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Ausblick: Startschuss für Lanxess - Bayer-Aktionäre entscheiden - harte Arbeit

Die Aktionäre des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer werden an diesem Mittwoch in Essen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung voraussichtlich den Weg für die Abspaltung und den anschließenden Börsengang des neuen Chemiekonzerns Lanxess endgültig frei machen.

dpa-afx FRANKFURT. Die Aktionäre des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer werden an diesem Mittwoch in Essen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung voraussichtlich den Weg für die Abspaltung und den anschließenden Börsengang des neuen Chemiekonzerns Lanxess endgültig frei machen. Nach Einschätzung von Aktionärsschützern wird die neue Gesellschaft hart arbeiten müssen, um erfolgreich zu werden. Mittelfristig bestünden aber gute Aussichten.

"Das Kind ist etwas klapprig geboren worden", sagte Hans-Richard Schmitz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) kommt nach der Studie des über 400 Seiten dicken Abspaltungsberichts zum Ergebnis, dass Lanxess in seinen 17 Geschäftsbereichen "eher fußlahme" Aktivitäten vereinigt. "Das ist ein Sammelsurium von marktreifen Aktivitäten mit niedrigen Wachstumsraten", sagte Keitel. Die Hauptwettbewerber seien "die Großen der Welt". Das Management stehe vor "harten Aufgaben".

Glanzvolles Beispiel Celanese

Im ersten Halbjahr erwirtschaftete Lanxess mit 20 000 Mitarbeitern einen Pro-Forma-Umsatz von 3,2 Mrd. und einen Verlust von drei Mill. Euro. Die flüssigen Mittel (Netto-Cash-Flow) in Höhe von fünf Mill. Euro bezeichnete Schmitz als einen "Scherz". Mittelfristig könnten sich die Aussichten für Lanxess und ihre Aktionäre aber verbessern, wenn Finanzinvestoren einstiegen und den Kurs beflügelten.

SdK-Expertin Keitel verweist auf die glanzvolle Entwicklung von Celanese nach der Abspaltung von Hoechst: "Das war für die Aktionäre insgesamt eine Erfolgsgeschichte. Der Wert der Aktie hat sich in gut vier Jahren mehr als verdoppelt." Ob Lanxess ähnlich erfolgreich werde, bleibe abzuwarten.

Abspaltung Richtiger Schritt

Insgesamt sei die Abspaltung der Chemie ein richtiger Schritt, betonten Aktionärsschützer und Chemie-Analysten übereinstimmend. "Die Bereiche sind so unterschiedlich geworden, dass sie nicht mehr zu steuern waren", sagte Schmitz. Auch Keitel hält Bayer nach der Abspaltung für klarer strukturiert und insgesamt transparenter. Analysten fordern bereits seit Jahren ein Aufbrechen der Konglomeratstrukturen.

Vernünftig sei auch das Vorgehen des Vorstandes, Lanxess über einen Spin-Off (Angebot an Bayer-Aktionäre) an die Börse zu bringen. So fließe kein Geld in die Konzern-Kasse und die Aktionäre entschieden selber, ob sie Lanxess-Papiere behalten oder lieber Kasse machen wollten. Insgesamt werden 73 Mill. Aktien zugeteilt. Dabei gibt es für zehn Bayer-Aktien einen Lanxess-Anteilsschein.

Bayer-Quartalszahlen Erst Später

"In der Anfangsphase wird es einen Verkaufsdruck auf Lanxess geben", prophezeite Schmitz. So würden sich vermutlich institutionelle Anleger, bei denen Chemie-Aktien nicht ins Portefeuille passten, von ihren Anteilen trennen. Schmitz: "Ich würde deshalb nicht verkaufen". Auch Keitel rät zum Abwarten.

Die Zahlen für das dritte Quartal 2004 will Bayer offiziell erst am 25. November in Leverkusen vorlegen. In ersten Schätzungen erwarten von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Analysten einen kräftigen operativen Ergebnissprung. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) dürfte sich vor Sonderposten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahezu verdoppeln, während der Umsatz nur leicht zulegt. Triebfedern seien das Agrar- und Chemiegeschäft.

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