Ausgangspunkt ist der Anwender, nicht die Technologie
Ist der Erfolg von I-mode in Europa wiederholbar?

Seit seiner Einführung Anfang 1999 hat der mobile Internet-Dienst i-mode des japanischen Telco NTT Docomo rund 20 Millionen Kunden gewonnen. Damit ist I-mode die Vorzeigeerfolgsstory für das M-Business.

NTT Docomo hat seine Gewinne dazu genutzt, durch Beteiligungen seine globale Expansion voranzutreiben. In Europa passiert das in Form einer Beteiligung an der niederländischen KPN, seinerseits Mutter der deutschen E E-Plus-Plus. hat bereits vor Monaten die Einführung von I-mode in Deutschland für Anfang 2002 angekündigt. Aber ist die japanische Erfolgsstory in Europa wiederholbar? Um das zu beantworten, müssen zunächst die Gründe für den japanischen Erfolg verstanden werden.

Die Ausgangssituation in Japan war eine relativ geringe Dichte von privaten Internetzugängen, begründet durch ziemlich hohe Kosten für den Nutzer. Gleichzeitig war aber die Durchdringung mit Mobiltelefonen sehr groß inklusive optimale Netzabdeckung.

Mari Matsunaga, die I-mode "Erfinderin", sah ihre Aufgabe nicht durch die Technologiebrille, sondern verstand es, in vorbildlicher Weise um die Applikation E-Mail einen Dienst zu definieren, der voll auf die Bedürfnisse des Benutzers abzielt. Hierzu gehörte u.a. ein paketbasiertes Übertragungsverfahren, das keine Abrechnung per Minute mehr erfordert, sondern nach Volumen der übertragenen Daten. Es wurde sehr viel Wert auf das Äußere (neudeutsch: User Experience) gelegt, indem von vornherein Farbe und Grafik unterstützt wurden.

I-mode war für Dienstanbieter und Händler besonders attraktiv, weil Abrechnungsmechanismen direkt mit eingebaut wurden. Außerdem war die Entwicklung eines I-mode-Dienstes recht einfach und mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden.

Zusammenfassen lässt sich das alles auf zwei einfache Punkte: Mit der Killerapplikation E-Mail, die noch nicht in der Breite verfügbar war, konnte I-mode seine Kunden gewinnen. Und mit einem schlüssigen, runden, vollständigen Gesamtkonzept konnte I-mode somit den Anforderungen von Konsumenten und Anbietern gerecht werden. Technologisch war I-mode seiner Zeit voraus, da es bereits vor zwei Jahren eine paketbasierte Übertragungstechnologie einsetzte, die hier erst jetzt in "getuneter" Form mit GPRS eingeführt wird.

Wiederholbar ist der Erfolg von I-mode sicherlich nicht. Dennoch können wir einiges von NTT Docomo und Mari Matsunaga lernen, nämlich dass erfolgreiche mobile Anwendungen zwar der Technologie bedürfen, diese aber immer als Mittel zum Zweck verstanden werden muss. Mari Matsunaga ging vom Anwender und seinen Bedürfnissen aus, nicht von verfügbaren Technologien. Machen wir es ihr nach....

Schreiben Sie dem Autor: hbothmer@b2motion.de

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