Ausgestaltung der Auswahlindizes sorgt für Diskussionen
Banker fordern kleineren Tech-Index

Das Grundgerüst für die Neusegmentierung an der Deutschen Börse steht. Bei den Banken und Fondsgesellschaften gehen jedoch die Ansichten über die noch zu beschließende Ausgestaltung weit auseinander.

FRANKFURT/M. D Vor allem die Größe und Zuordnung der hinter dem Deutschen Aktienindex (Dax) angesiedelten Auswahlindizes für klassische (bisher MDax) und Technologiewerte (bisher Nemax 50) sorgt für Diskussionen. Besonders die Tatsache, dass es am deutschen Aktienmarkt wesentlich mehr klassische Werte als Technologiewerte gibt, die um die 50 Plätze im Index buhlen, sorgt für reichlich Diskussionsstoff.

Der Technologieindex sollte deshalb nur aus 30 Werten bestehen, fordert beispielsweise West LB Panmure. Der Grund dafür ist einleuchtend: Über 300 Gesellschaften mit einer Free-Float-Marktkapitalisierung von etwa 41 Mrd. Euro zählen sie derzeit zum klassischen Segment, 120 Gesellschaften mit einer Marktkapitalisierung von 8,5 Mrd. Euro an frei handelbaren Aktien zum Technologiebereich. "Hier besteht eine gewisse Asymmetrie", so Gerhard Schwarz von Hypo-Vereinsbank. Deutlich wird das auch anhand der Marktkapitalisierung des größten und kleinsten Technologiewertes. Die liegt in einem vorläufigen Szenario beim größten Wert T-Online bei knapp 1 Mrd. Euro, bei der Nummer 50 Lambda Physik jedoch nur noch bei knapp 30 Mill. Euro. Die Nummer 30 EM.TV schafft immerhin noch knapp 60 Mill. Euro.

"Unser typisch deutsches Problem ist, dass es hier zu Lande einige Riesenunternehmen und daneben sehr viel Kleinzeug gibt" so Rolf Drees von Union Investment. Diese Konstellation gebe es so in den USA, Japan oder Großbritannien nicht. "Die Frage nach 30 oder 50 Werten im Technologieindex hängt einzig von der Interessenlage ab", so Gerhard Schwarz. Wer einen Fonds passiv managt, also genau die Benchmark abbildet, wird einen kleinen Index bevorzugen. Aktive Fondsmanager hingegen setzen auf eine breite Auswahl.

Fragen wirft aber auch die Zuordnung auf. Wer künftig als klassisches oder als technologieorientiertes Unternehmen gilt, das lässt sich in vielen Fällen auf den ersten Blick nicht genau zuordnen. Ist beispielsweise die Logistik-Branche heute noch mit Thiel Logistik und D.Logistics im Nemax 50 vertreten, so sollte sie nach Ansicht von West LB Panmure künftig dem Klassik-Bereich zugeordnet sein. "Hier handelt es sich um ganz klassisches Geschäft", sagt Hendrik Garz. Gleiches gelte für Finanzdienstleister wie Comdirect und Direktanlagebank. Bei Bio- und Medtech müsste hingegen differenziert werden. Die bereits jetzt am Neuen Markt gelisteten Aktien wie Qiagen, BB Medtech oder Eurofins müssten auch weiterhin dem Technologiebereich zugerechnet werden, während traditionelle Pharmaziewerte wie Merck oder Gehe als "Klassiker" gelten. Gesplittet werden müsse auch bei Telekom -, Industrie- und Medienwerten, so Garz.

Weniger konkret sind hingegen die Ansichten der Banker, wenn es um den nächsten Schritt nach dieser Einteilung geht, den Aufbau von Branchenindizes. Die am Neuen Markt gelisteten Unternehmen werden derzeit in zehn verschiedene Branchen eingeteilt. "Eine gewisse Struktur muss erkennbar sein. ", fordert Hendrik Garz. Ob es wie bisher zehn Branchenindizes sein müssen, sei schwer zu sagen. Dafür kommt von vielen Bankern und Fondsmanager die konkrete Forderung nach einem Auswahlindex im Domestic Standard. "Bisher wird der Domestic Standard eher als besseres Auffangbecken für den Prime Standard charakterisiert", kritisiert Karl Fickel von der Fondsgesellschaft Lupus Alpha. Er hält einen "kunstvoll konstruierten Auswahlindex" im Domestic Standard deshalb für wünschenswert. Schließlich gehören auch Werte wie Porsche oder WMF künftig dem Domestic Standard an.

Fortsetzen wird sich durch die Verkleinerung der Auswahlindizes auch der Trend zu weniger Researchmaterial. "Die Abdeckung nimmt weiter ab", ist sich Karl Fickel sicher. Diese Entwicklung ist allerdings schon in den vergangenen beiden Jahren seit dem Niedergang der Aktienkurse spürbar, da die Banken vor allem im Sell-Side-Research Personal abbauen. Besonders die kleinen Unternehmen vom Neuen Markt und aus dem Smax wurden in letzter Zeit kaum noch von Analysten gecovert. Künftig kann deren Desinteresse auch etablierte klassische Unternehmen treffen, befürchtet Hypo-Vereinsbank-Stratege Schwarz. Deswegen kommt es seiner Meinung nach neben der Indexzugehörigkeit künftig noch stärker auf die Investmentstory einer Gesellschaft an.

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