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Ausblick: Karstadt-Quelle: Nun sollen die Aktionäre in die Tasche greifen

Nach den Beschäftigten und den Banken sollen nun auch die Aktionäre für eine Sanierung des angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzerns tief in die Tasche greifen.

dpa-afx ESSEN. Nach den Beschäftigten und den Banken sollen nun auch die Aktionäre für eine Sanierung des angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzerns tief in die Tasche greifen.

Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung an diesem Montag (22.11.) sollen die Anteilseigner einer Kapitalerhöhung zustimmen, die das arg zusammengeschrumpfte Eigenkapital des ums Überleben kämpfenden Handelsriesen um rund 500 Mill. Euro aufbessern soll. In dieser Woche hatten bereits die Banken grünes Licht für eine Verlängerung der Kredite von 1,75 Mrd. Euro für die kommenden drei Jahre signalisiert.

DSW: 'Wird Sehr Kritische Hauptversammlung'

"Das wird eine sehr kritische Hauptversammlung", kündigte die Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jella Benner-Heinacher, an. An einer Zustimmung der Großaktionäre zu der geplanten Kapitalerhöhung als dem einzigen Tagesordnungspunkte dürfte jedoch kaum ein Zweifel bestehen. "Die Großaktionäre werden mitziehen", meinte Benner-Heinacher.

Bereits vor der der Versammlung hatten der Pool Madeleine Schickedanz sowie der Allianz-Gruppe , die zusammen über mehr als 50 Prozent der Aktien verfügen, grünes Licht zu der geplanten Kapitalerhöhung signalisiert. "Das entscheiden die Banken zusammen mit den Großaktionären", sagte Benner-Heinacher.

Kapitalerhöhung-Details Noch Offen

Noch offen sind auch die genauen Details der geplanten Kapitalerhöhung, bei der vermutlich rund 93 Mill. neue Aktien ausgegeben werden sollen. Nach ersten Veröffentlichungen war Mitte Oktober der Aktienkurs des Handelskonzerns eingebrochen. Analysten kritisierten eine mögliche "Verwässerung" des Gewinns pro Aktie und niedrigere Dividendenzahlungen als Folge der Ausgabe neuer Aktien.

Auch mit einem positiven Votum der Aktionärsversammlung dürfte die Zitterpartie bei Karstadt-Quelle noch nicht zu Ende sein. Erst vor gut zwei Wochen hatte der Traditionskonzern bei der Vorlage seiner Quartalszahlen Einblick in das Ausmaß seiner Existenzkrise geben müssen. Dabei musste Karstadt-Quelle nicht nur seine Umsatz- und Ertragsprognose für 2004 zurücknehmen, sondern auch eingestehen, dass das Eigenkapital von 1,47 Mrd. Euro im Vorjahr auf einen Rest von nur noch 82,7 Mill. Euro fast ganz zusammengeschmolzen ist. Das entspricht einer Eigenkapitalquote von knapp einem Prozent.

'Tropfen AUF DEM Heissen Stein'

"Die zusätzlichen 500 Mill. Euro sind also nur ein Tropfen auf dem heißen Stein", urteilte die "Börsen-Zeitung" in einem Vorbericht zu der bevorstehenden Hauptversammlung. Auch auf der Seite der Banken besteht nach Informationen aus Branchenkreisen weiterer Absicherungsbedarf.

Auch nach der Vorlage eines positiven Gutachtens durch den von den Geldinstituten beauftragten Unternehmensberater Roland Berger soll der weitere Sanierungsprozess bei Karstadt-Quelle nun von einem unabhängigen Sanierungsprofi weiter unter die Lupe genommen werden. Nach Angaben aus Bankenkreisen verhandelt Karstadt-Quelle derzeit auch noch mit mehreren Geldgebern über eine Finanzierung von weiteren 500 Mill. Euro als "zusätzlichen Puffer".

Einsparungen Durch Stellenabbau

Ihren Sanierungsbeitrag bereits fest zu gesagt haben die rund 100 000 Karstadt-Quelle-Beschäftigten. Bereits Mitte Oktober hatten sich der Betriebsrat und die Gewerkschaft ver.di mit der Unternehmensleitung nach rund 29-stündigen Verhandlungen auf die Streichung von 5 500 Stellen in den nächsten drei Jahren geeinigt. Zusammen mit empfindlichen Lohneinbußen sollen dadurch rund 760 Mill. Euro bei Karstadt-Quelle eingespart werden.

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