Ausgabe von Euro-Schuldverschreibungen
Telekom plant Milliarden-Anleihe zur Umschuldung

Die Deutsche Telekom will zur Umschuldung bestehender Verbindlichkeiten eine neue Anleihe in Milliardenhöhe ausgeben.

Reuters FRANKFURT. Die Telekom bestätigte am Donnerstag die geplante Ausgabe von Euro-Schuldverschreibungen, durch die fällige Verbindlichkeiten beglichen werden sollen. Angaben über das Datum und die Höhe der Emission machte der Konzern aber nicht. In mit dem Vorhaben vertrauten Kreisen hieß es, die Emission umfasse ein Volumen zwischen fünf und zehn Milliarden Euro und werde "in naher Zukunft", jedoch entgegen erster Aussagen nicht mehr am Donnerstag platziert. Auf die Beurteilung der Bonität der Telekom wird die Emission nach Angaben der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) keinen Einfluss haben, da es sich um eine Umschuldung handele.

"Ich kann bestätigen, dass wir die Ausgabe von Euro-Bonds planen", sagte ein Telekom-Sprecher in Bonn. Details wie Laufzeit und Ausstattung des Papiers nannte er zunächst nicht. Der Sprecher betonte mit Blick auf die laufende Überprüfung der Kreditbewertung des Konzerns, es werde durch die Emission zu keiner Erhöhung des Schuldenstandes kommen. Die Ratingagentur S&P, die die Telekom derzeit auf der Beobachtungsliste für eine mögliche Rückstufung der Bonität hat, teilte mit, man wolle die derzeitige Arbeit am Rating möglichst noch vor der Emission abschließen. Als Emissionsbanken für die Anleihe gewann die Telekom nach eigenen Angaben die Deutsche Bank, BNP Paribas und JP Morgan Chase.

Entgegen ersten Spekulationen am Finanzmarkt wird die Telekom nach Angaben aus den Kreisen keine Wandelanleihe begeben, was am Markt zu einer deutlichen Erholung der im frühen Handel am Donnerstag unter Druck geratenen Aktien der Telekom führte. "Das wird ein Straight-Bond und keinesfalls eine Wandelanleihe", erfuhr Reuters aus den Kreisen. Die Begebung eines "Straight Bond" ohne Sonderausstattung wurde im Gegensatz zu einer Wandelanleihe am Aktienmarkt positiv gewertet, da dann mit keinen kursmindernden Hedge-Geschäften zu rechnen ist. Eine Wandelanleihe hätte dagegen nach Angaben von Händlern im Endeffekt die Wirkung einer Kapitalerhöhung gehabt. Die Telekom hatte auf der Hauptversammlung in der vergangenen Woche erstmals eine Genehmigung der Anteilseigner zur Begebung einer Wandel- beziehungsweise Optionsschuldverschreibung mit einem Volumen von bis zu drei Milliarden Euro erhalten.

Ursprünglich hatten die Kreise die Begebung der Anleihe für Donnerstag erwartet. Am Nachmittag hieß es in den Kreisen, man gehe davon aus, dass die Emission in Erwartung eines günstigeren Marktumfeldes verschoben wurde. In anderen mit der Emission vertrauten Kreisen hieß es, ein Grund für die Verschiebung könne sein, dass die Telekom die Rating-Überprüfung abgeschlossen sehen wolle. Ohne eine Roadshow für potenzielle Investoren werde man die Anleihe nicht platzieren können.

Die geplante Euro-Emission der Telekom wird am Markt bereits seit einiger Zeit erwartet, da das Unternehmen im Juni und Juli mit Fremdkapital Kupon-Zahlungen auf ausstehende Anleihen leisten muss. Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin sagte, es handele sich voraussichtlich um eine "normale Refinanzierung" des Unternehmens. Die Telekom müsse in diesem Jahr Verbindlichkeiten über alle Laufzeiten in einem Volumen von 20 Milliarden Euro ablösen. Möglicherweise stelle die Telekom übernommene Schulden der US-Mobilfunkunternehmen Powertel und VoiceStream um, die einen um rund die Hälfte höheren Zinssatz als die Schulden des Bonner Konzerns trügen. Zudem sei bei der Übernahme eine Barzahlung von 4,94 Milliarden Euro angefallen.

Eine weitere Möglichkeit sei, dass die Emission in Zusammenhang mit dem anstehenden Verkauf der restlichen TV-Kabelnetzgesellschaften und einer eventuell verschobenen Überweisung eines Teils des erwarteten Kaufpreises von rund zehn Milliarden DM stehe, sagte Hallmann weiter. Einem Medienbericht zufolge ist die Telekom bereit, beim geplanten Verkauf der Mehrheit an weiteren sechs TV-Kabelnetzgesellschaften an das Konsortium Liberty Media/Klesch deutliche Preiszugeständnisse zu machen. Die Telekom akzeptiere eine Stundung von zehn bis 15 Prozent des Kaufpreises, um den Verkauf der Kabelsparte zu beschleunigen, berichtete die "Financial Times". Eine Stellungnahme der Telekom dazu war zunächst nicht zu erhalten.

Telekom-Analyst Christian Lenke von der BHF-Bank schätzte in einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse die Cash-Position der Telekom als zufrieden stellend ein. Die Telekom sei "nicht gezwungen, das Tafelsilber zu einem Spottpreis zu verkaufen". Die Telekom will in diesem Jahr ihre Schulden um elf bis 14 Milliarden Euro senken. Die Netto-Verbindlichkeiten beliefen sich zum Ende des ersten Quartals auf 56,837 Milliarden Euro, rund 20 Milliarden Euro als im Vorjahr.

An der Börse legte der Kurs der Telekom-Aktien bis zum Abend um 0,8 Prozent auf 23,48 Euro zu. Das Börsenbarometer Dax notierte zum gleichen Zeitpunkt um 0,25 Prozent unter dem Vortagesschluss. Im frühen Handel hatte die Telekom-Aktie mit 23,05 Euro ein neues Jahrestief markiert.

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