Ausblick ist schwierig
Massiver Stellenabbau bei Großbanken geht weiter

Der massive Stellenabbau bei den deutschen Großbanken geht ungebremst weiter: Die Deutsche Bank kündigte am Donnerstag die Streichung von weiteren 4 500 Stellen an.

ap/dpa FRANKFURT/MAIN. Damit werden bei Deutschlands größtem Finanzhaus nun insgesamt 7 100 Arbeitsplätze abgebaut. In den vergangenen Wochen hatten schon die Hypo-Vereinsbank (insgesamt minus 9 100), die Dresdner Bank (minus 7 800) und die Commerzbank (minus 3 400) umfangreichen Stellenabbau angekündigt.

Die Deutsche Bank will im Bereich Privatkunden und Vermögensverwaltung rund 3 300 Stellen streichen, weitere 1 200 sollen im Bereich Services entfallen. Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer sagte in Frankfurt am Main: "Angesichts des angespannten gesamtwirtschaftlichen Umfelds und der politisch labilen Weltlage ist es derzeit besonders schwierig, einen Ausblick auf die verbleibenden Monate des laufenden Geschäftsjahres zu geben." Allerdings sei sein Haus auf Grund einer soliden Ausgangslage sehr zuversichtlich, "auch die restlichen Monate des Jahres 2001 vergleichsweise gut zu bewältigen".

Zweifel an der sogenannten "Chinese Wall"

Die Quartalszahlen des Instituts waren früher als geplant teilweise durchgesickert und dann von der Bank veröffentlicht worden. Daraufhin hatte das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel Prüfungen aufgenommen, ob die Bank gegen Pflichten zur Ad-hoc-Veröffentlichung verstoßen hat. Untersucht wird auch, ob Dritten unbefugt Insider-Tatsachen mitgeteilt worden seien. Eine Sprecherin sagte am Donnerstag allerdings auch, dass diese Prüfungen "mindestens mehrere Wochen" dauern würden.

Die Finanznachrichtenagentur Reuters hatte den BAWe-Angaben zufolge bereits am Dienstagabend die Geschäftszahlen der Bank für das dritte Quartal gemeldet. Die Deutsche Bank teilte die Zahlen erst am Mittwochmittag mit - einen Tag früher als ursprünglich geplant. Nach den Vorschriften zur so genannten Ad-hoc-Publizität müssen Unternehmen börsenrelevante Nachrichten unmittelbar nach deren interner Autorisierung veröffentlichen.

"Vielleicht war ja schon einen Tag vorher alles fix und fertig. Das prüfen wir jetzt", sagte eine BAWe-Sprecherin. Nach dpa- Informationen ist die Reuters-Meldung nach der Weitergabe der Geschäftszahlen an den Aufsichtsrat verbreitet worden. Der Deutschen Bank droht im ungünstigsten Fall ein Bußgeld in Höhe von drei Mill. DM (1,5 Mio Euro).

Der Vorfall gilt in der Branche als besonders pikant, weil sich die Deutsche Bank noch im August auf die interne Undurchlässigkeit ihrer Organisation für vertrauliche Informationen, im Expertenjargon "chinesische Mauern" genannt, berufen hatte. "Die chinesischen Mauern funktionieren offensichtlich doch nicht", sagte Reinhild Keitel, Sprecherin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), am Donnerstag. Damals war die Bank in die Kritik geraten, weil sie im Auftrag eines Kunden Aktien der Deutschen Telekom im großen Stil verkauft hatte, obwohl eine andere Abteilung die Papiere kurz zuvor zum Kauf empfohlen hatte.

Auch in den USA mit seiner noch strengeren Börsenaufsicht könnten die durchgesickerten Zahlen nach Expertenmeinung kein günstiges Licht auf die Großbank werfen. Die Deutsche Bank hatte erst vor vier Wochen den Gang an die New Yorker Wall Street gewagt.

Quartalsgewinn fiel besser aus als erwartet

Der Quartalsgewinn der Deutschen Bank war trotz Börsenflaute und Konjunktureinbruchs besser als erwartet ausgefallen. Zwar sank der Nachsteuergewinn im dritten Quartal um knapp 49 % auf 303 Mill. ?. Er lag damit aber im oberen Bereich der Erwartungen von Analysten, die mit 200 bis 350 Mill. ? gerechnet hatten.

In den ersten neun Monaten verringerte sich der Vorsteuergewinn um rund 37 % auf 3,7 Mrd. ? im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Nach Steuern wies das größte deutsche Kreditinstitut einen Gewinn von 2,75 Mrd. ? aus nach 4,37 Mrd. ? im Vorjahr.

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