Ausgliederung wieder ein Thema: BMG kommt nicht zur Ruhe

Ausgliederung wieder ein Thema
BMG kommt nicht zur Ruhe

Der Medienkonzern Bertelsmann stellt sein Sorgenkind BMG in Frage. Die Musiktochter, die nach vielen Problemjahren wieder Gewinne schreibt, soll fusioniert oder verkauft werden. Entschieden ist noch nichts. Auch eine Verschmelzung mit dem Konkurrenten EMI ist wieder eine der Lösungsvarianten.

DÜSSELDORF/HAMBURG/BRÜSSEL. Der Medienkonzern Bertelsmann stellt seine Musiktochter BMG (Santana, Whitney Houston) auf den Prüfstand. Seit mehr als einem Jahrzehnt gilt die Bertelsmann Music Group - fünftgrößte Musikgruppe der Welt - als Sorgenkind des Konzerns. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen stehen tief greifende Veränderungen an. Wie aus Aufsichtsratskreisen zu erfahren war, soll über einen Verkauf von BMG nach der Eingliederung des von Bertelsmann mit 2,7 Mrd. $ teuer eingekauften US-Labels Zomba Records nachgedacht werden.

Andere Unternehmensquellen sehen eine neue Chance für die bereits einmal gescheiterte Fusion mit der britischen Emi Group. An dem neuen Unternehmen hätte Bertelsmann nach Informationen des Handelsblatts nur noch einen Anteil von 25 %. Es werde seit zwei Monaten verhandelt. eien aber noch nicht gefallen. Die Emi Group in London erklärte am Mittwoch auf Anfrage nur: "Kein Kommentar".

Wettbewerbsexperten aus dem Umfeld der EU sagten auf Anfrage, man wisse, dass der Musikmarkt eine Krise durchmache. Die veränderten Marktbedingungen würden eventuell auch die wettbewerbsrechtliche Situation ändern. Vor rund einem Jahr verhinderten die EU-Kartellbehörden ein Zusammengehen von BMG und EMI. BMG ist die Dachgesellschaft von 200 Labels in 42 Ländern. Die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet BMG in den USA. Bertelsmann wollte keine Stellung zu den Informationen nehmen. "Wir kommentieren diese Spekulationen nicht", sagte ein Konzernsprecher. Auch ein Sprecher der BMG erklärte, man kommentiere keine Spekulationen.

Noch Ende vorigen Jahres hatte Vorstandschef Gunther Thielen die Fortführung des Musikgeschäfts versprochen. "Musik ist Stammgeschäft bei Bertelsmann", sagte er im Oktober. Doch der vor kurzem überraschend bekannt gewordene Plan, die CD-Produktion "Sonopress" an ein kanadisches Unternehmen zu veräußern, weckte neue Zweifel an der Zukunft des Musikgeschäfts bei Bertelsmann.

Ein Rückzug aus der BMG mit einem Jahresumsatz von 3,66 Mrd. Eurowäre derzeit sinnvoll. BMG soll im letzten Jahr nach einer tiefgreifenden Sanierung profitabel gearbeitet haben. Zudem könnte sich der Medienkonzern mit rund 20 Mrd. Euro Jahresumsatz auf die beiden Säulen Print (Drucksparte Arvato, Buchtocher Random House, Verlagstochter Gruner + Jahrl, Direct Group) sowie Fernsehen (RTL Group) konzentrieren.

Die strukturelle Neuausrichtung der BMG in den letzten Monaten diente daher nach Meinung von Musikmanagern auch dazu, eine Bestandsaufnahme für eine Fusion oder einen Verkauf zu erleichtern. In der neuen Managementstruktur hat als Chief Operation Officer jetzt der erfahrene Musikmanager Michael Smellie das Sagen.

Für den CEO Rolf Schmidt-Holtz wäre die Ausgliederung von BMG persönlich kein Problem. Der ehemalige Journalist dürfte wohl bald Europas größten Fernsehkonzern RTL Group in Luxemburg übernehmen. Der jetzige Vorstandschef Didier Bellens wechselt bereits im März zum belgischen Telekomriesen Belgacom. Nach einem Weggang von Rolf Schmidt-Holtz und dem Wechsel von Thomas Stein vom Europa- zum Deutschland-Chef, gäbe es keinen Deutschen mehr in der BMG-Spitze.

Der Bertelsmann-Konzern hat unterdessen bekräftigt, an seinem Musikgeschäft festhalten zu wollen. "Unser Commitment zum Musikgeschäft ist unverändert", sagte ein Sprecher des weltweitfünftgrößten Medienkonzerns am Donnerstag.

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