Archiv
Ausblick 2005: Schwächeres US-Wachstum erwartet - Abbau von Ungleichgewichten

Das Wirtschaftswachstum in den USA wird sich nach Einschätzung von Volkswirten im Jahr 2005 zwar abschwächen, aber weiter robust bleiben.

dpa-afx FRANKFURT. Das Wirtschaftswachstum in den USA wird sich nach Einschätzung von Volkswirten im Jahr 2005 zwar abschwächen, aber weiter robust bleiben. Risiken bestünden für die US-Konjunktur vor allem aufgrund der enormen Defizite in Leistungsbilanz und Staatshaushalt, im hohen Rohölpreis sowie in der hohen Verschuldung der privaten Haushalte, sagen Volkswirte.

Die US-Investmentbank Lehman Brothers erwartet einen Rückgang des Wirtschaftswachstums von 4,4 Prozent im Jahr 2004 auf 3,6 Prozent 2005. Gedämpft werden dürfte das Wirtschaftswachstum vor allem durch eine Abschwächung bei den Konsumausgaben und Hausbauinvestitionen, schreibt Volkswirt Joseph Abate in einer Studie. Der private Verbrauch habe 2004 von Steuersenkungen in den Jahren 2001-2 003, niedrigen Zinsen und einer hohen Überschussliquidität profitiert. Das neue Jahr stehe daher vor allem im Zeichen des Abbaus der Ungleichgewichte. Der "Koffein-Kick" für die Verbraucher laufe damit aus, die Sparquote dürfte wieder etwas ansteigen.

Rohölpreis

Die entscheidende Konjunkturbremse ist laut David F. Milleker, Volkswirt der Dresdner Bank, der gestiegene Rohölpreis. "Dieser wirkt sich erst mit einer Verzögerung von zwei bis drei Quartalen auf die Konjunktur aus." Die Dresdner Bank erwartet daher 2005 lediglich ein Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent. Aber auch die zurückgehende Aktivität auf dem Wohnungsmarkt dürfte auf die Konjunktur drücken. Steigende Langfristzinsen dürften den sowieso schon überbewerteten Immobilienmarkt unter Druck bringen. "Der private Konsum bleibt Wachstumstreiber, wird aber aufgrund des historisch hohen Finanzierungsdefizits der privaten Haushalte nicht mehr so stark zunehmen wie im Jahr 2004", sagte Milleker.

Eine Konsolidierung der Staatsfinanzen ist nach Einschätzung von Milleker nicht zu erwarten. "Mögliche zusätzliche Einnahmen durch die Konjunkturentwicklung werden durch höhere Rüstungsausgaben wieder ausgeglichen werden."

Arbeitsmarkt

Das Beschäftigungswachstum wird nach übereinstimmender Einschätzung der Experten weiter anhalten. Die Commerzbank erwartet 2005 einen Beschäftigungsaufbau von 180 000 pro Monat. Dies sei vom Tempo her aber nicht "so anspruchsvoll" wie in vergleichbaren Erholungsphasen, sagte USA-Experte Patrick Franke. Dies seien offenbar noch Folge der Schocks, die die US-Wirtschaft in den vergangenen Jahren getroffen hätten. Die Unternehmen neigten weiterhin zur Vorsicht und hielten sich mit Neueinstellungen zurück. Auch Milleker rechnet auf Grund der Rahmenbedingungen mit einem Anstieg der Beschäftigung von 180 000 bis 200 000 pro Monat. Die unterproportionale Beschäftigungsentwicklung im Jahr 2004 sei jedoch kaum zu erklären. Der Beschäftigungszuwachs habe unter dem Anstieg der Erwerbspersonen gelegen.

Die US-Notenbank wird nach Einschätzung von Lehman Brothers ihre Leitzinsen im Jahr 2005 um insgesamt 1,00 Prozentpunkt auf 3,25 Prozent erhöhen. Damit dürfte die Fed ihr Zinserhöhungstempo verlangsamen. Sie hatte im Jahr 2004 seit Juni den Leitzins um 1,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent angehoben. Franke erwartet hingegen, dass die Fed die Leitzinsen bis zum Herbst auf jeder Sitzung um 0,25 Prozentpunkte anheben werde. Ein rascheres Tempo sei jedoch nicht nötig, da die Inflation sich noch träge entwickle. Milleker hingegen erwartet aufgrund der prognostizierten Konjunkturabschwächung im ersten Halbjahr, dass die Fed mit ihren Zinserhöhung im Sommer aussetzen werde und den Leitzins bis zum Jahresende auf 3,25 Prozent anheben wird.

Leistungsbilanz

Das Leistungsbilanzdefizit wird laut Milleker im kommenden Jahr trotz des gefallenen Dollarkurses nur leicht zurückgehen. Verantwortlich hierfür sei aber weniger die Wechselkursentwicklung, sondern der im Jahresverlauf 2005 wieder fallende Rohölpreis. Dieser verbillige die Importe. Commerzbank-Volkswirt Franke erwartet beim Leitstungsbilanzdefizit hingegen bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt eine Seitwärtsbewegung. In absoluten Zahlen dürfte es sogar von rund 600 Mrd. Dollar im laufenden Jahr auf 700 Mrd. Dollar im kommenden Jahr steigen.

Sehr geehrte Leser und Leserinnen,

Sie finden unsere Ausblicke auf Branchen-, Börsen- und Konjunkturtrends im Jahr 2005 mit dem Suchbegriff "Ausblick 2005". Die Rückblicke finden Sie mit "Rückblick 2004".

Bisher sind folgende Aus- und Rückblicke im dpa-AFX-Dienst erschienen :

- Ausblick 2005: Gemischte Gefühle an der Wall Street - Zinsen und Ölpreis - Ausblick 2005: Investoren und Unternehmen müssen mit hohem Ölpreis leben - Ausblick 2005: Nur leichtes Wachstum für Versicherer - Unwägbarkeiten bleiben - Ausblick 2005: Analysten sehen eine Flut von Risiken für die Autobranche - Rückblick 2004: Vioxx-Skandal wirft Schatten auf Pharmabranche - US-Wahlkampf - Rückblick 2004: Die Banken machen wieder Gewinn - Stellenabbau geht weiter

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%