Ausländer entdecken ungarischen Markt
Privatisierungspläne beflügeln die Börse

Die Budapester Wertpapierbörse (BÉT) bemühte sich am 24.09.2003 mit einer Roadshow in Frankfurt/Main, die Aufmerksamkeit deutscher Anleger zu wecken. Nach New York und London war es bereits die dritte Roadshow 2003. Dabei wäre es in diesem Jahr gar nicht nötig gewesen, für sie zu werben. Denn die ungarische Börse und ihre Blue chips erfreuen sich gegenwärtig großen Interesses.

BUDAPEST. Bereits im zweiten Quartal dieses Jahres zogen die Kursen an der BÉT an und im dritten Quartal entwickelte sich eine ausgesprochene Rally. Mit dem Ansteigen des Leitindex BUX um 14,75 Prozent belegte die Börse im internationalen Feld nach Warschau (17,99 Prozent) den zweiten Platz. Dazu hatten neben den Blue chips der Bank OTP, des Pharmakonzerns Richter und des Öl- und Gasmultis Mol auch die Aktien der Graphisoft NV beigetragen. Sie verbesserten ihren Kurs in den letzten drei Monaten um über 30 Prozent. Die Aktien des Telefonkonzerns Matáv legten dagegen nur um fünf Prozent zu, während die Mol - und die Richter-Titel um 25 bzw. 30 Prozent stiegen. Die OTP-Aktien kosteten zeitweise sogar über 3 000 Forint.

Die gute Entwicklung an der Börse führt Zsolt Horváth, Generaldirektor der BÉT, vor allem auf die sich bessernden Wirtschaftsberichte, die Unterbewertung ungarischer Aktien und die Konvergenz- Regeln in Zusammenhang mit dem EU-Beitritt zurück. "Während die Preisgestaltung bei den Staatstiteln mit der Bewertung der wirtschaftlichen Leistung des Landes und dem EU-Markt korrespondiert, verhält es sich auf dem Aktienmarkt anders. Dort ist bei der Kursentwicklung noch eine Unterbewertung von 30 bis 40 Prozent zu verzeichnen."

Die positiven Erwartungen habe die Nachfrage kräftig angeregt, was zu kräftigen Kurs- und Umsatzsteigerungen führte. Der BUX übersprang die Grenze von 9 000 Punkten und näherte sich wieder der 10 000-Punkte-Marke an. Auf diesem Niveau lag der Index zuletzt im März 2000.

"Die positiven Erwartungen", erklärte Horváth, haben viel frisches Kapital über die Börse ins Land gebracht. Gleichzeitig geht Kapital von Ungarn in andere Länder der Region. Dazu hat die Budapester Börse auch den Verbund mit der Deutschen Börse und ihrem Xetra-System geschaffen. Die Verbindung steht seit August. Seither fließen 30 bis 40 Prozent des Umsatzes in den Handel mit Xetra-Titeln."

Für die weitere Entwicklung seien Prognosen schwer. Horváth erwartet aber, wenn keine wesentlichen negativen Veränderung im Umfeld der ungarischen und der internationalen Wirtschaft eintreten, eine Beibehaltung des Trends.

Zum ersten mal seit drei Jahren wurden in diesem Sommer wieder Neuemissionen an der Budapester Börse aufgelegt. "Im August kam eine spezielle Aktie an die Börse, die Aktie der Forrás Rt., der Auffanggesellschaft für Entschädigungsscheine. Auch die Privatisierungspläne der Regierung dürften der Börse weiteren Auftrieb geben", erwartet Horváth. "Die Aktie der Boden, Kredit und Hypothekenbank (FHB) soll bis Ende des Jahres an der Börse eingeführt werden. Es ist noch mit dem Verkauf eines Anteils von 10 bis 15 Prozent an Mol, die der ungarische Staat hält, über die Börse zu rechnen. Noch in diesem oder im nächsten Jahr kann auch mit dem Verkauf der noch in staatlichem Besitz befindlichen Anteile an der Antenna Hungaria und Richter gerechnet werden."

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