Archiv
Ausblick 2005: Samuelsson übernimmt Steuer bei MAN - Neue Ära beginnt

Beim Maschinenbau- und Nutzfahrzeugekonzern MAN beginnt zum Jahreswechsel eine neue Ära. Nach fast vier Jahrzehnten im Unternehmen gibt Konzernchef Rudolf Rupprecht seinen Posten an den Schweden Hakan Samuelsson ab.

dpa-afx MÜNCHEN. Beim Maschinenbau- und Nutzfahrzeugekonzern MAN beginnt zum Jahreswechsel eine neue Ära. Nach fast vier Jahrzehnten im Unternehmen gibt Konzernchef Rudolf Rupprecht seinen Posten an den Schweden Hakan Samuelsson ab. Einen grundsätzlichen Strategiewechsel wird dieser Schritt zwar nicht bedeuten, doch dürfte der Druck zur Steigerung der Profitabilität unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden wachsen, sagt ein Unternehmenskenner. "Es wird keine Revolution geben, aber evolutionär wird sich einiges tun."

Dass er Kosten senken und die Ertragskraft voranbringen kann, hat Samuelsson bereits bei seiner bisherigen Aufgabe bewiesen. Seit vier Jahren leitet der 53-Jährige die wichtigste Konzernsparte Nutzfahrzeuge, die sich mittlerweile wieder zum Umsatz- und Auftragsmotor des Unternehmens entwickelt hat. Branchenexperten bescheinigen ihm bisher gute Arbeit. Bei allen wichtigen Entwicklungen der vergangenen Jahre habe Samuelsson gemeinsam mit Rupprecht hinter verschlossenen Türen die Fäden gezogen, sagt Analyst Albrecht Denninghoff von der Hypovereinsbank - ob es nun um den abgewehrten Übernahme-Versuch durch SMS-Chef Heinrich Weiss oder die zunächst erwogene und später wieder verworfene Übernahme des schwedischen Konkurrenten Scania ging. "Das wird jetzt mit neuem Gesicht fortgesetzt."

Als neuer Chef will sich Samuelsson um eine Verschlankung des Konzerns bemühen. Zwar soll dabei an der breiten Aufstellung mit mehreren Sparten nicht grundsätzlich gerüttelt werden, doch dürften alle Unternehmensteile auf den Prüfstand kommen. "Alle Kernbereiche müssen genauso gute Leistungen bringen wie ihre spezialisierten Wettbewerber, sonst gibt es langfristig keinen Grund, sie innerhalb des Konzerns zu halten", ließ Samuelsson kürzlich wissen.

Die Unternehmensführung übernimmt der Schwede, der einer der ganz wenigen Ausländer in den Führungsetagen deutscher Unternehmen ist und seine Karriere bei Scania begonnen hatte, zu einem günstigen Zeitpunkt. Nach problematischen Jahren, in denen die Gewinne teils drastisch zusammengeschmolzen waren, erwartet der Konzern für 2004 einen Vorsteuergewinn von 450 Mill. Euro und nähert sich damit wieder früheren Größenordnungen an. "Im Moment sieht es eigentlich sehr gut aus für MAN", sagt Denninghoff. Bis auf den Bereich Bogendruck könnten alle Sparten auf steigende Geschäftsvolumina verweisen. Rupprecht (64) hinterlasse seinem Nachfolger also ein wohlbestelltes Feld. "Er hat das Portfolio systematisch optimiert."

Deutlich spürbar werden dürfte der Chefwechsel beim künftigen Führungsstil, erwarten Unternehmenskenner. So verlässt sich Samuelsson - anders als sein Vorgänger - lieber auf Zielvereinbarungen als auf Einzelanweisungen an seine Mitarbeiter. Wenn Rupprecht schon bisher auf einen transparenten Mischkonzern hingearbeitet habe, werde dieser Trend unter seinem Nachfolger noch wachsen. "Herr Samuelsson betreibt eine sehr offene Informationspolitik", heißt es bei Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat. Seine Ansichten vertrete er hart aber fair und fordere zugleich sein Gegenüber auf, Position zu beziehen. In das komplexe System der deutschen Mitbestimmung müsse sich der Schwede allerdings noch einarbeiten. "Das heißt aber nicht, dass er die Mitbestimmung mit Füßen tritt oder ablehnt."

