Ausfall von acht Stammspielern
Völler-Elf redet sich stark für Italien

Mit dem Einzug der "letzten Aufrechten" in die Sportschule Ruit erklärte Rudi Völler die gravierenden Personalprobleme der deutschen Nationalmannschaft zum Tabuthema.

HB/dpa STUTTGART. Stattdessen redete sich die zweite Garnitur für den Klassiker gegen Italien am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) im ausverkauften Gottlieb-Daimler-Stadion stark. "Wir haben genügend gute Spieler, die sich nun beweisen wollen", kommentierte Carsten Ramelow den Ausfall von gleich acht Stammkräften. Und Jens Jeremies stellte sein Selbstbewusstsein vor dem Duell der dreimaligen Weltmeister gar noch deutlicher zur Schau: "Die, die fehlen, die fehlen eben. Wir sind auch so gut genug für Italien."

Auch Völler sprach zwei Tage vor dem Anpfiff viel lieber über die Chancen für seine Notelf und nicht über die Risiken eines Fehlstarts in die EM-Saison. "Das ist kein Test, das ist ein Klassiker - ein Highlight in der Karriere eines jeden Nationalspielers", schwor er die Spieler in seiner Ansprache vor der ersten gemeinsamen Trainingseinheit ein. Dort holten ihn gleich wieder die Alltagssorgen ein.

Die Historei: Zwei schwarze Serien

Der Bremer Frank Baumann trainierte wegen einer Knöchelverletzung erst gar nicht mit, Fredi Bobic und Sebastian Kehl trabten wegen Beschwerden in Wade und Hüfte nur am Spielfeldrand entlang. Arne Friedrich machte sich - wie am Vortag von Völler schon angekündigt - wegen einer Bauchmuskelzerrung schon wieder auf den Heimweg nach Berlin. "Er ist momentan nicht in der Lage, eine englische Woche durchzustehen", erklärte Völler.

Dies beschert Lokalmatador Andreas Hinkel im dritten Länderspiel erstmals einen Einsatz in der Anfangself. "Die Chance hat er sich verdient", sagte Völler an die Adresse des 21-jährigen Außenverteidigers, der voller Vorfreude verkündete: "In meinem Stadion für mein Land gegen eine solch namhafte Mannschaft zu spielen - das ist schon etwas Tolles."

Die Chance, dass nach der von Verbandschef Gerhard Mayer-Vorfelder zur "echten Standortbestimmung" erkorenen Partie am Mittwochabend die Ernüchterung folgt, ist allerdings groß. Denn statistisch gesehen stehen einem möglichen Sieg gleich zwei schwarze Serien im Weg. Seit zweieinhalb Jahren - seit dem 1:0-Erfolg im letzten Wembley-Spiel gegen England - hat die deutsche Mannschaft keinen Kontrahenten aus den Top 10 der Weltrangliste besiegt. "Zuletzt haben wir gegen Argentinien, Brasilien, Holland und solche Mannschaften nur auf die Nuss gekriegt", brachte Abwehrspieler Christian Wörns das Dilemma auf den Punkt.

Bittere Niederlagen

Zudem kassierte die DFB-Auswahl in den letzten drei Spielen in Stuttgart ausnahmslos bittere Niederlagen. Völler hingegen gewann selbst der auch für ihn persönlichen Negativ-Bilanz - sechs von acht Spielen unter seiner Regie gegen große Mannschaften gingen verloren - etwas Positives ab. "Italien ist eine absolute Weltklassemannschaft. Gegen Mannschaften dieses Kalibers haben wir in der Vergangenheit guten und attraktiven Fußball gespielt", lautete seine individuelle Betrachtungsweise der Historie. Für den Teamchef stehen ohnehin Erkenntnisse für die vorentscheidenden EM-Qualifikationsspiele in Island und gegen Schottland im Vordergrund.

Dabei stellt sich nach den Ausfällen von Michael Ballack, Torsten Frings, Dietmar Hamann, Jörg Böhme, Christian Ziege, Jens Nowotny, Christoph Metzelder und Friedrich sowie Völlers Verzicht auf den wieder genesenen Sebastian Deisler die deutsche Elf praktisch von alleine auf. Vor Torhüter Kahn werden Hinkel, Wörns, Baumann und Tobias Rau die Abwehrkette bilden, die von Ramelow und Jeremies im defensiven Mittelfeld unterstützt wird. Paul Freier und Bernd Schneider sind im offensiven Mittelfeld gesetzt. Einzig offene Frage ist, wer neben dem erstarkten Leverkusener Oliver Neuville stürmt. Mit Bobic, Miroslav Klose und Benjamin Lauth hat Völler wenigstens dabei einmal die Qual der Wahl.

Die voraussichtliche Aufstellung: Kahn - Hinkel, Wörns, Baumann, Rau - Freier, Ramelow, Jeremies - Schneider - Neuville, Klose (Bobic)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%