Archiv
Ausblick 2005: Übernahmeabsichten sind zentrales Thema für Europas Börsen

Zu keinem Zeitpunkt seit der gescheiterten Fusion zwischen der Deutschen Börse und der London Stock Exchange (LSE) im Jahr 2000 war das Thema Übernahme wieder so aktuell wie im Augenblick. Kurz bevor sich das Jahr 2004 verabschiedet, hat die Deutsche Börse einen neuen Vorstoß gewagt.

dpa-afx FRANKFURT. Zu keinem Zeitpunkt seit der gescheiterten Fusion zwischen der Deutschen Börse und der London Stock Exchange (LSE) im Jahr 2000 war das Thema Übernahme wieder so aktuell wie im Augenblick. Kurz bevor sich das Jahr 2004 verabschiedet, hat die Deutsche Börse einen neuen Vorstoß gewagt. Das Übernahmeangebot für die LSE ist nach Analystenmeinung nicht nur überraschend hoch, sondern hat dieses Mal auch größere Chancen auf Akzeptanz. Eine derartige Fusion, sollte sie denn im kommenden Jahr über die Bühne gehen, würde die europäische Börsenlandschaft radikal verändern. Nach Expertenmeinung könnte sie zudem beträchtliche Auswirkungen auf den Finanzplatz Frankfurt haben.

Wie sehr die Deutsche Börse bemüht ist, dieses Mal auch die LSE-Kunden zufrieden zu stellen, zeigt sich in deren ausdrücklicher Berücksichtigung. Sollte die Übernahme gelingen, so sollen die Marktteilnehmer in London über Gebührensenkungen profitieren, teilte die Deutsche Börse am 13. Dezember explizit mit. Ebenso sollen die regulatorischen Rahmenbedingungen, die vorhandenen Marktstrukturen, die etablierten Marktmodelle und Währungen, in denen gehandelt wird, erhalten bleiben.

Rätseln UM DIE Reaktion DER Euronext

Zu den großen Playern am Markt zählt aber auch die Vierländerbörse Euronext und so fragen sich die Marktbeobachter mit Spannung, wie sieht deren Reaktion aus. Bislang war von der Euronext kein Kommentar zu erhalten. Die Experten sind sich uneinig darüber, ob die Euronext, die erst Anfang Dezember einen Aktienrückkauf getätigt hat, in einen Bieterwettstreit eintreten wird. Kapitalreserven habe auch sie und darüber hinaus seien auch Kreditaufnahmen oder eine Kapitalerhöhung denkbar. So manche Analysten glauben gar, dass auch die skandinavische Börse OMX ein Angebot machen könnte, da sie dies vor vier Jahren bereits schon einmal getan hat. Aber auch dieser Börsenbetreiber hüllt sich zurzeit in Schweigen.

Einigkeit herrscht unter den Marktbeobachtern, dass die LSE ein Übernahmekandidat ist. Zwar verfügt sie über den größten Kassamarkt Europas und die Gewinne dort sind beachtlich, doch den Weg hin zu einer breiteren Aufstellung und damit zur Erschließung neuer Gewinnquellen hat sie versäumt. Während die Deutsche Börse und die Euronext sich auch im Abwicklungsbereich etabliert haben und zudem jeweils einen Terminmarkt haben, steht die LSE mit leeren Händen da. Die Euronext betreibt den Londoner Terminmarkt Liffe und die Deutsche Börse besitzt gemeinsam mit der Schweizer SWX, die erst im September eine Fusion mit den Frankfurtern abgelehnt hatte, die weltweit größte Terminbörse Eurex.

Operative Wachstumsaussichten Eher Mager

Da inzwischen die operativen Wachstumsaussichten der Deutschen Börse und der Euronext nach Ansicht der Analysten der Societe Generale (SG) und anderer Experten begrenzt sind, ist die LSE ein begehrtes Übernahmeobjekt. "Wer London gewinnt, wird eindeutig Nr.1 unter Europas Börsen", sagt LRP-Analyst Olaf Kayser. Allerdings, heben die SG-Analysten hervor: "Jegliches Angebot für die LSE muss, um erfolgreich zu sein, die Aktionäre zufrieden stellen." Dies sei einer der Hauptgründe, warum vor vier Jahren die deutsch-britische Fusion iX scheiterte.

Um diese zufrieden zu stellen, könnte die Deutsche Börse weitere Zugeständnisse an London machen. Gut möglich sei dabei auch die Verlagerung des Firmensitzes nach London und ein neuer Name für die gemeinsame Börse. Wer als Sieger hervorgeht, hat sich in Europa in jedem einen unangefochtenen Vorsprung vor allen anderen Konkurrenten geholt.

Eurex US und OTC-Pläne

Vor diesem Szenario drohen die anderen wichtigen Aufgaben der Deutschen Börse im Jahr 2005 zu verblassen: Der Erfolg der Terminbörse Eurex in den USA bleibt zentrales Thema, denn noch immer scheint es das Hauptproblem zu sein, ausreichend Volumen auf den neuen Handelsplattformen zu generieren und damit ein ernsthafter Konkurrent für die US-Terminbörse Cbot zu werden. Auch die Pläne für den Ausbau des außerbörslichen Handels (OTC) und Clearinggeschäfts (OTC CCP) dürften im Jahr 2005 im Fokus stehen.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Sie finden unsere Ausblicke auf Branchen-, Börsen- und Konjunkturtrends im Jahr 2005 mit dem Suchbegriff "Ausblick 2005". Die Rückblicke finden Sie mit "Rückblick 2004". Bisher sind folgende Aus- und Rückblicke im dpa-AFX-Dienst erschienen :

-Ausblick 2005: Gemischte Gefühle an der Wall Street - Zinsen und Ölpreis-Ausblick 2005: Investoren und Unternehmen müssen mit hohem Ölpreis leben-Ausblick 2005: Nur leichtes Wachstum für Versicherer - Unwägbarkeiten bleiben-Ausblick 2005: Analysten sehen eine Flut von Risiken für die Autobranche-Ausblick 2005: Schwächeres US-Wachstum erwartet - Abbau von Ungleichgewichten-Rückblick 2004: Vioxx-Skandal wirft Schatten auf Pharmabranche - US-Wahlkampf-Rückblick 2004: Die Banken machen wieder Gewinn - Stellenabbau geht weiter-Ausblick 2005: Kostensenkungen und Umbau stehen bei Großbanken im Fokus-Rückblick 2004: TecDax bleibt deutlich zurück und verliert weiter an Bedeutung-Ausblick 2005: Mobilfunk-Provider wollen Geschäft massiv ausbauen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%