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Ausblick: Aktienmarkt verharrt im Stimmungstief

Ohne große Hoffnungen gehen die Akteure an den internationalen Aktienmärkten in die neue Woche. Der September zählt traditionell zu den schwächeren Börsenmonaten. Die Kursverluste der vergangenen Woche lassen ebenfalls nichts Gutes ahnen. Im Blickpunkt dürfte die T-Aktie wegen des Ende von Haltefristen für Altaktionären stehen.

HB FRANKFURT/M. Nach einigen hektischen Tagen endete die zurückliegende Woche am Aktienmarkt noch halbwegs versöhnlich. Die US-Börsen und in ihrem Sog auch der Dax konnten am Freitag leicht zulegen, weil einige Konjunkturdaten in den USA etwas besser als erwartet ausfielen. Dies galt sowohl für den Auftragseingang der Industrie als auch für den Einkaufsmanagerindex der Region Chicago. Händler schöpften daraufhin neue Hoffnung, das verarbeitende Gewerbe könnte die Talsohle durchschritten haben.

Dennoch dürfte in dieser Börsenwoche die schlechte Entwicklung der vergangenen Tage die Stimmung drücken. Denn unterm Strich war die vergangene Aktienwoche in den USA die schlechteste seit März. Der Dow Jones fiel mit einem Minus von 4,5 % erstmals seit April wieder unter die Marke von 10 000 Punkten. Ähnlich trübe liest sich die Monatsbilanz der Weltbörsen. Der Dax beispielsweise verlor im August rund 10 %, wozu der Einbruch der T-Aktie maßgeblich beitrug. Der Nemax 50 fiel vorübergehend unter 1 000 Punkte. Und in Japan drückte die Wirtschaftskrise den Nikkei auf das niedrigste Niveau seit 17 Jahren.

Wegen der trüben Konjunkturaussichten in Japan und Europa gilt als einziger Hoffnungsanker für die Börsen, dass sich die US-Wirtschaft in absehbarer Zeit wieder etwas fangen könnte. Einige Konjunkturindikatoren stützen zwar eine solche Vermutung, doch ist die Unsicherheit nach wie vor beträchtlich. Daher dürften auch in dieser Woche die US-Wirtschaftsdaten große Aufmerksamkeit erfahren. Nach dem Börsenfeiertag am Montag (Labor Day) wird am Dienstag der nationale Einkaufsmanagerindex veröffentlicht, am Freitag stehen Arbeitsmarktdaten an.

Kurzfristig bewegt werden die Aktienkurse derzeit aber von den Ertragsaussichten der Unternehmen. Hier überwiegen noch die negativen Nachrichten wie zuletzt die Umsatzwarnung von Sun Microsystems. Mit Spannung wird daher der Ausblick des Chipherstellers Intel am Donnerstag erwartet.

Abkehr von der Gleichung "Zinsen 'runter = Aktienkurse 'rauf"

In Europa müssen die Anleger einmal mehr mit der Erfahrung fertig werden, dass die simple Gleichung "Zinsen runter = Aktienkurse rauf" längst nicht immer aufgeht. Die Zinssenkung der EZB vom Donnerstag ließ die Märkte völlig kalt. Derweil halten die Sorgen um die Konjunktur unvermindert an. Viele Analysten pflegen in ihren Markteinschätzungen einen eher pessimistischen Grundton. Die DG-Bank etwa konstatiert, dass die Konjunkturschwäche und die Ertragsprobleme der Unternehmen für die Märkte von größerer Bedeutung sind als die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen. Vor diesem Hintergrund wäre es aus Sicht der Bank bereits ein Erfolg, wenn sich die Kurse auf dem aktuellem Niveau stabilisieren würden. Aus markttechnischer Sicht seien aber ein Dax-Stand von unter 5 000 und dreistellige Nemax-Indizes kurzfristig möglich. Der Frankfurter Broker Fritz Nols AG hält es sogar für wahrscheinlich, dass der Dax die Unterstützung bei 4 780 Punkten testet. Zuvor könnte es aber kurzfristig zu Gewinnen kommen, da der Markt überverkauft sei. Am Freitag schloss der Dax bei 5 188 Zählern.

In Deutschland zeichnen sich für die Anleger nur wenig konkrete Orientierungshilfen ab. Beachtung finden dürften allenfalls die Arbeitsmarktzahlen für August (Mittwoch) sowie die Auftragseingänge der Industrie (Donnerstag). Auch von Unternehmensseite ist wenig zu erwarten. Unter scharfer Beobachtung dürfte allerdings die T-Aktie stehen. Am Wochenende lief ein Teil der Haltefristen für die früheren Aktionäre von Voicestream ab. Zwar verlautet aus dem Telekom-Lager, man habe den Aktienrückfluss unter Kontrolle. Aber vor allem der Großaktionär Hutchison Whampoa gilt in Händlerkreisen als unsicherer Kantonist. Sollten Hutchison oder andere Aktionäre Telekom-Titel abstoßen, könnte dies den Kurs belasten.

Beeinflusst werden könnte der T-Titel auch von den Quartalszahlen europäischer Branchenkollegen. Heute berichten die spanische Telefónica und die holländische KPN. Auch France Telecom und ihre Mobilfunktochter Orange legen im Laufe der Woche Zahlen vor, die allerdings wegen eines Computerfehlers bereits am Mittwoch teilweise bekannt wurden.

International orientierte Anleger sollten zudem die Änderungen in den europäischen Stoxx-Indizes im Auge behalten, die heute nach Börsenschluss veröffentlicht werden. Analysten gehen davon aus, dass France Telecom und der Telekomausrüster Marconi aus dem Blue-Chip-Index Stoxx 50 fallen und durch den französischen Versorger Suez sowie Unilever ersetzt werden. Aus dem Euro-Stoxx-50 - das Börsenbarometer für die Eurozone - dürfte die krisengeplagte KPN ausscheiden. Als Nachfolger wird der französische Glashersteller St. Gobain gehandelt. Grundsätzlich rücken Aktien mit der Aufnahme in wichtige Börsenbarometer stärker ins Blickfeld der Investoren. Aber auch die Gleichung "Indexaufnahme = Kursplus" geht längst nicht immer auf, weil professionelle Investoren die Veränderungen im Vorfeld absehen können und sich entsprechend positionieren.

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