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Ausblick 2005: Stimmung für Pharma eher negativ - Patente und FDA im Fokus

Nach den jüngsten Hiobsbotschaften und drei schwachen Jahren dürfte die Pharmabranche auch 2005 nicht mit kräftigen Kursgewinnen glänzen.

dpa-afx FRANKFURT. Nach den jüngsten Hiobsbotschaften und drei schwachen Jahren dürfte die Pharmabranche auch 2005 nicht mit kräftigen Kursgewinnen glänzen. Die Diskussion um Nebenwirkungen, der oft fehlende Nachschub an neuen Umsatzbringern, auslaufende Patente und die zunehmenden staatlichen Eingriffe bleiben auch 2005 Belastungsfaktoren für die Branche, sagen zahlreiche Experten. Doch gerade die Tatsache, dass Pharma zur Zeit nicht zu den Lieblingen der Investoren gehört, sollten Anleger nach Ansicht der US-Investmentbank Morgan Stanley zum Einstieg nutzen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf bis 14 bezogen auf den für 2004 erwarteten Gewinn sind die Titel deutlich billiger als noch vor ein paar Jahren.

Pfizer Schockiert DIE Börse

Doch diese Überlegungen scheinen nach den jüngsten Negativschlagzeilen wohl eher was für risikofreudige Gemüter zu sein. Der US-Pharmakonzern Pfizer hat vor einem erhöhten Risiko von Herz- und Kreislauferkrankungen bei der Einnahme seines Arthrosemedikaments Celebrex gewarnt. Zudem müssen die Anleger noch die bittere Pille verdauen, die der Pfizer-Konkurrent Merck & Co Ende September mit Meldungen über dramatische Nebenwirkungen wie Herzinfarkte durch seinen ehemaligen Kassenschlager Vioxx verteilt hat. Während Celebrex dem Branchenprimus Pfizer 2003 einen Umsatz von 1,9 Mrd. Dollar in die Kassen spülte, brachte es Vioxx vor dem weltweiten Verkaufsstop im gleichen Zeitraum auf 2,5 Mrd. Dollar.

Celebrex gehört wie Vioxx zu einer speziellen Gruppe von entzündungshemmenden Schmerzmitteln, den so genannten Cox-2 Hemmern. Nun wachsen die Zweifel an der gesamten Wirkstoffklasse weiter und die Zulassungsbehörden in den USA und Europa haben weitere Überprüfungen angekündigt. Dazu Thomas Brenning, Analyst bei der Helaba: "Obwohl die Anforderungen an Umfang, Dauer und Qualität klinischer Studien in den letzten Jahren immer stattlicher wurden, könnten diese weiter zunehmen und die Ertragsaussichten der Branche beeinträchtigen. Sollte die US-Behörde übervorsichtig reagieren, würde die Entwicklung neuer Arzneien noch teurer und unproduktiver."

In den USA werden in Kürze wohl neue Vorschriften für Schmerzmittel auf Basis von Cox-2-Hemmern beschlossen, stellte Lester Crawford, kommissarischer Leiter der FDA bereits in Aussicht. Möglicherweise werde es sogar ein weiteres Vermarktungsverbot geben. Die Behörde habe ernste Bedenken hinsichtlich der Cox-2-Hemmer als Wirkstoffklasse und prüfe alle regulatorischen Möglichkeiten. Auch die deutsche Ärzteschaft warnt: "Hier handelt es sich nicht um Nebenwirkungen nur eines Rheumamittels, sondern um einen Klasseneffekt, der die gesamte Wirkstoffklasse der Coxibe betrifft", sagte Mitte November der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Bruno Müller-Oerlinghausen, der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Längere Zulassungszeiten Befürchtet

