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Ausblick 2005: Kräftiger Renditeanstieg an Rentenmärkten erwartet - Kein Crash

Die Finanzmärkte müssen sich nach Einschätzung von Rentenexperten 2005 auf kräftig steigende Renditen einstellen. Das Ausbleiben der bereits für 2004 erwarteten scharfen Kurskorrektur an den Anleihemärkten in den USA und der Eurozone hat dabei das Risiko für ein Platzen der Blase erhöht.

dpa-afx FRANKFURT. Die Finanzmärkte müssen sich nach Einschätzung von Rentenexperten 2005 auf kräftig steigende Renditen einstellen. Das Ausbleiben der bereits für 2004 erwarteten scharfen Kurskorrektur an den Anleihemärkten in den USA und der Eurozone hat dabei das Risiko für ein Platzen der Blase erhöht. Einen Crash am Rentenmarkt schließen die befragten Experten aber aus. Nach der kräftigen Leitzinserhöhung der US-Notenbank 2004 dürfte auch die EZB 2005 die Leitzinswende vollziehen. Eile sei dabei allerdings nicht geboten.

Vor diesem Hintergrund rechnen die von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragten Experten im Durchschnitt in den USA bis Ende 2005 mit einem deutlichen Renditeanstieg von derzeit gut 4,1 auf 4,9 Prozent. In der Eurozone dürfte nach einem überraschenden Renditerückgang 2004 die Bewegung von derzeit etwa 3,5 auf 4,4 Prozent etwas stärker ausfallen. Damit wird sich der ungewöhnlich hohe Renditeabstand von derzeit gut 0,6 Prozentpunkten verringern.

Experten Erwarten 'Geordnete Bewegung'

"Der ausgebliebene Renditeanstieg hat das Risiko für ein Platzen der Blase am Rentenmarkt erhöht", sagte Jan Holthusen, Leiter Rentenmarkt der DZ Bank. "Der Markt steht aber nicht vor einem Crash." Der Experte rechnet gleichwohl mit einer deutlichen Korrektur. Angesichts der in den USA vollzogenen Zinswende, einer boomenden Weltwirtschaft und eines höheren Inflationsdrucks sei der Rentenmarkt insbesondere in der Eurozone im Augenblick "viel zu teuer". Er führt die jüngsten Tiefststände auf die hohe Liquidität zurück.

Auch Rentenexperte Christoph Balz begründet das "viel zu niedrige" Renditeniveau zumindest zum Teil mit einer "zu reichlichen" Liquiditätsversorgung. "Eine Zehnjahresrendite von nur etwas mehr als vier Prozent passt weder zu einer mit Raten von drei bis vier Prozent expandierenden Wirtschaft noch zu Teuerungsraten um zwei Prozent", sagte Balz. Derzeit mehrten sich die Anzeichen für eine Übertreibung am Rentenmarkt. Die zu erwartende Bereinigung wird sich für Michael Rottmann, Rentenexperte der HVB, aber in einer "geordneten Bewegung" vollziehen.

EZB Wird Geldpolitik Behutsamer Straffen

Die US-Notenbank hat nach Einschätzung von Balz trotz der vollzogenen Leitzinswende und fünf Leitzinserhöhungen 2004 um insgesamt 1,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent nicht einmal die Hälfte der Strecke auf dem Weg zu einem neutraleren Leitzinsniveau hinter sich. Für 2005 rechnet der Experte mit einer weiteren "sehr deutlichen" Anhebung um 1,75 Prozentpunkte. Einschätzungen, wonach 2005 ein regelrechter Konjunktureinbruch zu befürchten sei, hält Balz für übertrieben. Angesichts des bereits außergewöhnlich niedrigen Renditeniveaus sei ein deutlicher Renditerückschlag damit "wenig wahrscheinlich".

Die Rendite der Bundesanleihen wird Balz zufolge dem Anstieg der US-Renditen nur unterproportional folgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde die Geldpolitik mit 0,50 Prozentpunkten 2005 behutsamer straffen als die Fed. Auch die DZ Bank rechnet nach einem Stillhalten bis Sommer nur mit zwei Trippelschritten der EZB auf dann 2,50 Prozent. Die sich abzeichnende Abschwächung des Wachstums und geringe Inflationsgefahren sprächen gegen eine kräftigere Erhöhung.

Leitzins 'Quasi Zementiert'

Vor diesem Hintergrund steht die EZB nach Einschätzung der Helaba Trust zunächst sogar unter Zinssenkungsdruck. Die Leitzinsen seien derzeit im Euroraum "quasi zementiert". Deshalb halten die Experten den im Durchschnitt prognostizierten Rendite-Anstieg für die Eurozone und die USA für "zu pessimistisch". Die Experten erwarten erst in der zweiten Jahreshälfte nach Ausloten des Konjunkturtiefs "nennenswerte Risiken" für die Rentenmärkten. Bis dahin dürfte der globale Zinserhöhungszyklus zumindest eine längere Pause einlegen.

Bereits für 2004 hatte die Mehrheit der Experten mit der Prognose eines kräftigen Renditeanstiegs glatt daneben gelegen. So hielt sich selbst in den USA trotz der vollzogenen Leitzinswende der US-Notenbank und einer günstigen Konjunkturentwicklung der Renditeanstieg in engen Grenzen. Gründe sind den Experten zufolge neben der hohen Liquidität der kräftige Anstieg der Rohölpreise. "Die Sorge vor einer Dämpfung des Wirtschaftswachstums und nicht mögliche Inflationsgefahren standen dabei im Mittelpunkt", sagte DZ Bank-Experte Holthusen. Die Aufwertung des Euro habe die Sorge vor einer Abschwächung der Eurozonen-Konjunktur bei gedämpften Inflationsgefahren noch verstärkt. Die Erwartung einer weiteren Euro-Aufwertung wirke wie ein Magnet auf Kapital aus den USA.

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