Ausblick bleibt vage
Bei Aegon fehlt die Phantasie

Der niederländische Versicherer Aegon hat im vergangenen Jahr ein akzeptables Ergebnis erwirtschaftet. Doch der Kurs steht schon seit geraumer Zeit unter Druck. Ein Führungswechsel könnte nun frischen Wind bringen. Der für das lukrative US-Geschäft zuständige Donald J. Shepard soll es richten.

BRÜSSEL. Der niederländische Aegon-Konzern verbuchte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Anstieg des Nettogewinns um 16 % auf 2,4 Mrd. Euro. Der Umsatz stieg von 30,7 Mrd. Euro im Jahr 2000 auf 31,8 Mrd. Euro. Damit bleibt das Unternehmen in dem selbstauferlegten laufenden Fünf-Jahres-Plan. Aegon, das international unter den Top-Ten der Branche rangiert, hat sich vorgenommen, langfristig ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 10 % zu erreichen. Zu diesem Zweck nutzt der Konzern aber auch einen Lücke im niederländischen Bilanzrecht.

"Aegon legt nicht offen, wie hoch der Profit aus Investitionen ist", sagt Marc Koning, Analyst bei der Robeco Groep. Dadurch falle es schwer, die tatsächliche Leistung des Unternehmens zu beurteilen.

Die Niederländer unterscheiden nicht zwischen Einkommen aus laufendem Geschäft und realisierten Gewinnen zum Beispiel aus dem Verkauf von Aktien oder Anleihen. Der Grund: Das Versicherungsgeschäft sei nun einmal ein langfristiges. Es gehe darum, den Kunden dauerhafte Sicherheit zu gewähren, so die Aegon-Position. Mit der Einführung von US-Standards in den Niederlanden muss Aegon in spätestens vier Jahren seine Zahlen differenzierter präsentieren.

Frischer Wind wird auch von dem Amerikaner Donald Shepard erwartet, der ab April auf dem Sessel von Aegon-Chef Kee Storm Platz nimmt. Storm geht in den Ruhestand. Shepard verantwortet bislang das lukrative US-Geschäft, in dem Aegon vor allem durch die Übernahme von Transamericana, dem drittgrößten US-Lebensversicherer, rund 60 % seiner Gewinne erwirtschaftet. Im vergangenen Jahr wuchs der Profit jenseits des Atlantiks um 15 %. Allein der Verkauf von Lebensversicherungen in den USA brachte Aegon 2001 rund 2,1 Mrd. Euro ein. Das Wachstum in den anderen beiden wichtigen Märkten - Niederlande und Großbritannien - betrug dagegen lediglich 7 % bzw. 3 %.

Der neue Boss kommt aus dem Marketing, der alte stammt aus der Buchhaltung. "Eine Revolution wird bei Aegon aber nicht stattfinden", meint Bart van der Feen, Analyst bei Rabo Securities. Shepards Erfahrungen können dem Konzern aber helfen: "Aegon kann, anders als ING, kaum effizienter werden", meint van der Feen. Umsatz-Wachstum könne daher vor allem durch verstärkte Marketing-Aktivitäten erreicht werden. Van der Feen sieht aber kein Potenzial für den Aegon-Kurs, der sich zur Zeit an der Amsterdamer Börse bei rund 27 Euro bewegt: Die selbstgesteckten Wachstumsziele seien nicht zu halten. "Aegon braucht mehr Kunden", meint auch Robeco-Analyst Koning.

Vor allem Großbritannien sei interessant. Dort sind die Margen zwar niedrig, der Altersvorsorge-Markt für Niedrig-Einkommen biete aber ein spannendes Geschäftsfeld. "Da Aegon aber nicht über genügend Bar-Reserven verfügt, werden wir wohl keine Akquisitionen in Europa erleben", erwartet Koning. Beim Ausblick auf 2002 halten sich die Niederländer auch zurück: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machten es derzeit schwierig, eine konkrete Prognose abzugeben, heißt es in Den Haag. Die Börse reagierte auf die vorgelegten Zahlen mit Abschlägen. Die an der Amsterdamer Börse notierte Aegon-Aktie verlor 3,1 % auf 3,07 Euro.

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