Ausgabenlawine“ bei den Arzneimitteln
Betriebskrankenkassen: Beiträge steigen

Der durchschnittliche Beitragssatz aller gesetzlichen Krankenkassen steigt nach einer Hochrechnung der Betriebskrankenkassen zum Jahresanfang 2002 von derzeit 13,6 auf knapp 14 Prozent.

dpa BERLIN. Der durchschnittliche Beitragssatz der 298 Betriebskrankenkassen werde von 12,7 auf rund 13 Prozent steigen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK), Wolfgang Schmeinck, am Dienstag in Berlin. Er ging davon aus, dass die Betriebskrankenkassen diesen Abstand zu den anderen gesetzlichen Kassen in den nächsten Jahren noch halten können.

Als Gründe für den Beitragssatzanstieg nannte Schmeinck unter anderem eine "Ausgabenlawine" bei den Arzneimitteln und die schwache Wirtschaftskonjunktur. Auch habe die Politik zu sehr auf Versprechen der Ärzte vertraut, den Ausgabenanstieg 2001 abzubremsen.

Die Arzneiausgaben aller Kassen werden 2001 voraussichtlich 41,3 Milliarden Mark erreichen. Sie liegen damit um neun Prozent höher als im Vorjahr. Diese Ausgabenlawine sei vor allem dadurch ausgelöst worden, dass Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) Ende Januar die Aufhebung aller Arzneimittelbudgets angekündigt hatte. Der Ausgabenschub sei weder durch die mit den Ärzten getroffenen Zielvereinbarungen für wirtschaftliche Verordnung noch mit dem Arzneimittel-Sparpaket, das der Bundestag am 19. Oktober erstmals beraten hat, aufzufangen.

Die vom Ministerium erwarteten Einsparungen von zwei bis drei Milliarden Mark seien zu hoch angesetzt. Nach Berechnungen der BKK würden die Einsparungen sehr viel geringer sein und sich erst ab 2002 auswirken. Schmeinck plädierte erneut dafür, den Versandhandel für Medikamente zuzulassen. In den USA würden 15 Prozent aller Arzneien über den Versandhandel vertrieben. Dabei würden Preisnachlässe von bis zu 30 Prozent gewährt.

Skeptisch beurteilte Schmeinck die Einsparmöglichkeiten durch einen "umfassenden Gesundheitspass". Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am Dienstag über entsprechende Pläne des Gesundheitsministeriums berichtet. Danach will Schmidt den geplanten Arzneimittelpass erheblich ausweiten. Die bisherige Krankenversicherungskarte (Chipkarte) der Versicherten solle um Angaben über chronische Krankheiten, Allergien, Operationen und Röntgen-Untersuchungen erweitert werden. Die Beamten des Ministeriums erwarteten Einsparungen von bis zu zwei Milliarden Mark. Es müssten weniger Patienten wegen unerwünschter Arzneinebenwirkungen behandelt werden. Die Abrechnungen würden einfacher. Einsparungen seien kaum zu beziffern, meinte Schmeinck. Auch könne die Einführung einer solchen Karte zu Mindereinnahmen bei den Kassen führen.

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