das Minus auf einen dreistelligen Millionenbetrag belaufen. GM gibt seit Anfang des Jahres keine eigenen Zahl für Opel mehr bekannt, sondern nur noch für das Geschäft von GM-Europa. 2003 war der Opel-Umsatz um knapp 15 Prozent auf 13,9 Mrd. Euro gesunken.

Der Mutterkonzern General Motors (GM) will zur Kostensenkung im nächsten Jahr nahezu jede dritte Stelle bei Opel streichen - das macht etwa 10 000 Arbeitsplätze aus. Betroffen sind neben dem Stammwerk in Rüsselsheim auch die Werke in Bochum und Kaiserslautern. Über den sozialverträglichen Abbau verhandeln die Arbeitnehmer derzeit noch mit dem Management. Zudem wird über die Streichung übertariflicher Leistungen gesprochen. Als Gegenleistung verlangt der Betriebsrat eine Standortgarantie bis 2010.

Von Januar bis November 2004 hat Opel 338 000 Wagen in Deutschland verkauft, das entspricht dem Vorjahresniveau. Der Marktanteil im Inland liegt aktuell bei 10,1 Prozent (Vorjahr: 10,3 Prozent). Im neuen Jahr setzt Opel auf den erfolgreichen Golf-Konkurrenten Astra. Neu auf den Markt kommen der Astra GTC mit Panoramascheibe, zum Jahresende der Astra Cabrio sowie der Mini-Van Zafira.

Ford

Ford will in Europa nach einem Milliardenverlust in 2003 das Minus im ablaufenden Geschäftsjahr auf höchstens 200 Mill. Dollar (rund 150 Mill. Euro) drücken. Die Absatzzahlen in Deutschland sind nach den Worten des deutschen Ford-Chefs Bernhard Mattes mit 7,8 Prozent bis zum August 2004 in einem insgesamt rückläufigen Markt leicht gestiegen. Bei den deutschen Ford Werken mit einer Niederlassung im belgischen Genk arbeiten 32 000 Beschäftigte.

Im Jahr 2003 erzielte Ford in Deutschland Erlöse in Höhe von 14 Mrd. Euro. Zum Umsatz 2004 wollte das Unternehmen keine Angaben machen. Für das kommende Jahr erwarten die Kölner Autobauer wegen der Konsumzurückhaltung für den deutschen Automarkt keine deutliche Erhöhung der Nachfrage. Ford will nach der Komplettierung der gesamten Focus-Palette nach 3- und 5-Türern im kommenden Jahr den Ford Focus Turnier und den 4-Türer sowie den Ford Focus ST auf den Markt bringen.

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