Ausfuhren um 10,9 Prozent gestiegen
Deutscher Exportmotor läuft

Die deutschen Ausfuhren sind im September deutlich gestiegen und haben nach Einschätzung von Analysten zu einem etwas stärkeren Wirtschaftswachstum im dritten Quartal beigetragen.

Reuters FRANKFURT. Die deutsche Wirtschaft exportierte im September 10,9 % mehr als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Die Einfuhren lagen um 3,6 % über dem Vorjahresniveau. Im Vergleich zum August erhöhten sich die Ausfuhren saisonbereinigt um 0,3 % nach einem Plus von mehr als 10 % im August, die Einfuhren stiegen um 1,8 %.

Der Handelsbilanzüberschuss betrug im September 10,9 Mrd. Euro nach revidiert 10,4 Mrd. Euro im August und 7,1 Mrd. Euro im September vergangenen Jahres. Dabei standen Ausfuhren im Wert von 55,0 Mrd. Euro Einfuhren im Wert von 44,1 Mrd. Euro gegenüber. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem geringeren Überschuss in der Handelsbilanz von 8,8 Mrd. Euro gerechnet.

Export hat für Wachstum im dritten Quartal gesorgt

Auf den Konjunkturmotor Exporte war nach Einschätzung von Analysten zumindest im dritten Quartal noch Verlass. Wegen des schlechten Umfelds der Exportwirtschaft, die unter der schwachen Weltwirtschaft und auch unter dem Anstieg des Euro-Dollar-Kurses leide, sei der Anstieg der Ausfuhren im September ein gutes Zeichen, sagte Andreas Scheuerle, Volkswirt von der DekaBank. Allerdings sei der Anstieg zum Vorjahr so hoch ausgefallen, weil im Vergleichsmonat September 2001 der Welthandel nach den Attentaten gedämpft worden sei. Ulla Kochwasser von der Mizuho Corporate Bank wies darauf hin, dass die Ausfuhren nach dem kräftigen Vormonatsanstieg im Juli nicht den zu erwartenden Rückgang aufwiesen.

Die Analysten werteten die Daten als Bestätigung dafür, dass sich das Wachstum der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal etwas verstärkt hat. Nachdem in den ersten beiden Vierteljahren 2002 das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um jeweils 0,3 % zum Vorquartal gestiegen war, erwartet die Dekabank nun einen Zuwachs um 0,4 % im dritten Quartal. "Für den Export rechnen wir aber ebenso wie für das BIP im vierten Quartal mit einem wieder geringeren Zuwachs", sagte Scheuerle. Da sich die Konjunktur in den USA, nach Frankreich das zweitwichtigste Exportland für die deutsche Wirtschaft, im Schlussquartal verlangsamt habe, werde der Impuls von dort schwächer ausfallen. "Allmählich belastet auch der Euro-Anstieg zum $ die Ausfuhren", sagte Scheuerle.

Die Daten zum BIP im dritten Quartal werden am 21. November veröffentlicht. Für 2002 rechnen die meisten Wirtschaftsforscher mit einem Wachstum von knapp einem halben Prozent, und für 2003 mit knapp 1,5 %. Die robuste Entwicklung der Ausfuhren könnte Kochwasser zufolge als Zeichen für den Beginn eines Aufschwungs gewertet werden. "Aber dieser wird in den kommenden Monaten abgewürgt." Die Diskussion über höhere Rentenbeiträge und Steuern belaste schon jetzt den privaten Verbrauch.

Auch Scheuerle ist für das kommende Jahr skeptisch. Ob die Konjunktur weltweit und in Deutschland sich wie erhofft belebe, hänge stark von der weiteren Entwicklung im Irak-Konflikt ab. Wenn es schon bald einen nur kurzen Krieg gebe, werde die Wirtschaft womöglich nur gering belastet. Bei einer langwierigen Auseinandersetzung, die zu einem Ölpreisanstieg führen könnte, gingen die Exporte zurück. "Angesichts der schwachen Binnennachfrage wäre Deutschland dann nicht mehr weit von der Rezession entfernt", befürchtet der Volkswirt.

In den ersten neun Monaten lagen die Exporte mit gut 480 Mrd. Euro knapp über dem Vorjahresniveau. Die Importe gingen um 5,6 % auf rund 385 Mrd. Euro zurück. "Das Minus von 1,3 % in den ersten neun Monaten bei den Exporten in die Euro-Zone spiegelt die schwache Konjunktur im Währungsgebiet wider", sagte Scheuerle.

Der Überschuss in der Leistungsbilanz weitete sich auf 7,0 Milliaden Euro im September aus nach 4,2 Mrd. Euro im August und einem Plus von 0,5 Mrd. Euro im September 2001.

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