Ausgehverbot verhängt
Israelische Panzer rollen in Dschenin ein

Israel hält am militärischen Dauerdruck auf die Palästinenser fest: Am Freitag sind erneut etwa 20 Panzer in Dschenin im Westjordanland eingerollt.

Wiwo/ap JERUSALEM. Über die Stadt und mehrere Dörfer in der Umgebung wurde ein Ausgehverbot verhängt. Noch vor Tagesanbruch bewegten sich israelische Panzer außerdem auf Bethlehem zu, drangen jedoch nicht in die Stadt ein. Nach palästinensischen Berichten stießen die Truppen auch vorübergehend nach Tulkarem vor und nahmen eine Studentin fest.

Militäroffensive als Routineaktion

Die israelische Armee nannte die Militäroffensive in Dschenin eine Routineaktion. Aus der Stadt kam der Selbstmordattentäter, der am Mittwoch einen Bus in die Luft gesprengt und 17 Israelis in den Tod gerissen hatte. Zu der blutigsten Tat seit Wochen bekannte sich die radikalislamische Organisation Islamischer Dschihad.

Trotz des neuen Aufrufs des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat zu einem Ende der Gewalt bekräftigte die Hamas-Bewegung am Freitag ihre Entschlossenheit zu Anschlägen gegen Israelis. "Für sie wird es keine Sicherheit geben, so lange wir keine haben", erklärte der spirituelle Führer Scheich Ahmed Jassin in der libanesischen Zeitung "An-Nahar".

US-Reise überschattet

Die anhaltende Gewalt überschattet auch die bevorstehende US-Reise des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, der am Montag in Washington mit dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush zusammentreffen soll. Dabei wird es möglicherweise auch um die israelische Siedlungspolitik in den Autonomiegebieten gehen.

Die Aufgabe der Siedlungen könnte ein wesentlicher Bestandteil neuer US-Friedensvorschläge sein, erklärte der israelische Außenminister Schimon Peres. Die Palästinenser sollten im Gegenzug auf ein Rückkehrrecht für Flüchtlinge verzichten. Es handele sich jedoch derzeit nicht um einen offiziellen Plan der US-Regierung, sagte Peres am Freitag im israelischen Rundfunk.

Das US-Außenministerium nahm dazu keine Stellung. Ministeriumssprecher Richard Boucher erklärte, Washington nehme zunächst die Positionen beider Seiten zur Kenntnis. Aus Regierungskreisen verlautete, es werde keinen US-Friedensplan geben, sondern lediglich Vorschläge. Bereits am Freitag sollte der ägyptische Präsident Husni Mubarak in Washington mit Bush zusammenkommen. Dem Vernehmen nach wollte er auf einen Zeitplan zum Rückzug Israels aus den Autonomiegebieten und zur Gründung eines palästinensischen Staates dringen.

Saudi-arabische Initiative stößt auf Ablehnung

Die im März vorgestellte saudiarabische Initiative zur Beilegung des Nahost-Konflikts stößt Umfragen zufolge in der israelischen und palästinensischen Bevölkerung auf Ablehnung. Der Friedensplan sieht den Abzug Israels aus allen besetzten Gebieten und die Anerkennung Israels durch die arabischen Staaten vor, lässt die Frage eines Rückkehrrechts für palästinensische Flüchtlinge aber weitgehend offen. Nach zwei am Freitag in der "Jerusalem Post" veröffentlichten Umfragen befürworten nur 22 Prozent der Israelis und 24 Prozent der Palästinenser die Initiative. In Israel lehnten 73 Prozent der vom Smith-Institut Befragten den Plan direkt ab, bei den Palästinensern waren es 62 Prozent. Dort war das Palästinensische Zentrum für Öffentliche Meinung mit der Umfrage beauftragt.

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