Ausblick auf 2005
Probelauf für das Spektakel

Es ist noch nicht lange her, da stand der Konföderationen-Pokal in der Beliebtheitsskala der Deutschen irgendwo zwischen Haarausfall und Mengenlehre: Es gibt ihn, aber man braucht ihn nicht. Inzwischen hat sich das grundlegend geändert. Im kommenden Sommer wird der Pokal der kontinentalen Fußball-Meister zum siebten Mal ausgetragen, und zum ersten Mal trifft er beim deutschen Publikum auf gewisses Wohlwollen.

HB BERLIN. Das neue Interesse hat vor allem einen Grund: die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland im Jahr darauf. Der Konföderationen-Pokal ist das beste Beispiel dafür, wie der Glanz der WM 2006 auch ein bisschen auf diese bisher blasse Veranstaltung abstrahlt. Sogar die Auslosung Anfang November wurde mit einigem Pomp in der Frankfurter Oper inszeniert.

In der offiziellen Sprachregelung des WM-Organisationskomitees (OK) gilt der Konföderationen-Pokal als Probelauf für die Weltmeisterschaft 2006. Die 16 Begegnungen werden in den WM-Stadien von Frankfurt, Nürnberg, Köln, Hannover und Leipzig ausgetragen. Unter anderem wird dann das elektronische Ticketsystem zum ersten Mal in der Praxis getestet. Alles soll so sein wie bei der Weltmeisterschaft - nur ein paar Nummern kleiner.

Auch sportlich gilt die Veranstaltung als wichtiger Test. "Wir sehen den Cup als Generalprobe für die Weltmeisterschaft", sagt Bundestrainer Jürgen Klinsmann. "Wir werden dann sehen, wie wir uns als Mannschaft innerhalb eines Jahres entwickelt haben." Die Deutschen eröffnen das Turnier am 15. Juni in Frankfurt gegen Ozeanienmeister Australien. Die beiden anderen Gegner ihrer Gruppe sind Tunesien und Argentinien. In der zweiten Gruppe spielen Weltmeister Brasilien, Europameister Griechenland, Japan und Mexiko.

Brasilien schickte eine B-Auswahl

Erst zum zweiten Mal nehmen die Deutschen an diesem Turnier teil, das Anfang der Neunzigerjahre als König-Fahd-Pokal ins Leben gerufen worden war und in Saudi-Arabien ausgetragen wurde. Die Veranstaltung diente dem Weltfußballverband Fifa vornehmlich dazu, neben den nur alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften eine zusätzliche Einnahmequelle zu schaffen. Nur 1999 ist der Deutsche Fußball-Bund (DFB) dem Wunsch gefolgt, am Konföderationen-Pokal teilzunehmen. Die Deutschen bewarben sich um die WM 2006, und die Teilnahme galt vor allem als sportpolitische Goodwill-Aktion, um die Fifa und deren Wahlmänner gnädig zu stimmen.

Sportlich war der Auftritt für die Nationalmannschaft eine einzige Katastrophe. Mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison weigerten sich die Bundesligavereine, ihre Angestellten abzustellen. Sie einigten sich schließlich auf den Kompromiss, dass Bundestrainer Erich Ribbeck von jedem Klub höchstens drei Spieler nominieren dürfe. Auf diese Weise gelangten sogar Ronald Maul und Heiko Gerber zu Länderspielehren. Die zusammengewürfelte Nationalmannschaft blamierte sich in Mexiko nach Kräften, verlor gegen Brasiliens B-Team (0:4) und gegen die USA (0:2). "Unser Ansehen ist geschändet worden", sagte Gerhard Mayer-Vorfelder, der damals noch Vizepräsident des DFB war.

Im Sommer 2003 verweigerten sich die Deutschen erneut. Anstelle des Vizeweltmeisters rückte die Türkei als WM-Dritter in das Teilnehmerfeld auf. "Keiner will bei diesem Turnier spielen", sagte Arsène Wenger, der Trainer von Arsenal London, angesichts des Termins unmittelbar nach Saisonende. Brasilien schickte eine B-Auswahl nach Frankreich. Dem Kader des Weltmeisters gehörten elf Spieler an, die noch überhaupt kein Länderspiel bestritten hatten. Das Interesse der Zuschauer fiel entsprechend aus: Nur rund die Hälfte der Eintrittskarten wurde damals verkauft.

Vorverkauf läuft

Das alles könnte in Deutschland erstmals ganz anders werden. Durch den Status als Generalprobe für die WM hat das Turnier zum ersten Mal einen tieferen Sinn, als Geldbeschaffungsmaßnahme der Fifa zu sein. "Alle Mannschaften haben zugesagt, mit ihren besten Besetzungen zu kommen", sagt Jens Grittner vom WM-OK. Und auch was den Zuschauerzuspruch angeht, sind die Organisatoren zuversichtlich.

Seit Anfang November läuft der Vorverkauf, allein in der ersten Woche wurden 100 000 Tickets abgesetzt, inzwischen sind es 250 000 von 700 000. Grittner sagt: "Wir sind zuversichtlich, dass wir flächendeckend ausverkaufte Stadien haben werden." Und das nicht nur, wenn die deutsche Mannschaft spielt.

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