Ausländerfeindliches Motiv bei Anschlag in S-Bahnhof nicht ausgeschlossen
Erste Hinweise auf Art der Düsseldorfer Bombe

Bei dem Sprengsatz, der am Donnerstagnachmittag an einer belebten S-Bahn-Haltestelle detonierte und zehn Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion zum Teil schwer verletzte, handelte es sich offensichtlich um eine Rohrbombe.

ap DÜSSELDORF. Drei Tage nach dem Düsseldorfer S-Bahn-Anschlag haben Spezialisten der Polizei zwar erste Hinweise auf die Art des explodierten Sprengsatzes gefunden, nicht aber eine Spur zu den Bombenlegern. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte am Sonntag, nach wie vor werde in alle Richtungen ermittelt und weiter sei denkbar, dass es sich um einen ausländerfeindlichen Gewaltakt handele. Konkrete Hinweise gebe es aber nicht, und auch erste Fragen an die Opfer hätten keinen neuen Aufschluss gebracht. Die Anklagebehörde verdoppelte die Belohnung auf 20 000 DM.

Bei dem Sprengsatz, der am Donnerstagnachmittag an einer belebten S-Bahn-Haltestelle detonierte und zehn Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion zum Teil schwer verletzte, handelte es sich offensichtlich um eine Rohrbombe. Die Spezialisten von Bundes- und Landeskriminalamt vermuteten nach der Untersuchung sichergestellter Teile vom Tatort, dass ein Metallkörper mit halsähnlichen Enden in die Luft geflogen war, wie ein Polizeisprecher mitteilte: "Es gibt Anzeichen von Gewindestücken und möglichen Metallstopfen als Verschluss."

Identifiziert wurden ferner Kunststoffteile einer Plastikflasche sowie Zeitungsreste. Laut Staatsanwaltschaft ist aber noch unbekannt, ob die Papierfetzen aus dem Sprengsatz stammen oder aus einem Papierkorb. Völlig unklar sei zudem die Art des Sprengstoffes sowie des Zündmechanismus oder des Zündmittels, sagte ein Polizeisprecher.



Schwerverletztes Ehepaar wichtigste Zeugen

Die Ermittler benannten das am schwersten verletzte Ehepaar aus der Ukraine als möglicherweise wichtigste Zeugen. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, die beiden seien dem Explosionsort am nächsten gewesen. Der 28-Jährige schwebte weiter in Lebensgefahr, auch seine 26-jährige Frau war bisher nicht vernehmungsfähig. Sie war schwanger und verlor bei dem Anschlag ihr Baby.

Insgesamt sieben Verletzte befanden sich am Sonntag nach Darstellung der Polizei noch in Krankenhäusern. Die Zahl der Opfer erhöhte sich auf zehn, nachdem sich eine am Fuß leicht verletzte Frau aus der Gruppe eines Deutschkurses am Freitagabend bei der Polizei meldete.

Die Düsseldorfer Bürgermeisterin Ursula Schiefer und Beigeordneter Franz-Josef Göbel sprachen den Opfern in Briefen Genesungswünsche aus und sicherten Hilfe zu. Der Anschlag sei "zutiefst verabscheuungswürdig".



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