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Ausblick 2005: Nur leichtes Wachstum für Versicherer - Unwägbarkeiten bleiben

Für die deutsche Versicherungswirtschaft wird das neue Jahr voraussichtlich nur mäßige Wachstumsraten bringen.

dpa-afx MÜNCHEN. Für die deutsche Versicherungswirtschaft wird das neue Jahr voraussichtlich nur mäßige Wachstumsraten bringen. Die unsichere Kapitalmarktentwicklung, eine schleppende Konjunktur und wenig kalkulierbare politische Entscheidungen zu Gesundheitsreform oder Steuerfragen bleiben Unwägbarkeiten für die Branche. Zudem wird die derzeitige Schlussverkaufsstimmung im Geschäft mit Lebensversicherungen zum Jahresbeginn für eine Delle sorgen, sagt der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Bernhard Schareck. "Wir erwarten in der Sachversicherung ein Beitragswachstum um etwa ein Prozent und im Leben-Geschäft von ein bis zwei Prozent."

Bereits in diesem Jahr muss die Branche mit einem Beitragsplus von 3,5 Prozent (Vorjahr: 4,1 Prozent) auf voraussichtlich rund 152 Mrd. Euro einen Gang zurückschalten. Große Unternehmen wie die Allianz und der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück versuchen, der Entwicklung über ihre Vertriebskooperationen entgegenzusteuern. Über das Angebot von Bankprodukten wie Konten, Kreditkarten und persönliche Kredite sollen die Allianz-Versicherungsagenten der Tochter Dresdner Bank 2005 rund 300 000 neue Kunden zuschanzen - ein "Quantensprung", sagt der Allianz-Vorstand und Chef der Allianz Versicherungs-AG, Reiner Hagemann. Auch die Münchener-Rück-Erstversicherungstochter Ergo und die Hypovereinsbank intensivieren ihre Zusammenarbeit.

Wieder AUF Kurs

Nach den Krisenjahren in Folge des 11. September 2001 sind die beiden großen Versicherer mittlerweile unter neuer Führung wieder auf Kurs gekommen und können ordentliche Gewinne vorweisen. "2005 werden wir wieder ein vollkommen normales Jahr haben", erwartet Versicherungsexperte Carsten Zielke von der WestLB. Allianz-Chef Michael Diekmann und der Münchener-Rück- Vorstandsvorsitzende Nikolaus von Bomhard könnten nach der Bewältigung der größten Baustellen nun daran gehen, die Renditen ihrer Konzerne zu stärken.

So hat die Allianz ihr Sorgenkind Dresdner Bank stabilisiert, 2005 soll die lange verlustträchtige Tochter ihre Kapitalkosten verdienen. "Die Dresdner Bank ist aus dem Gröbsten raus, jetzt kommt es auf die Ertragssicherung an", sagt Zielke. Auch für die Münchener Rück sind die Probleme mit der Erstversicherungstochter Ergo nach Experteneinschätzung mittlerweile bewältigt. Die Restrukturierung zeige bereits Erfolge, sagt Stephan Kalb von Sal. Oppenheim. Im Rückversicherungsgeschäft könne der Konzern nochmal auf ein gutes Jahr mit stabilen Preisen hoffen. "Wir gehen davon aus, dass das Ergebnis der Münchener Rück deutlich steigt." Bereits in diesem Jahr peilt der Branchenprimus mit einem Gewinn von 1,8 bis zwei Mrd. Euro einen Rekordwert an, wenngleich die turbulente Hurrikan-Saison in den USA die lange fest anvisierte Zielgröße von zwei Mrd. Euro ins Wanken gebracht hatte.

Vorsichtiger BEI Kapitalanlagen

Schon lange sind die Zeiten vorbei, in denen die Kapitalanlagen an den Aktienmärkten die Gewinne der Versicherer teils wie von selbst sprudeln ließen. Das hat die Unternehmen vorsichtig werden lassen: Rund 80 bis 90 Prozent seien heute in festverzinslichen Wertpapieren investiert mit Renditen von um die vier Prozent, schätzt Hagemann. "Alle sind gut beraten, sich darauf einzustellen: Das versicherungstechnische Geschäft muss in sich in Ordnung sein."

Diekmann und Bomhard, der vor einem Jahr Hans- Jürgen Schinzler an der Spitze der Münchener Rück ablöste, bekommen unterdessen für ihre bisherige Arbeit gute Noten von Experten. Es sei ihnen gelungen, das Vertrauen von Kapitalmärkten und Anlegern zu gewinnen und die Unternehmen auf dem Weg zu Ertragsstärke voranzubringen, sagt Kalb.

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