Ausgangssperre für 24 Stunden - Kandidatinnen geschockt
Misswahlen in Nigeria: 100 Tote bei Unruhen

Bei Unruhen wegen der geplanten Miss-World-Wahl in Nigeria sind mindestens 100 Menschen ums Leben gekommen. Nach Behördenangaben vom Freitag wurde das Ausmaß der Ausschreitungen in der nordnigerianischen Stadt Kaduna in den vorangegangenen zwei Tagen erst klar, als Rettungskräfte nach Verhängung einer Ausgangsperre in der Stadt am Morgen nach Opfern suchen konnten.

HB/dpa KADUNA/ABUJA. Die Miss-World- Wahl in der 170 Kilometer entfernten Hauptstadt Abuja soll nach Angaben der Veranstalter trotz der Unruhen im Land stattfinden, geplanter Termin ist der 7. Dezember.

Das Rote Kreuz berichtete am Freitag, Helfer hätten Dutzende von Leichen in den Straßen gefunden. Die Krankenhäuser seien überfüllt mit Hunderten von Verletzten. Nach dem Freitagsgebet gab es auch in Abuja schwere Unruhen. Hunderte junger Moslems hätten bewaffnet mit Messern und anderen Gegenständen Christen angegriffen, berichtete die BBC.

Die Miss-World-Teilnehmerinnen seien aber in Sicherheit, betonte Staatspräsident Olusegun Obasanjo am Freitag. Sie sind in einem Hotel in Abuja untergebracht.

Aus Deutschland ist keine Kandidatin zu dem Schönheitswettbewerb nach Nigeria gereist, das als Heimat der amtierenden Miss World Ausrichter der Wahl ist. Der Geschäftsführer der Miss (Oldenburg), Ralf Klemmer, bezeichnete die Unruhen als "grauenhaft". "Im Nachhinein freue ich mich, dass Simone (die deutsche Kandidatin) krank geworden ist", sagte er am Freitag der dpa. Die Vize-Miss, Simone Wolf-Reinfurt aus Darmstadt, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Vor der Veranstaltung habe er Informationen über die Sicherheit in dem afrikanischen Land eingeholt, sagte Klemmer: "Damals hieß es, dass keine besonderen Gefahren zu erwarten sind, aber für die 100- prozentige Sicherheit könne niemand garantieren." "Ich bin gespannt, wie die Veranstalter jetzt reagieren", sagte Klemmer. Die Kandidatin der Niederlande, Elise Boulogne, war zum Zeitpunkt der Unruhen in Nigeria - sie zeigte sich "geschockt". Sie sei aber in Sicherheit und habe nicht die Absicht abzureisen.

Aus Protest gegen das Steinigungsurteil gegen die Nigerianerin Amina Lawal hatten einige Länder abgesagt, 90 Kandidatinnen nehmen teil. "Ich könnte unsere Teilnahme mit meinem Gewissen nicht vereinbaren", sagte der Chef der Miss Austria Corporation, Emil Bauer. "Nach den vielen Toten bin ich heilfroh, dass wir jetzt nicht dort sind", erklärte er. "Bei solchen Gewalttätigkeiten hört jedes Geschäft auf." Der Sprecher der Miss-World-Wahlen in Nigeria, Guy Murray-Bruce, zeigte sich betroffen von den tödlichen Unruhen in Kaduna. "Das sind Extremisten und es ist ein Einzelfall", betonte er aber gegenüber der BBC.

Mehrere tausend Moslems hatten am Donnerstag nach Angaben von Polizei und Augenzeugen in der Stadt Kirchen angegriffen, Barrikaden aufgebaut und Reifen angezündet. Die Ausschreitungen begannen, nachdem aufgebrachte moslemische Demonstranten am Mittwoch das örtliche Büro der Zeitung "This Day" aus Protest gegen einen angeblich gotteslästerlichen Kommentar in Brand gesteckt hatten.

Der Zeitungskolumnist hatte geschrieben, wenn der Prophet Mohammed heute leben würde, hätte er eine der Bewerberinnen geheiratet. In den Moscheen war daraufhin zu Angriffen auf die Büros der Zeitung aufgerufen worden. Das Blatt hat sich inzwischen bei den Moslems für den Kommentar entschuldigt.

In Abuja, wo rund vier Millionen Menschen leben, wurden bei den Ausschreitungen Autos und Busse in Brand gesteckt. Kaduna war bereits vor zwei Jahren Schauplatz religiöser Unruhen zwischen Christen und Moslems wegen der Einführung des islamischen Scharia- Rechts. Dabei kamen mehr als 2 000 Menschen ums Leben. Seither leben Moslems und Christen in getrennten Stadtteilen. Der Norden des afrikanischen Landes ist vorwiegend von Moslems bewohnt.

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