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Ausblick 2005: Nach Großübernahmen wenden sich Konsumgüterfirmen nach Asien

Nach einer Serie von Großübernahmen setzen Konsumgüterhersteller im kommenden Jahr verstärkt auf eigenes Wachstum. "Es gibt kaum noch große Firmen, die zum Verkauf stehen", sagte BNP-Paribas-Analystin Jacqueline Lerique.

dpa-afx FRANKFURT. Nach einer Serie von Großübernahmen setzen Konsumgüterhersteller im kommenden Jahr verstärkt auf eigenes Wachstum. "Es gibt kaum noch große Firmen, die zum Verkauf stehen", sagte BNP-Paribas-Analystin Jacqueline Lerique.

Für kleinere Zukäufe und Zuwächse richten die meisten Konsumgüterhersteller ihre Augen nach Fernost. "Dort sind zweistellige Wachstumsraten möglich", sagt Beiersdorf-Chef Rolf Kunisch. "Wir leben von der Globalisierung."

Preiskämpfe IN Europa und DEN USA

In den Stammmärkten Europa und USA leiden die Hersteller nach Meinung von UBS-Analystin Chiara Tirloni unter einem Preiskampf um die Kunden. Außerdem haben Kunden immer höhere Ansprüche an die modische Gestaltung der Produkte. Das sind laut Tirloni sichere Zeichen eines mit Überangebot gesättigten Marktes.

Besonders von Deutschland verspricht sich kaum jemand eine baldige Rückkehr zu hohen Zuwachsraten. "Das Geld ist da", sagt der Präsident des Deutschen Einzelhandels, Hermann Franzen. "Allerdings bringen es die Leute lieber auf die Bank als in die Läden. Ich glaube nicht, dass die Branche ein Wachstum erzielen wird."

Sorge bereitet der Branche weiterhin das Wachstum der Handelsmarken. Bei Massenprodukten wie Sonnenpflegeprodukten und Seifen haben Handelsmarken in Deutschland mittlerweile mehr als zehn Prozent Marktanteil, sagte BNP-Paribas-Analystin Lerigue. "Dieser Trend ist unumkehrbar und breitet sich auch in anderen europäischen Märkten aus."

"Wettlauf UM Gute Positionierung"

Große Zusammenschlüsse halten Analysten im nächsten Jahr für unwahrscheinlich. "Der Markt für Schönheitsprodukte und Konsumgüter ist noch zersplittert", sagte Lerique. "Ein so großer Brocken wie Wella wird 2005 aber nicht verteilt. Eher werden sich große Firmen mit kleineren Zukäufen in schwachen Regionen verstärken."

Viele werfen einen Blick auf Schwellenländer wie Russland, Indien, Brasilien und China, wie die Experten betont. "Jetzt beginnt der Wettlauf um eine gute Positionierung in den neuen Märkten." Procter & Gamble , zum Beispiel, will den Umsatzanteil dort von 25 auf 50 Prozent hieven.

Sorge UM Preiskampf IN China

Allein in China werden Markenartikler in den nächsten Jahren jährliche Zuwächse von 30 Prozent verbuchen, meint der Chef des europäischen Verbandes der Konsumgüterbranche, Georges Duegenot. "Die Mittelschicht gibt einen Großteil des verfügbaren Einkommens für starke Marken aus dem Westen aus. Chinesen schätzen Qualität und die Ausstrahlung etablierter Marken."

Ein Risiko sieht er allerdings in der Goldgräberstimmung vieler Firmen. "Alle Namen, die hier über Jahrzehnte gewachsen sind, überschwemmen den Markt. In so kurzer Zeit kann sich in der Aufmerksamkeit der Käufer keine Marke von der anderen abgrenzen." Fatal wäre ein Preiskrieg. "Damit würden wir unsere Markenkraft in diesem gewaltigen Markt für lange Zeit verderben."

Produktpiraterie

Außerdem haben einige Markenartikler in Schwellenländern mit erheblicher Produktpiraterie zu kämpfen. Fälschungen von Nivea-Artikeln schmälern Umsatz und Markenimage bei Beiersdorf. Auch der französische Luxusgüterkonzern VMH Moët-Hennessy - Louis Vuitton hat mit Raubkopien zu kämpfen. "Unternehmen können sich dagegen nicht wehren. Die Länder selbst müssen dem einen Riegel vorsetzen", sagt Analystin Lerique.

Eine Gefahr ist auch der anhaltende Höhenflug des Euro . Da besonders bei Luxusgütern der Löwenanteil in Dollar und Dollar gebundenen Währungen verkauft wird, drückt der starke Euro Umsatz und Gewinn. "Wir setzen mit China alles auf eine Karte", sagte Duegenot. "Wenn es dort kracht, sind alle Planspiele für das nächste Jahr Makulatur."

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