In den vergangenen Wochen hat Samuelsson schon einmal Antrittsbesuche bei den Tochterunternehmen absolviert. Denn gegenüber Rupprecht, der nahezu alle Unternehmensteile durchlaufen hatte, muss er Informationsrückstände ausgleichen, heißt es bei Belegschaftsvertretern und Gewerkschaft. Rupprecht sei nun einmal ein Urgestein bei MAN gewesen, der jeden Winkel gekannt habe.

Samuelsson selbst hält es mit einem Sprichwort, wenn es um Herausforderungen bei seiner künftigen Tätigkeit geht: "In Schweden lautet eine Redensart: Probleme lösen wir auf dem Weg." Der 53- Jährige ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und lebt mit seiner Frau in München./cs/DP/zb

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Sie finden unsere Ausblicke auf Branchen-, Börsen- und Konjunkturtrends im Jahr 2005 mit dem Suchbegriff "Ausblick 2005". Die Rückblicke finden Sie mit "Rückblick 2004".

Bisher sind folgende Aus- und Rückblicke im dpa-AFX-Dienst erschienen :

-Ausblick 2005: Nach Großübernahmen wenden sich Konsumgüterfirmen nach Asien-Ausblick 2005: Euro auf dem Weg zu neuen Höhen - Kurse von 1,50 Dollar möglich-Ausblick 2005: Chemie nutzt Boom für Portfoliobereinigung und Börsengänge-Ausblick 2005: Pharma wird auch 2005 stark auf Biotech angewiesen sein-Ausblick 2005: 'Megatrend Konsolidierung' - Speicherchiphersteller unter Druck-Ausblick 2005: Deutsche Automobilbranche bleibt auch 2005 zweigeteilt-Ausblick 2005: Stimmung für Pharma eher negativ - Patente und FDA im Fokus-Ausblick 2005: Experten optimistisch für den Dax - Prognose bei 4 485 Punkten-Ausblick 2005: Die Stahlhersteller rüsten sich für die Zeit nach dem Stahlboom-Ausblick 2005: Aktienfonds wieder im Kommen - 'Trend geht zu Dividendentiteln' -Ausblick 2005: Eurozonen-Wachstum auch im nächsten Jahr nicht berauschend-Ausblick 2005: Übernahmeabsichten sind zentrales Thema für Europas Börsen-Ausblick 2005: Mobilfunk-Provider wollen Geschäft massiv ausbauen-Ausblick 2005: Kostensenkungen und Umbau stehen bei Großbanken erneut im Fokus-Ausblick 2005: Kräftiger Renditeanstieg an Rentenmärkten erwartet - Kein Crash-Ausblick 2005: Schwächeres US-Wachstum erwartet - Abbau von Ungleichgewichten-Ausblick 2005: Analysten sehen eine Flut von Risiken für die Autobranche-Ausblick 2005: Nur leichtes Wachstum für Versicherer - Unwägbarkeiten bleiben-Ausblick 2005: Investoren und Unternehmen müssen mit hohem Ölpreis leben-Ausblick 2005: Gemischte Gefühle an der Wall Street - Zinsen und Ölpreis

-Rückblick 2004: Handel blickt auf ein Krisenjahr zurück-Rückblick 2004: Viele Fondsanleger haben Kursgewinne an den Börsen verpasst-Rückblick 2004: Konsolidierungs-Trend und Konkurrenz an Europas Börsen-Rückblick 2004: TecDax bleibt deutlich zurück und verliert weiter an Bedeutung-Rückblick 2004: Vioxx-Skandal wirft Schatten auf Pharmabranche - US-Wahlkampf-Rückblick 2004: Die Banken machen wieder Gewinn - Stellenabbau geht weiter

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%