Ausblick zum Umsatz des Deutschen Einzelhandels beeindruckt Beobachter nicht
Nur kurzfristig Potenzial für Einzelhandelsaktien

Die jüngsten Zahlen des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) rissen Aktien-Analysten gestern nicht zu Begeisterungsstürmen hin - obwohl HDE-Präsident Hermann Franzen für das laufende Jahr den höchsten realen Zuwachs seit zehn Jahren prognostizierte. Gleichzeitig erklärte er allerdings, die Prognosen der hauseigenen Volkswirte von 2,5 % seien zu optimistisch gewesen und lägen wohl um einen halben Prozentpunkt zu hoch.

FRANKFURT/M. "Der Ausblick liegt vollkommen im Rahmen der Erwartungen", erklärt Nikolai Baltruschat, Analyst für Einzelhandelswerte bei der Deutschen Bank. Außerdem sind seiner Meinung nach Konjunkturdaten für die Branche ohnehin weniger wichtig als Unternehmensnachrichten, sagte Franzen.

Barbara Ambrus, Analystin bei der Landesbank Baden-Württemberg meint ebenfalls, dass die deutschen Einzelhandelsumsätze und Prognosen für die Retail-Aktien keine große Rolle spielen. "Ob 2,0 oder 2,5 % ist nicht entscheidend." Fest stehe, dass es in der Branche generell wenig Wachstum gebe - zumindest nicht in Europa. Dementsprechend wertet sie derzeit auch keinen einzigen Einzelhändler als "Outperformer". Auch Christian Riedel, Analyst für Handels- und Konsumwerte bei der WGZ-Bank, stuft die Branche insgesamt als neutral ein. "Die Aktien kommen nicht so richtig in Fahrt", meint er. Dies werde sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern, ergänzt Baltruschat von der Deutschen Bank.

Parkmöglichkeit für verängstigte Anleger

In den unsicheren Börsenzeiten profitieren allerdings vor allem die defensiven Werte unter den Einzelhandelsaktien von ihrem Ruf als sicherer Hafen. Beispielsweise die niederländische Ahold oder die französische Carrefour, die ihr Kerngeschäft im konjunkturunabhängigen Bereich Lebensmittel haben. Im vergangenen Jahr zogen die Titel dementsprechend an, notieren jedoch aktuell deutlich unter ihren 52-Wochen-Höchstständen.

Dennoch gelte die Branche weiterhin als Parkmöglichkeit für verängstigte Anleger, meint Baltruschat. "Daraus darf man aber nicht ableiten, dass der Sektor en voque ist." Deutlich positiver sind die Analysten der Hypo-Vereinsbank für die Branche eingestellt. "Generell empfehlen wir, den Sektor überzugewichten", erklärt Markus Reck, zuständiger Analyst für Konsumwerte. Die möglichen Leitzinssenkungen in Amerika und der Euro- Zone, die Verringerung der Arbeitslosigkeit und sinkende Energiepreise sollten sich positiv auf den privaten Verbrauch auswirken, meint Reck. Dabei sei allerdings schwer abzuschätzen, welchen Anteil ihres höheren Einkommens Verbraucher tatsächlich im Einzelhandel ausgäben. Neben allgemeinen Aussagen über die Branche sei aber natürlich wichtig, das einzelne Unternehmen genau anzusehen. So habe die Aktie der Metro, Kurspotenzial bis auf 60 , wenn sich das Unternehmen von gewissen Geschäftsbereichen, wie dem Baumarkt Praktiker und den Supermarktketten Real und Extra trenne.

Andere Analysten sehen bei mittelgroßen Unternehmen größere Chancen. So hält die Deutsche Bank die Douglas Holding und Hornbach-Baumarkt mit Kurszielen von 55 bzw. 95 für kaufenswert. Die WGZ-Bank empfiehlt die Aktien der Bäckereikette Kamps zum Kauf.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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