Ausblick US-Aktien
Palmisanos Flucht und der „Darth Virus“

Aller guten Dinge sind drei, dachte man sich an der Nasdaq und ließ die High-Tech-Aktien noch einmal klettern. Am heutigen Donnerstag können sich Tech-Aktien wohl glücklich schätzen, wenn sie einigermaßen flach aus dem Handel gehen.

Das ist indes unwahrscheinlich, denn Investoren halten bereits die Hand auf. Schon nach Börsenschluss gab es erste Gewinnmitnahmen, denn eine Rallye von mehr als drei Tagen ist hoch gepokert, solange sich das Umfeld für High-Techs nicht dramatisch verbessert. Und dass dies nicht der Fall ist, wird jeden Tag deutlicher. Am Dienstagabend hatte Hewlett-Packards Chefin Carly Fiorina eine düstere Prognose gegeben. Mit IT-Investitionen sehe es global schlecht aus, sagte sie. Am Mittwochabend drückte sich IBM-Chef Sam Palmisano gar um jede Auskunft zur finanziellen Zukunft des Konzerns.

Ziellos steuerte Palmisano, der sein Amt erst im April von Lou Gerstner übernommen hatte und zum ersten Mal als CEO vor Analysten sprach, um kritische Fragen zu Umsatz- und Gewinnerwartungen herum. Stattdessen betonte er, wie sich IBM Marktanteile gesichert hätte, vor allem dank einer stärkeren Kooperation mit Microsoft. Doch das sind Signale die keiner mehr hören will. Gewinn ist gut, aber eine unternehmensbezogene Größe. Umsatz ist besser, denn er ist der Boden für echtes Wachstum.

So dürften es die High-Tech-Werte am Donnerstag schwer haben, und es wird vom Computerbauer Dell abhängen, ob die Nasdaq die Woche nach einem tollen Start auch im grünen Bereich beenden kann. Denn vor der Quartalskonferenz von Dell hat jede Menge Optimismus die Aktie gestützt und mit ihr einige der Schlüsselsektoren. Patzt nun auch Dell beim Umsatz, könnte es erneut abwärts gehen mit den einstigen Wachstumswerten. Doch für viele Analysten wäre das längst halb so schlimm. Sie sehen sich nicht mehr als die Cheerleader, die sie zum Ende der Rezession oder vereinzelt im Interesse der hauseigenen Investmentsparte waren .Einige versuchen die Umkehr und wollen eine langsame fundamentele (umsatzbedingte) Konjunkturerholung sehen.

Was auch immer mit den Techs geschieht, der Dow dürfte sich im Laufe des Donnerstags von den Mittwochsverlusten erholen. Denn ein Gerücht, das den Markt am Nachmittag ins Minus gedrückt hatte, ist vom Tisch: Man hatte gehört, dass Venezuelas Präsident, der Opec-nahe Hugo Chavez ermordet worden sei - Öl-Aktien stürzten wie schon vor einigen Wochen, als Rebellen Chavez für zwei Tage aus der Residenz gejagt hatten. Nun lebt Chavez, seine Politik wird (vorerst) weitergeführt und Öl-Werte, darunter der Dow-Riese ExxonMobil, dürften wieder klettern.

Was sonst ist zu erwarten am Donnerstag? Niedriges Handelsvolumen unter Umständen, wenn nämlich eintrifft, was Experten orakeln: Tausende Amerikaner - und darunter wohl auch die Technikfreaks an der Wall Street - könnten krank feiern und sich mit dem "Darth Virus" entschuldigen. In der Nacht kommt "Star Wars - Episode II" in die Kinos. Als vor drei Jahren "Episode I" anlief, belief sich der volkswirtschaftliche Schaden durch Schwänzer auf 319 Millionen Dollar.

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