Aushängeschild der Streitkräfte
Megawatis Kritiker befürchten das Ende demokratischer Reformen

Kritikern gilt die neue indonesische Staatspräsidentin Megawati Sukarnoputri als politisches Leichtgewicht ohne Kampfgeist und Charisma. Zwar ist ihr Wahlprogramm kaum bekannt, doch allein die Tatsache, dass die Streitkräfte den Sturz von Abdurrahman Wahid unterstützt haben, lässt Beobachter aufhorchen. Schon werden Warnungen vor einem Ende der demokratischen Reformen laut.

ap JAKARTA. "Sie glaubt, dass es ihr Geburtsrecht ist, Präsidentin zu sein", sagt George Aditjondro, Professor an der Universität von Newcastle, mit Blick auf Megawatis Abstammung: Die 54-Jährige ist die Tochter des indonesischen Staatsgründers Sukarno, der vor 35 Jahren in einem Putsch gestürzt wurde. Megawati werde den Ruhm, der mit dem obersten Staatsamt verknüpft ist, genießen, glaubt Aditjondro. "Aber andere werden die Angelegenheiten für sie regeln", sagt er und denkt dabei an die Streitkräfte und die machtvolle Wirtschaftselite, die schon Exdiktator Suharto unterstützt hatten.

"Dies sind sehr schlechte Nachrichten für die demokratischen Reformen in Indonesien und den Gedanken einer bürgerlichen Vorherrschaft über das Militär", sagt John Roosa, Historiker an der Universität von Kalifornien in Berkeley. Megawatis Unterstützung durch die Streitkräfte könnte dazu führen, dass die Armee die herausragende Rolle wiedererlangt, die sie während Suhartos Diktatur inne hatte, warnen Kritiker.

Megawati trat als stellvertretende Präsidentin politisch kaum in Erscheinung

Dabei stand Megawati vor zwei Jahren an vorderster Front einer Reformbewegung. Ihre Herkunft und die Tatsache, dass Suharto 1996 ihre Absetzung als Vorsitzende der oppositionellen Demokratischen Partei (PDI) veranlasste, machten sie zur Heldin. Als Suhartos Truppen die Parteizentrale angriffen, wurde Megawati über Nacht zum Symbol des Widerstands für Mill. Regimegegner und zur selbstverständlichen Kandidatin für das Präsidentenamt. Doch zunächst sollte es anders kommen. Obwohl ihre Demokratische Partei des Kampfes (PDI-P) die Parlamentswahlen 1999 gewann, musste sie das Präsidentenamt Abdurrahman Wahid überlassen.

Zwar wurde Megawati stellvertretende Präsidentin, trat aber politisch kaum in Erscheinung. Sie gab selten Interviews, hielt nur wenige öffentliche Reden und verließ sich - damals wie heute - auf ihren Beraterkreis. "Sie ist jemand, den man als Politiker normalerweise für völlig unfähig halten würde", sagt Roosa.

Ölbaron und Suharto-Vertrauter als Berater

Zu Megawatis Beratern gehört Arifin Panigoro, ein Ölbaron und einstiger Suharto-Vertrauter. Großen Einfluss auf die neue Präsidentin hat auch ihr wohlhabender Ehemann Taufik Kiemas, wie allgemein angenommen wird. Er unterstützte unter anderem den Aufbau einer bewaffneten Parteimiliz unter Eurico Guterres, den die Vereinten Nationen für Kriegsverbrechen in Osttimor verantwortlich machen. Kiemas deutete in einem kürzlich veröffentlichten Interview außerdem an, dass Bemühungen, drei Kinder Suhartos wegen Unterschlagung strafrechtlich zu belangen, bald fallen gelassen würden.

Megawati werde zu einem Aushängeschild der Streitkräfte, glaubt Indonesien-Experte Aditjondro. "Ich sehe eine negative Zukunft vorher", sagt der amerikanische Wissenschaftler. "Wir werden wahrscheinlich den Wechsel kurzzeitig amtierender Präsidenten erleben, während das Militär sicherstellt, dass es keine ernsten Prozesse wegen Korruption oder Menschenrechtsverletzungen gibt."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%