"Nach Vioxx und Celebrex wachsen die Sorgen in der Branche, dass sich die Zulassungszeiten seitens der amerikanische Gesundheitsbehörde FDA weiter deutlich verlängern", sagt Fondsmanager Markus Manns von Union Investment. "Es könnte künftig noch schwieriger werden, 'Me-too'-Produkte für Krankheiten wie Asthma, Bluthochdruck oder auch für die Behandlung zu hoher Cholesterinwerte auf den Markt zu bringen", unterstreicht der Mediziner und Fondsmanager Manns. "Andererseits erhalten innovative, differenzierte Arzneien wie die Krebsmittel Avastin und Tarceva des Schweizer Pharmakonzerns Roche oder Erbitux von Imclone und Merck Kgaa häufig rasch grünes Licht", so Manns. Dieser Trend dürfte anhalten. Neben der wichtigen Diskussion um die Zulassungszeiten dürfe man aber auch das Marktpotenzial der Medikamente nicht vergessen. Manns investiert mit dem Unisector Biopharma sowohl in Pharma wie auch in Biotechnologie-Unternehmen.

Neue Zulassungen Erwartet

Für die deutschen Werte sollten sich dagegen die erwarteten Neuzulassungen positiv auswirken, erwartet der Fondsmanager: Der Berliner Pharmakonzern Schering rechnet in Kürze mit der Zulassung seines Krebsmedikaments Bonefos. Von der Verhütungspille Yasmin 30 soll 2005 eine niedrig dosierte Version, Yaz, die bisher als Yasmin 20 firmierte, auf den Markt kommen. Und für das mit Novartis entwickelte Krebsmedikament PTK/ZK rechnen die Berliner im zweiten Quartal 2005 mit ersten klinische Daten aus der Studie "Confirm 1".

Die Altana AG will mit den beiden neuen Atemwegsmitteln Alvesco und Daxas die Abhängigkeit von dem bisherigen Spitzenumsatzträger Pantoprazol verringern. Doch bis zur erfolgreichen Markteinführung und dem Erreichen eines Umsatzes von je einer Milliarde Euro jährlich muss das Pharma- und Spezialchemieunternehmen noch einige Hürden überwinden. Alvesco soll wie geplant Anfang 2005 in einigen wichtigen Ländern Europas am Markt eingeführt werden. Der zweite Hoffnungsträger Daxas ist von Altana im Februar 2004 für die Behandlung von Asthma und Raucherlungen bei der europäischen Zulassungsbehörde eingereicht worden. Ende Oktober musste Altana wegen Problemen bei der Patientenrekrutierung in den USA mitteilten, dass der Zulassungsantrag für Daxas nicht wie geplant im ersten Halbjahr 2005, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt gestellt wird.

Patentabläufe Erwartet

Zahlreiche Patentabläufe und Gerichtsverhandlungen werden das Geschehen in der Branche ebenfalls prägen. Wenn ein Medikament sein Patent verliert, ist damit in der Regel auch ein Umsatzverlust von 50-80 Prozent innerhalb kürzester Zeit verbunden, erklärt Fondsmanager Manns: Beim US-Pharmakonzern Eli Lilly wird mit Spannung auf die Entscheidungen im Patentstreit um das Schizophrenie-Medikament Zyprexa gewartet. "Wenn Lilly die gerichtliche Auseinandersetzung mit Ivax verliert, hätte das eine negative Signalwirkung für die gesamte Branche", gibt der Fondsexperte zu Bedenken.

Die Generika-Hersteller Apotex und Dr. Reddy's Laboratories wollen die Gültigkeit des Plavix-Patentes von Sanofi-Aventis gerichtlich anfechten. Und der indische Generikahersteller Ranbaxy greift gerichtlich zwei Patente des US-Pharmakonzerns Pfizer an, die dessen Verkaufsschlager Lipitor schützen. Der Fall wird seit Ende November vor dem US-Bezirksgericht in Delaware verhandelt. Branchenkenner sehen für Ranbaxy jedoch praktisch keine Chance, dieses Verfahren zu gewinnen.

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