Ausgaben können über mehrere Jahre verteilt werden
Ausrüster fürchten UMTS-Kooperation nicht

Beim Aufbau der UMTS-Netze erwägen mehrere Mobilfunkbetreiber weit reichende Kooperationen. Dadurch wäre es ihnen möglich, Anlaufkosten enorm zu senken. Zwar bekommen die Netz-Ausrüster zunächst weniger Aufträge, doch sehen sie dieses gelassen: Mit steigender Zahl der Nutzer werden die Aufträge steigen.

DÜSSELDORF. Von den angestrebten Kooperationen beim Aufbau der UMTS-Netze erhoffen sich die Lizenznehmer kräftige Einsparungen durch geringere Investitionen in Infrastruktur. Die Lieferanten der Netze fürchten dagegen keine Auftragseinbrüche, sondern sehen vor allem, dass die Aufträge zeitlich gestreckt werden.

Die Kosten für den Aufbau der neuen UMTS-Mobilfunknetze lassen sich nach Ansicht von Arno Wilfert, Telekom-Experte bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little, deutlich senken: "In der ersten Ausbauphase ist eine Ersparnis von einem Drittel möglich." Das setze voraus, dass die Unternehmen ihre Technik teilweise gemeinsam nutzen und eigene Infrastruktur nur aufbauen, um die Mindestforderung der Regulierungsbehörde zu erfüllen: Bis zum Jahr 2003 muss jeder Netzbetreiber in Deutschland 25 % der Bevölkerung abdecken. Bis Ende 2005 müssen es 50 % sein.

Allein mit der gemeinsamen Nutzung von Antennenstandorten könne man bereits rund 15 % der Infrastruktur-Investitionen sparen, sagt Wilfert. Das wären, da der Aufbau eines einzigen UMTS-Netzes schätzungsweise 5 Mrd. euro kostet, immerhin 750 Mio. Euro. Wilfert erwartet, dass die kooperierenden Unternehmen weitere eigene Funkstationen aufbauen, wenn die Kapazitäten der gemeinsam genutzten Technik nicht mehr ausreichen. Dann würden neue Investitionen fällig, die aber mit denm Ersparnissen finanziert werden könnten.

In Gesprächen mit der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post versuchen die UMTS-Lizenznehmer auszuloten, wie sie zusammenarbeiten können, ohne die Lizenzauflagen zu verletzten. Die Netzwerkausrüster sehen möglichen Kooperationen gelassen entgegen: Für die Ausrüster werde nur der Zeitablauf der Aufträge gestreckt, sagte eine Sprecherin von Nokia. Es würden zu Anfang weniger Basisstationen benötigt, danach brauche jeder Anbieter eigene Kapazitäten und werde ein eigenes Netz aufbauen müssen. Kooperationen machten den neuen Anbietern den Start einfacher, da sie die Kosten senkten.

Auch Siemens erwartet keine Auftragseinbrüche - eher das Gegenteil. Wenn die kleineren UMTS-Anbieter sich in die Netze der großen einmieten, brauchen diese mehr Kapazitäten und dadurch mehr Funkstationen, sagte ein Siemens-Sprecher. Das Unternehmen baut UMTS-Netze für die beiden Marktführer T-Mobil und D2 Vodafone. Siemens erwartet, dass alle Lizenznehmer in der ersten Ausbauphase eigene Netze in Großstädten aufbauen und später erst Kooperationen eingehen.

Auch nach Ansicht von Analysten hat die Kooperation der Betreiber bei den Netzwerkausrüstern nur geringe negative Konsequenzen. Adrian Hopkinson, Analyst bei der WestLB Panmure, erwartet, dass das Auftragsvolumen bei den Netzausrüstern um etwa 5 % sinken könnte. Der Preisverfall bei den Basisstationen, den Hopkinson auf 6 bis 8 % im Jahr schätzt, könnte dadurch aber verstärkt werden. Die WestLB erwartet, dass alle sechs Gewinner einer UMTS-Lizenz in Deutschland in den Zentren eigene Netze aufbauen werden, da dort ein hoher Umsatz zu erzielen sei. Danach werde es aber zu Kooperationen kommen, wenn die Fläche erschlossen werde.

Auch André Jäkel, Technologie-Analyst bei der BHF-Bank, erwartet Kooperationen der Netzbetreiber, um Kosten zu sparen. Die gemeinsame Nutzung von Standorten für Basisstationen und Antennen könne den Betreibern 10 bis 20 % der Grundstückskosten einsparen. Negative Konsequenzen für die Ausrüstet erwartet er nicht. "Die Aufträge werden nicht gestrichen", betont Jäkel, "sondern zu einem späteren Zeitpunkt ausgeglichen."

Nach Ansicht des Marktforschungsinstitutes Gartner erwartet die Netzausrüster dennoch allgemein ein schweres Jahr. Gartner erwartet eine schwächere Nachfrage nach Dienstleistungen und niedrigere und verzögerte Investitionen in Netzwerke und Anwendungen: "2001 wird ein turbulentes Jahr in der Telekommunikations-Industrie".

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