Ausländische Airlines wollen den belgischen Markt erobern
Erbitterter Preiskampf am Flughafen Brüssel

Mit Billigpreisen will die belgische Sabena-Nachfolgerin DAT ausländische Airlines aus dem Land halten. Doch die Neuordnung im belgischen Luftverkehr scheint unausweichlich: Denn Lufthansa, British Airways und Co. bieten an, was den Belgiern nun fehlt - ein flächendeckendes Langstreckennetz.

DÜSSELDORF. Der belgische Luftverkehrsmarkt ist umkämpft wie nie. Seit dem Konkurs des Heimat-Carriers Sabena fliegen ausländische Airlines mit zunehmender Begeisterung nach Brüssel, um dort neue Kundschaft abzuholen.

Allein die Deutsche Lufthansa hat ihr wöchentliches Sitzplatzangebot zwischen Deutschland und Belgien innerhalb kurzer Zeit um fast 75 % von 19 000 auf 33 000 Sitze ausgeweitet. Die Strecke Brüssel-Frankfurt wird seit dem Sabena-Zusammenbruch sogar neun Mal pro Tag geflogen. "Wenn wir derzeit sehen, dass wir irgendwo ein Flugzeug mehr einsetzen können, sind wir am nächsten Tag mit einer Maschine vor Ort. In Brüssel herrscht inzwischen ein gesunder Kannibalismus", sagte Ralf Teckentrup, Bereichsvorstand der Lufthansa, dem Handelsblatt. Neben der deutschen Airline haben auch British Airways, die niederländische KLM sowie Virgin Express ihre Frequenzen in Richtung Belgien deutlich erhöht.

Angenehmer Nebeneffekt für die Fluggesellschaften: Sie bringen wenigstens einen kleinen Teil ihrer massiven Überkapazitäten, mit denen sich die Branche seit dem 11. September plagt, zurück in den Markt.

DAT-Flüge sind oft leer und das Misstrauen der Passagiere groß

Zwar müht sich auch die belgische Nachfolgegesellschaft DAT, ihrer Rolle als neuer National Carrier gerecht zu werden. Doch nach Einschätzung eines Luftfahrtanalysten sind "die Flieger oft leer und das Misstrauen der Passagiere groß", weil sich die Regional-Airline mit dem Überbrückungskredit der belgischen Regierung von 125 Mill. Euro nicht mehr lange in der Luft halten könne. Wenn bei DAT nicht doch noch ein Großinvestor einspringt, wird ausgerechnet die EU-Zentrale in Brüssel künftig den National Carrier und damit alle Langstreckenanbindungen verlieren.

Die Strategie der Lufthansa ist deshalb klar: Belgische Passagiere werden von Brüssel aus zu den Drehkreuzen Frankfurt oder München befördert und bekommen dort das Streckennetz der Star Alliance mit Verbindungen in die große, weite Welt angeboten. Konkurrent Air France bringt sich derweil auf dem Brüsseler Airport mit großen Werbeplakaten als Alternative ins Spiel: Die Franzosen überlassen die Beförderungsdienste von und nach Belgien bisher dem Schnellzug Thalys, der die Fluggäste in einer guten Stunde direkt zum Flughafen Paris Charles de Gaulle bringt. Dort lockt die Allianz SkyTeam mit ihrem weltweiten Streckennetz.

Im Kampf um Belgiens Flugmarkt steckt keiner zurück

Bei so viel Wettbewerb rings um den Airport Brüssel ist ans Geldverdienen vorerst nicht zu denken. Zumal DAT den Konkurrenten mit Billigtickets zwischen 50 und 200 Euro derart die Preise verdorben hat, dass an ein gesundes Umfeld derzeit nicht zu denken ist. "Die Preise sind illegal, wenn man sie in Brüssel prüfen würde," klagt Lufthansa-Vorstand Teckentrup und spricht von einer Situation, "die mit einem normalen Wettbewerb derzeit nicht vergleichbar ist". Selbst die deutsche Airline bietet aktuell Verbindungen nach Brüssel - bei bestimmter Vorausbuchungsfrist - schon ab 150 Euro an. Im Kampf um Belgiens Flugmarkt steckt keiner zurück - koste es, was es wolle.

Dabei führte der belgische Hauptstadt-Flughafen zuletzt eher ein Schattendasein. Die Mission, Brüssel zu einem internationalen Drehkreuz auszubauen, misslang unter Führung der Swissair-Gruppe gründlich. Zum einen ist der Heimatmarkt rund um Brüssel zu klein, um die Flieger mit ausreichend Passagieren zu füttern. Außerdem ist Belgien bereits umgeben von etablierten Hubs wie London, Frankfurt und Amsterdam. Für kurze Zeit ist nun auch Brüssel in aller Munde, aber nur aus einem Grund. Teckentrup: "Die Passagiere sollen möglichst bald vergessen, dass es mal eine Sabena gegeben hat."

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