Auschreibungen bei Nahverkehrsstrecken
Bahn will unwirtschaftliche Regionalstrecken überprüfen

Die Deutsche Bahn erwägt die Einstellung einiger schwach ausgelasteter Nahverkehrsstrecken. Zugleich wies das Unternehmen einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zurück, wonach es jeden zehnten Regionalzug für überflüssig halte.

dpa BERLIN. "Keineswegs hat die Bahn jede zehnte Nahverkehrsstrecke für überflüssig erklärt", teilte die Bahn am Samstag mit. Bei Strecken mit äußerst geringerem Fahrgastaufkommen sollte jedoch bedacht werden, "ob es ökonomisch und ökologisch sinnvoll sei, sie weiter mit schweren, schlecht besetzten Zügen zu bedienen", hieß es in der Bahn-Stellungnahme weiter. "Manchmal sei vielleicht auch der Bus das vernünftigere Verkehrsmittel."

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn erklärte, die Bahn wolle sich nicht aus der Fläche zurückziehen. "Die Länder können zu Bedingungen, die sich für die Bahn rechnen, jeden Verkehr bestellen, den sie wollen", sagte er. Die "SZ" hatte am Samstag berichtet, das so genannte Grundangebot der Bahn, das den Ländern vorgelegt worden sei, enthalte nur noch etwa 90 % des derzeitigen Nahrverkehrs. Als unwirtschaftlich ermittelte Strecken und Züge wolle die Bahn lediglich als "Zusatzangebot" weiterbetreiben, wenn die Länder dafür mehr bezahlen, schriebt die Zeitung unter Berufung auf den Sachsens Verkehrsminister Kajo Schommer (CDU).

Dem Zeitungsbericht zufolge solle vor allem der Osten Deutschlands betroffen sein. Das Grundangebot solle mit dem nächsten Fahrplanwechsel Mitte 2002 greifen. Die Bahn habe von den 590 Mill. Zugkilometern pro Jahr lediglich 533 Mill. als "bedarfsgerecht" eingestuft. Strecken mit weniger als 500 Fahrgästen pro Tag würden als unwirtschaftlich betrachtet. Darüber hinaus gebe es auf zahlreich Linien nach Ansicht der Bahn zu viele Züge.

Der Verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Albert Schmidt, rief die Länder auf, bei hohen Forderungen der Bahn die Nahverkehrsstrecken auszuschreiben. Die Länder könnten sich für private Anbieter entscheiden, wenn diese günstigere Konditionen als die Bahn vorlegten, sagte er der dpa. Der Bund stelle den Ländern jährlich 13,5 Mrd. DM für die Bestellung der Züge und Zuschüsse zur Verfügung. Schommer hatte der "SZ" gesagt, allein Sachsen müsse pro Jahr 135 Mill. DM mehr aufbringen, damit die Bahn viele Nebenstrecken weiter befährt.

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