Ausblick
Analysten erwarten langsame Erholung am Neuen Markt

Der Nemax sei durch Gewinnwarnungen und Insolvenzanträge zu stark in Mitleidenschaft gezogen worden, erklärten Analysten und Fondsmanager zum Ausblick auf das neue Jahr.

Reuters FRANKFURT. Der Neue Markt der Frankfurter Wertpapierbörse wird sich nach Ansicht von Börsianern nur langsam wieder von seinem Einbruch erholen. Der Nemax-50-Index, der am Donnerstag nur knapp über seinem Allzeittief, aber 67 % unter seinen März-Hoch lag, sei durch Gewinnwarnungen und Insolvenzanträge von Unternehmen zu stark in Mitleidenschaft gezogen worden, erklärten Analysten und Fondsmanager zum Ausblick auf das neue Jahr. "Es ist ein echtes Problem, dass viele Anleger einen solchen Markt noch nicht erlebt haben", sagte Karl Homburg, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin.

Eine mögliche Erholung des größten europäischen Wachstumsmarktes hängt zwar nach Einschätzung von Börsianern an der Entwicklung der weltweit führende US-Technologiebörse Nasdaq, aber die Unternehmen am Neuen Markt müßten auch schleunigst mit verbesserten Ergebnissen aufwarten. Derzeit müsse man sehr selektiv vorgehen, sagte Ludger Vossenberg, Fondsmanager bei BfG Invest in Frankfurt. Jeder Wert, bei dem nur der Schatten eines Zweifels bestehe, werde verkauft. Er könne sich vorstellen, dass die Fantasie für die Wachstumswerte auch im kommenden Jahr ausbleiben werde. Zuviele Leute hätten sich in diesem Jahr die Finger verbrannt, sagte er.

Stimmung am Markt hat gelitten

Ein Grund für den Einbruch des Neuen Marktes in diesem Jahr war nach Ansicht von Fondsmanagern auch die große Welle von Neuemission im ersten Quartal 2000. Anleger hätten im Glauben an schnellen Gewinn und stetig steigende Kurse jede Vorsicht über Bord geworfen, hieß es. Es habe dabei eine Reihe von Unternehmen gegeben, die den Neuen Markt mißbraucht hätten. Wenn die Nachfrage größer sei als das Angebot, ziehe dies Firmen an, die davon profitieren wollten, sagte Marc Schädler von Nordinvest.

Die Stimmung an der Wachstumsbörse habe im zuende gehenden Jahr auch durch die Insolvenzverfahren des Telekom-Unternehmens Gigabell und des Software-Entwicklers Teamwork Information Management gelitten, sagten Marktbeobachter. Auch im kommenden Jahr könnten weitere Unternehmen von finanziellen Problemen heimgesucht werden. Vor allem Internetportale ohne Markennamen, Internetzugangsanbieter und kleinere Telekomgesellschaften seien in ihrer Existenz bedroht, sagte Rüdiger Ginsberg, Geschäftsführer bei Union Investment. Schließlich seien diese Unternehmen auf kostspielige Marketingaufwendungen angewiesen, um überhaupt Umsätze zu erzielen, fügte er hinzu. Er halte es für wahrscheinlich, dass rund zwei Dutzend der derzeit 337 am Neuen Markt gelisteten Unternehmen in den kommenden Monaten wieder vom Kurszettel verschwinden werden.

Verhaftung von Vorständen belastete Markt

Auch die Verhaftung von Vorständen der Infomatec AG, die unter den Verdacht von Insidergeschäften geraten waren, habe den Markt belastet, sagten Marktteilnehmer. Abhilfe könne eine Veränderung des Regelwerks bringen, sagte ein Händler. Insider-Geschäfte könnten dadurch verhindert werden, dass größere Anteilseigner dazu verpflichtet würden, den Verkauf von Aktienpaketen einer gewissen Größenordnung zu veröffentlichen. Die Deutsche Börse AG hatte zuletzt bereits erklärt, das Regelwerk für den Neuen Markt zu überprüfen.

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