Ausgabe neuer Aktien geplant
Milliardenverlust bei der Allianz

Die Allianz will ihre durch die Börsenkrise stark angegriffene Finanzbasis nun doch mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung stärken. Wegen Milliardenverlusten bei der Tochter Dresdner Bank und Abschreibungen auf Wertpapierbestände wies der Allfinanzkonzern am Donnerstag in München für 2002 erstmals einen Jahresverlust aus. Dieser war mit 1,167 Milliarden Euro aber etwas geringer als von Analysten erwartet.

Reuters MÜNCHEN. 2003 sollen sich die operativen Ergebnisse wieder deutlich verbessern. Falls sich die Finanzmärkte nicht erholten und die Konjunktur nicht anziehe, seien aber auch 2003 hohe Wertpapierabschreibungen und Risikovorsorge nötig. Analysten beurteilten die angekündigten Kapitalschritte positiv, da die Allianz damit nun schädliche Spekulationen aus dem Markt genommen habe. Die Aktie verlor am Morgen deutlich. Erholte sich bis zum Mittag aber wieder leicht auf 61 Euro, was immer noch einem Minus von sechs Prozent entsprach.

Kapitalerhöhung um bis zu vier Milliarden Euro

Allein durch die Ausgabe neuer Aktien will die Allianz bis zu vier Milliarden Euro erlösen. Über einen solchen Schritt war seit Monaten am Markt spekuliert worden. Die Allianz hatte noch im Februar erklärt, eine Kapitalerhöhung stehe nicht auf der Tagesordnung. Die Emission zu einem Bezugspreis von mindestens 30 Euro solle unter Berücksichtigung der weltpolitischen Lage "relativ schnell" erfolgen, teilte die Allianz mit.

"Unser Ziel ist, mit der gestärkten Kapitalbasis weiter profitabel und aus eigener Kraft wachsen", sagte der Ende April an die Spitze des Aufsichtsrates wechselnde Konzernchef Henning Schulte-Noelle. Noch in diesem Jahr solle zudem eine nachrangige Anleihe in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro begeben werden. Im Zuge der Kapitalschritte soll die Überkreuzbeteiligung mit dem Großaktionär Münchener Rück auf jeweils rund 15 Prozent sinken.

Rückstufung durch S&P

Zumindest bei der Rating-Agentur Standard&Poor's (S&P) konnte die Allianz mit ihren angekündigten Kapitalmaßnahmen eine Rückstufung nicht verhindern. S&P senkte das langfristige Rating auf AA- von AA und behielt dabei ihren negativen Ausblick bei. Zur Begründung verwies die Agentur auf das "enttäuschende Ergebnis und die geschwächte Kapitalbasis." Moody's hingegen bestätigte das Aa2-Langfristrating mit negativem Ausblick. Rückstufungen durch Rating-Agenturen erhöhen die Refinanzierungskosten für die Unternehmen.

Die Allianz wird sich unter Diekmanns Führung - und mit dem Retailfachmann Herbert Walter an der Spitze der Dresdner Bank - noch stärker auf den Vertrieb konzentrieren. Insbesondere für die Investmentbank werde die Allianz sich alle Optionen offen halten und sie für Partnerschaften und Kooperationen interessant machen. "Es gibt keine Tabus, aber Prioritäten." Dabei betonte Diekmann aber, mit Walters Berufung sei noch keine Entscheidung zum Investmentbanking gefallen.

Mit dem Privat- und Firmenkundengeschäft habe die Dresdner Bank allerdings vor allem in Deutschland eine einzigartige Stellung. "Die Strategie, die wir mit dem Kauf der Dresdner Bank verfolgen, stimmt", verteidigte Diekmann die Übernahme der Dresdner Bank Mitte 2001 für knapp 24 Milliarden Euro. Walter, der ehemalige Privatkundenchef der Deutschen Bank, hat bereits die Nachfolge des erst am Mittwoch zurück getretenen Bernd Fahrholz angetreten. Im Bankgeschäft, das fast nur die Dresdner beinhaltet, fiel 2002 ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro an.

Unveränderte Dividende geplant

Trotz der Verluste will die Allianz die Dividende bei 1,50 Euro je Aktie stabil halten. Im operativen Geschäft entstand vor Steuern und Firmenwert-Abschreibungen nur ein knapper Verlust von 52 Millionen Euro, verglichen mit einem Vorjahresgewinn von über 2,6 Milliarden Euro. Im Stammgeschäft Versicherungen gab es Verbesserungen. Die Beitragseinnahmen legten um knapp zehn Prozent auf 82,6 Milliarden Euro zu. Die Schaden-Kostenquote, also das Verhältnis von Schadenzahlungen und Verwaltungskosten zu eingenommenen Prämien, sank trotz der Belastungen durch die Flut im August in Ostdeutschland und Asbestklagen in den USA um 3,1 Prozentpunkte auf 105,7 Prozent.

Die Allianz teilte mit, im laufenden Geschäftsjahr gehe der Vorstand von deutlichen operativen Ergebnisverbesserungen aus. Falls aber die Finanzmärkte unsicher blieben und die Konjunktur nicht anziehe, seien erneut hohe Wertpapierabschreibungen und Risikovorsorge nötig. An der Börse wurde die anstehende Kapitalerhöhung negativ aufgenommen, während Analysten den Schritt lobten. "Die Zahlen sehen insgesamt etwas besser aus als erwartet", sagte Marc Thiele von der Commerzbank in London. "Die angekündigte Kapitalerhöhung ist - auch in der Höhe - im Rahmen der Erwartungen. Es ist gut, dass die Allianz jetzt relativ schnell reines Haus macht, was die Kapitalbasis angeht."

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