Archiv
Ausblick: EZB lässt Leitzins trotz Euroanstieg auf absehbare Zeit unverändert

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung von Volkswirten trotz der jüngsten Wechselkursentwicklung und schwachen Konjunkturdaten den Leitzins auf absehbare Zeit unverändert belassen. Der EZB-Rat wird an diesem Donnerstag (2.

dpa-afx FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung von Volkswirten trotz der jüngsten Wechselkursentwicklung und schwachen Konjunkturdaten den Leitzins auf absehbare Zeit unverändert belassen. Der EZB-Rat wird an diesem Donnerstag (2. Dezember) zusammentreten und nach einhelliger Meinung der 30 von AFX befragten Beobachter ihren Leitzins nicht ändern, aber ihre Wachstumsprojektionen für 2005 senken. Der Leitzins liegt seit Juni 2003 unverändert bei 2,00 Prozent.

Insbesondere die wachstumsdämpfende Wirkung des hohen Eurokurses habe die Erwartungen auf eine Leitzinserhöhung in der nächsten Zeit gedämpft, sagte EZB-Experte Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein. "Das Risiko einer kurzfristigen Leitzinserhöhung ist fast verschwunden." Die EZB sei aber auch weit davon entfernt eine Leitzinserhöhung zu signalisieren. Wahrscheinlich werden die Leitzinsen in den kommenden Monaten unverändert bleiben.

Keine Devisenmarktinterventionen Absehbar

Auch Karsten Junius EZB-Beobachter der Dekabank erwartet auf absehbare Zeit keine Leitzinsveränderung. "Die Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone macht zwar nicht so richtig Spaß. Ein Wegbrechen der Konjunktur ist aber nicht zu erwarten", sagte Junius der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Die EZB werde zwar auf der kommenden Sitzung darauf hinweisen, dass sie für Preisstabilität sorgen werde. Insbesondere der gestiegene Rohölpreis hatte zuletzt für einen höheren Preisdruck gesorgt. "Die Falken werden jedoch durch die jüngste Wachstumsentwicklung kaum Munition erhalten", sagte Junius. Die EZB wird nach Einschätzung der Dekabank ihre Wachstumsprojektionen zurücknehmen. Bisher veranschlagt die EZB für 2005 ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent. Die Dekabank erwartet eine Rücknahme auf 1,9 Prozent.

Zum Wechselkurs des Euro wird Jean-Claude Trichet am Donnerstag jedoch kaum Neues sagen, erwartet Junius. Sollte es bei einem graduellen Anstieg der Eurokurses bleiben, dann sei auch mit keinen Interventionen zu rechnen. Im laufenden Jahr war der handelsgewichtete Anstieg des Euro kaum dramatisch.

Die US-Investmentbank Merrill Lynch schließt jedoch im kommenden Jahr eine Zinssenkung nicht aus. Bei einem Wechselkurs von 1,40 Dollar und anhaltend schwachen Konjunkturdaten könne eine Leitzinssenkung wieder auf die Agenda kommen. Kurzfristig spreche jedoch eine Inflationsrate von über zwei Prozent und ein hohes Geldmengenwachstum gegen eine Zinssenkung. Eine Intervention zur Stützung des Dollar hält Merrill Lynch für unwahrscheinlich. Ohne ein gemeinsames internationales Vorgehen und eine Zinssenkung seien solche Maßnahmen wirkungslos.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%