Auseinandersetzung um Lizenzen
Igen und Roche in Übernahmegesprächen

Der Schweizer Pharmakonzern Roche und die US-Biotechnologiefirma Igen führen nach Igen-Angaben vom Dienstag Gespräche über eine Transaktion. Mit dieser Mitteilung reagierte Igen auf eine Meldung, wonach die beiden Firmen über eine Übernahme von Igen durch Roche verhandeln und die Gespräche weit fortgeschritten seien. Dies hatte es in Finanzkreisen geheissen.

HB/rtr LONDON/NEW YORK. Igen erklärte weiter, es gebe keine Sicherheit darüber, dass es zu einer Transaktion komme oder welches die Konditionen dann sein würden.

Roche benutzt Igen-Lizenzen für diagnostische Tests etwa auf Bakterien, Viren und toxische Stoffe. Über diese Lizenzen war es allerdings ab 1997 zu gerichtlichen Auseinandersetzungen gekommen. Igen warf Roche vor, die Igen-Methoden in Bereichen zu benutzen, die durch das Lizenzabkommen nicht abgedeckt seien. Der Basler Konzern hatte wiederholt deutlich gemacht, dass er ungeachtet dieser Auseindersetzungen an den Igen-Lizenzen interessiert ist. "Wir führen Gespräche mit Igen, um dieses Problem zu lösen," sagte ein Roche-Sprecher am Dienstag. Zur Frage, ob Roche Igen übernehmen wolle, wollte er keine Stellung nehmen.

In Kreisen, die vertraut sind mit den Auseinandersetzungen zwischen den beiden Firmen, hiess es am Dienstag, eine solche Transaktion mache für beide Seiten Sinn. Möglicherweise werde die Übernahme anlässlich des am (morgigen) Mittwoch anstehenden Halbjahresberichts von Roche bekannt gegeben. Das wäre nicht untypisch für Roche, hiess es weiter.

Langer patentstreit

Igen verfügt über eine Börsenkapitalisierung von gut 800 Millionen Dollar. Laut der Igen-Internetseite kam das Unternehmen im Geschäftsjahr 2002/03 (per Ende März) auf einen Jahresumsatz von 56 Millionen Dollar und einen Verlust von knapp 28 Millionen Dollar. Knapp die Hälfte des Igen-Umsatzes entfällt auf die Lizenzeinnahmen von Roche.

Der lange Patentstreit zwischen Roche und Igen fand vor etwa zehn Tagen mit einem Teilerfolg von Roche ein vorläufiges Ende. Ein US-Berufungsgericht hob ein früheres Urteil eines Gerichts in Maryland aus dem Jahr 2002 weitgehend wieder auf, das Roche Straf- und Schadenersatzzahlung von insgesamt 505 Millionen auferlegt hatte.

Doch der Fall ist damit nicht zu Ende. Igen wurde in dem Urteil das Recht zugesprochen, alle Lizenzabkommen mit Roche zu kündigen und davon machte Igen nach der Urteilsverkündung auch Gebrauch. Zudem reichte Igen Anfang Juli gegen Roche in den USA und auch in Deutschland eine neue Patentklage ein. Expertenschätzungen zufolge basieren etwa sechs bis acht Prozent des Umsatzes der Roche-Division Diagnostics auf Lizenzen von Igen. Roche Diagnostics kam 2002 auf einen Umsatz von 7,2 Milliarden sfr.

Hohe Lizenzgebühren

Roche erwirtschafte auf der Basis der Igen-Lizenzen ganz ordentliche Umsätze, und es bestehe für den Konzern das Risiko, dass diese wegfallen könnten, hiess es in den Kreisen weiter. Birgit Kulhoff, Pharma-Analystin von der Bank Sal Oppenheim, sagte, es lasse sich eine Situation vorstellen, in der Roche sich gezwungen fühle, Igen zu kaufen. Falls Igen auf unwirtschaftlich hohen Lizenzgebühren bestehe, bleibe als Lösung vielleicht in der Tat nur die Übernahme.

Analyst Paul Diggle von WestLB Panmure sagte, eine solche Übernahme könnte sich als ziemlich neutral für Ertragslage von Roche erweisen. Zudem, so Diggle weiter, könnte Roche dann für klare Verhältnisse sorgen. Über die Möglichkeit einer Übernahme von Igen sei seit einiger Zeit spekuliert worden.

An der etwas leichteren Börse schlossen die Roche-Genussscheine 0,2 Prozent leichter bei 107 sfr. In New York schnellten die Igen-Aktien, die zwischenzeitlich vom Handel suspendiert wurden, 16,6 Prozent auf 40,10 Dollar nach oben.

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